07.06.2026
6 Min. Lesezeit

Die Vorstände investieren, doch die Rendite bleibt aus. In der aktuellen PwC-Befragung unter 4.454 CEOs sagen 56 Prozent, dass ihre KI-Ausgaben bisher weder den Umsatz erhöht noch die Kosten gesenkt haben. Nur jeder achte zieht beides aus seinen Projekten. Die Frage im Vorstand lautet deshalb nicht mehr, ob KI kommt, sondern warum sich die Investitionen bei den meisten noch nicht in messbaren Ergebnissen niederschlagen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Rendite fehlt noch. 56 Prozent der CEOs sehen aus ihren KI-Investitionen bislang weder mehr Umsatz noch geringere Kosten. Nur 12 Prozent erreichen beides.
  • Die Vorreiter bauen Fundament. Die erfolgreiche Minderheit setzt KI breit im Geschäft ein, etwa 44 Prozent in den eigenen Produkten gegenüber 17 Prozent beim Rest.
  • Zuversicht sinkt, Druck steigt. Nur 30 Prozent rechnen mit Umsatzwachstum, 2022 waren es 56. Zugleich sehen sich 34 Prozent der deutschen CEOs hoch cyber-exponiert.

Verwandt:Der KI-Pilot läuft, der Regelbetrieb nicht/Improvisierte KI-Strategie: Was der Aufsichtsrat fordert

Viel Pilot, wenig Profit

Die Zahlen aus der 29. PwC-CEO-Befragung zeichnen ein nüchternes Bild. 30 Prozent der Vorstände berichten von höherem Umsatz durch KI, 26 Prozent von gesunkenen Kosten. Die Mehrheit aber, 56 Prozent, sieht bisher keinen der beiden Effekte. KI ist im Vorstand angekommen, der Return on Investment noch nicht.

Das deckt sich mit dem, was CIOs seit Monaten aus dem Maschinenraum melden: Der Sprung vom Pilotprojekt in den verlässlichen Regelbetrieb gelingt selten. Isolierte, taktische KI-Initiativen liefern messbaren Wert nur in Ausnahmen. Wo Modelle als Experiment neben dem Kerngeschäft laufen, bleiben sie eine Kostenstelle mit Demo-Charakter.

Was ist die PwC Global CEO Survey? Die Global CEO Survey ist eine jährliche Befragung von Vorstandsvorsitzenden durch das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsnetzwerk PwC. Die 29. Ausgabe von Anfang 2026 stützt sich auf Antworten von 4.454 CEOs aus 95 Ländern und gilt als einer der breitesten Stimmungsindikatoren der globalen Unternehmensführung.

Was die 12 Prozent anders machen

Interessanter als der Durchschnitt ist die Spitzengruppe. Jenes eine Achtel der Unternehmen, das aus KI gleichzeitig mehr Umsatz und niedrigere Kosten zieht, unterscheidet sich nicht durch ein besseres Modell, sondern durch Reife im Einsatz. Diese Vorreiter haben die Grundlagen gelegt: eine Datenumgebung, die KI-Integration zulässt, eine klare Roadmap statt verstreuter Einzelprojekte und feste Prozesse für verantwortungsvollen KI-Einsatz.

12 %
der CEOs ziehen aus KI bislang sowohl zusätzlichen Umsatz als auch geringere Kosten. Der große Rest investiert, ohne dass sich der Ertrag bereits zeigt.
Quelle: PwC 29th Annual Global CEO Survey, 2026

Sichtbar wird der Unterschied in der Breite des Einsatzes. In der Spitzengruppe wenden 44 Prozent KI auf die eigenen Produkte, Dienste und Kundenerlebnisse an, beim Rest sind es nur 17. Wer KI also nicht als Werkzeug der IT-Abteilung behandelt, sondern ins Produkt und in die Wertschöpfung holt, sieht sie auch in der Bilanz. Die Technik ist selten der Engpass, die organisatorische Verankerung ist es.

Zuversicht auf dem Rückzug

Der Renditedruck trifft auf eine ohnehin gedrückte Stimmung. Nur 30 Prozent der CEOs sind zuversichtlich, dass ihr Umsatz in den kommenden zwölf Monaten wächst. 2022 lag dieser Wert noch bei 56 Prozent. Geopolitische Unsicherheit, Konjunktursorgen und Cyberrisiken zahlen alle auf dieselbe Vorsicht ein, und ein Drittel der Befragten sagt, die geopolitische Lage halte sie von größeren Investitionen ab.

Für KI ist das eine heikle Kombination. Gerade wenn Budgets vorsichtiger werden, fällt es schwerer, in das Datenfundament und die Verankerung zu investieren, die die Vorreiter vom Rest trennen. Wer jetzt pauschal kürzt, spart an genau der Stelle, an der die Rendite überhaupt erst entstehen würde. Der Vorstand steht damit vor der Aufgabe, Sparsamkeit und gezielte Investition gleichzeitig zu organisieren.

Was das für deutsche Vorstände heißt

Für die DACH-Region kommt eine zweite Spannung hinzu. Während die KI-Rendite auf sich warten lässt, steigt die Bedrohungslage. 34 Prozent der deutschen CEOs schätzen ihr Unternehmen als hoch oder extrem cyber-exponiert ein, in Großbritannien sind es nur 16. Wer KI tiefer ins Geschäft holt, vergrößert die Angriffsfläche und muss Sicherheit und Governance mitdenken, nicht nachreichen.

Gleichzeitig zeigt die Befragung, dass Stillstand teuer wird. 42 Prozent der CEOs sind in den vergangenen fünf Jahren in neue Branchen vorgestoßen, und die Auswertung verbindet einen höheren Umsatzanteil aus neuen Sektoren mit besseren Margen und größerer Wachstumszuversicht. Für den Vorstand bedeutet das eine unbequeme Doppelaufgabe: KI von isolierten Piloten zu einer verankerten Fähigkeit machen und zugleich die Risiken einpreisen, die dieser Schritt mit sich bringt. Die 12 Prozent sind kein Zufall, sie sind eine Entscheidung.

Häufige Fragen

Warum sehen so wenige CEOs eine KI-Rendite?

Weil viele Unternehmen bei isolierten Pilotprojekten stehenbleiben. Messbarer Wert entsteht laut der Befragung erst, wenn KI breit und entlang der Geschäftsstrategie eingesetzt wird, gestützt auf eine geeignete Datenumgebung und klare Prozesse.

Was unterscheidet die 12 Prozent Vorreiter vom Rest?

Sie haben die Grundlagen gelegt und setzen KI deutlich breiter ein, etwa 44 Prozent in den eigenen Produkten gegenüber 17 Prozent beim Rest. Der Vorsprung liegt in der organisatorischen Verankerung, nicht in einer besseren Technik.

Wie steht es um die Zuversicht der CEOs?

Sie ist gesunken. Nur 30 Prozent rechnen mit Umsatzwachstum in den nächsten zwölf Monaten, 2022 waren es noch 56 Prozent. Die Unsicherheit über Konjunktur, Geopolitik und Cyberrisiken drückt die Erwartungen.

Warum ist das Thema für deutsche Vorstände besonders relevant?

Weil sich 34 Prozent der deutschen CEOs als hoch oder extrem cyber-exponiert sehen, mehr als doppelt so viele wie in Großbritannien. Eine breitere KI-Nutzung vergrößert diese Angriffsfläche, Sicherheit und Governance gehören deshalb in dieselbe Entscheidung.

Was sollte der Vorstand jetzt konkret tun?

KI aus dem Experimentierstatus holen: Datenfundament und Roadmap schaffen, KI in Produkte und Kernprozesse bringen und Sicherheit von Anfang an mitdenken. Die erfolgreiche Minderheit zeigt, dass der Ertrag der Verankerung folgt, nicht dem einzelnen Pilotprojekt.

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Bildquelle: KI-generiert (Juni 2026)

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