25.10.2021 | Dr. Bernhard Kirchmair

Mit welchen Finanzierungsquellen Startups aus der Pandemie kommen

Abgesehen von Finanzierungsproblemen, die in der Corona-Krise noch zugenommen haben, fehlt es Startups oft auch an der nötigen Starthilfe zum Aufbau eines belastbaren Geschäftsmodells. In diesem Beitrag zeigt Dr. Bernhard Kirchmair, Chief Digital Officer bei VINCI Energies für DACH und Osteuropa, dass es für Startups durchaus Finanzierungsquellen gibt – aber eine Finanzierung immer auf die Zukunft ausgerichtet ist und kein Startup ohne ein belastbares Geschäft überleben kann, selbst wenn es diese Finanzierungsquellen hat.

Ohne Startups wäre die deutsche und europäische Wirtschaft sehr viel ärmer. Knapp die Hälfte dieser Unternehmensgründungen sind laut Deutscher Startup Monitor 2020 (DSM) weniger als zwei Jahre alt. Und obwohl fast drei Viertel (72,2 Prozent) davon aufgrund von COVID-19 durch harte Zeiten gehen und teilweise um ihr Überleben fürchten müssen, sind in der Krise überraschend viele neue Startups entstanden. Manche B2C-Jungstars, besonders aus dem E-Commerce-Umfeld, haben so wie Delivery Hero oder Gorillas sogar von der Krise profitiert. B2B-orientierte Jungfirmen haben dagegen mehr zu kämpfen. Denn viele große Kunden und potenzielle Partner der klassischen Wirtschaftssegmente mussten ihrerseits plötzlich auf die Kostenbremse treten, Investitionen oder Beteiligungen zurückfahren oder vorübergehend sogar ganz aufs Eis legen.

Startups stehen aktuell vor zahlreichen Herausforderungen.
Startups stehen aktuell vor zahlreichen Herausforderungen. Quelle: Deutscher Startup Monitor 2020.

Finanzierung ist wichtig…

Besonders die Startups im stationären Handel sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe hat es, wie sich erahnen lässt, hart getroffen. Viele Startups nutzen die Projektstopps in der Pandemie aber auch, um die Entwicklung ihrer Produkte und Services voranzutreiben. Insbesondere Startups, die für Kunden flexible SaaS (Software-as-a-Service)-Dienste anbieten, oder Produkte, die Prozessdigitalisierung und Remote Work ermöglichen kommen gut durch die Krise.

Im Trend sind aber auch Lösungen in den Bereichen Mobility, FinTech und PropTech sowie Künstliche Intelligenz, wie eine EY-Studie jüngst zeigte.

Überblick über die bevorzugten und bisherigen Kapitalquellen von Startups
Überblick über die bevorzugten und bisherigen Kapitalquellen von Startups. Quelle: VINCI Energies.

Startups begegnen in der Pandemie oft …

  • nicht eingehaltenen oder verschobenen Finanzierungszusagen
  • wegbrechenden Kunden oder nicht eingehaltenen Kaufversprechen
  • weniger Beachtung, weil man sie in der Krise für eher „verzichtbar“ hält

Für uns von VINCI Energies ist die Innovationskraft von Startups aber unverzichtbar für unser Geschäftsmodell, und selbst in der Krise haben wir und unser Mutterkonzern VINCI vielen jungen, innovativen Unternehmen in Europa Starthilfe gegeben – und das nicht nur finanziell, sondern insbesondere mit der Vermittlung von Aufträgen und Projektgeschäft. Startups müssen sich – gerade in der Krise – natürlich auch Gedanken über die kurz-, mittel- und langfristige Finanzierung machen. Nach eigenen Ersparnissen waren staatliche Fördermittel und Business Angels 2020 die größten Finanzierungsquellen, gefolgt von „Family & Friends“. Ganz entscheidend ist an fünfter Stelle aber auch der operative Cash-Flow, während Venture Capital laut der Studie des deutschen Startup-Monitor krisenbedingt auf Platz 6 abgerutscht ist.

…ein valides Geschäft aber ebenso

Eine adäquate Finanzierung ist eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung eines Geschäftsmodells bzw. Businessplans. Gerade bei letzterem bringen wir Startups, in denen wir Synergiepotenzial sehen, als VINCI Energies mit unseren Marken für die verschiedenen Zielmärkte massiv voran. Als Systemintegratoren in Bereichen wie Operative Betriebstechnik (OT) mit Omexom & Actemium und ICT mit Axians bieten wir Startups eine sehr große Kundenplattform, um innovative Lösungen und Geschäftsideen in die Breite zu tragen oder gar gemeinsam weiterzuentwickeln.

Zu unseren Top-Marken von VINCI Energies Deutschland gehören:

  • Axians mit über 5.000 B2B-Kunden im ITK-Bereich
  • Actemium mit über 3.000 B2B-Kunden im Industrie-Segment
  • Omexom als Energie-Infrastrukturpartner vieler Netzbetreiber, Stadtwerke und Kommunen
  • VINCI Facilities als Partner für Facility Management und Gebäudetechnik mit Kunden wie Einkaufszentren und Militäreinrichtungen
  • Kleinere Spezialisten, zum Beispiel für Brand- und Schallschutztechnik

In Summe zählt VINCI Energies Deutschland über diese Marken und in allen Zielmärkten mehr als 10.000 Kunden, die für Startups als Business-Partner von Interesse sein können – und umgekehrt.

Wir leisten mehr als nur finanzielle Starthilfe

Mit der weit über die Finanzierung hinausgehenden Starthilfe für Startups haben wir ein großes Alleinstellungsmerkmal: Als Systemintegrator wickeln wir in Deutschland jährlich eine hohe fünfstellige Zahl an Kundenprojekten ab – Startups in Projekte zu integrieren, fällt uns verhältnismäßig leicht. An Finanzierungsmöglichkeiten fehlt es nicht wirklich.

VINCI Energies Startups unterstützt junge Gründer auch bei der Finanzierung. Quelle: AdobeStock / Zerbor.

Die generelle Situation, an Wagniskapital heranzukommen, hat sich gegen den Trend vor und während der Krise sogar verbessert. Die deutschen Förderbanken, die Landesbanken und auch die genannten privaten Geldgeber stellen in Summe grundsätzlich mehr Kapital zur Verfügung als noch vor wenigen Jahren. Allein im ersten Halbjahr 2021 wurde bereits in etwa so viel Venture Capital in deutsche Startups investiert wie im gesamten Vorjahr.

Wie Bundeskanzlerin Angela Merkel im Vorwort zur deutschen Startup Monitor-Studie sagte, hat die deutsche Regierung beschlossen, den deutschen Startups mit zwei Milliarden Euro aus der Corona-Krise zu helfen. Wir sensibilisieren Startups immer für einen intelligenten Mix aus Fremd- und Eigenkapital. Mit Fremdkapital, Bankkrediten etwa, können die Startups zwar eine gewisse Zeit überbrücken, wenn in der Krise Investitionszusagen weggebrochen sind. Aber auch das Fremdkapital, die Verzinsung und Rückzahlungsfristen sind immer an Meilensteine in der Geschäftsentwicklung gekoppelt. Hier können wir als VINCI Energies unterstützen: Mit unseren vielen B2B-Kunden und hohen Bestandsumsätzen leisten wir einen Beitrag, dass Startups Kredite zu günstigen Konditionen aufnehmen und vor allem auch zurückzahlen können, was natürlich auch im Sinne der Investoren oder Kapitalgeber ist.

In Ökosystemen denken ist ganz entscheidend

Für Unternehmer ist es wichtig in Ökosystemen zu denken, was mit dem Innovationsprogramm LEONARD und dem Programm Startup Connect möglich wird. Quelle: AdobeStock / BullRun

Beim Geschäftsaufbau ist es für B2B-Startups ganz entscheidend, in Ökosystemen zu denken – das empfehle ich auch immer unseren eigenen Business Units. Und das ist es, was wir mit dem konzernübergreifenden Innovationsprogramm LEONARD und dem Programm Startup Connect für VINCI Energies im DACH-Raum leisten möchten.

Strategisch verantworte ich als Chief Digital Officer (CDO) auch das Geschehen in Osteuropa und die Startup-Landschaft dort haben wir genauso im Blick wie die in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In meinem Zuständigkeitsbereich haben wir bei VINCI Energies allein 2020 mit mehr als 20 jungen Technologieunternehmen in Kundenprojekten gearbeitet – vom Piloten bis zur Produktivsetzung.

Besonders relevant für uns ist das Wachstumsfeld Künstliche Intelligenz, welches zunehmend auch das Startup-Geschehen in Deutschland bestimmt. Allein im Rahmen unseres Innovationsprogramms LEONARD arbeiten wir mit über 10 KI-Startups zusammen und bringen diese in den verschiedenen Bereichen, wie Arbeitssicherheit, Musterdatenerkennung in der Produktion, in der Qualitätssicherheit oder in der Medizintechnik, bei unseren über 10.000 Kunden zum Einsatz. Es geht dabei immer um die Frage, wie die Innovation der Startups die Wertschöpfung und Prozesse bei unseren Endkunden besser gestalten kann. Und besser bedeutet oftmals digitaler.

Vorzeigeprojekt intelligente, stromsparende Lichtmasten

Stellvertretend für viele Projekte, die wir mit Startups umgesetzt haben, möchte ich an dieser Stelle auf die Partnerschaft von Omexom mit dem Aachener Startup S O NAH eingehen. Ein hochspannendes Unternehmen, das sich auf intelligente Sensorik und Kameras für verfügbare Parkplätze mit Mustererkennung spezialisiert hat. Omexom hat zuvor schon in vielen Kommunen begonnen, mit der VINCI-Technologie WE-LIGHT OPEN viele Lichtmasten oder Straßenlaternen umweltfreundlich auf LED-Beleuchtung umzurüsten. Mit der Plattform von S O NAH können den Städten und Gemeinden nun intelligente Lichtmasten angeboten werden. Die Unternehmen konnten so jeweils auch ihre Kundenbasis erweitern.

Das Startup S O NAH hat sich auf intelligente Sensorik und Kameras zur Parkplatzsuche spezialisiert. Quelle: S O NAH

Wir haben S O NAH über unser Startup-Connect-Programm an uns gebunden und das junge Unternehmen gleich als Gewinn für unser Engagement im Bereich Smart Cities entdeckt. Bei Startups wie SONAH finden wir in der Regel für beide Seiten eine Win-Win-Situation vor, zumal der höhere Eigenumsatz, den die Aachener vorweisen konnten, das Unternehmen auch für Fremdkapital attraktiver macht, um die nächste Growth-Phase einleiten, mehr Personal einstellen und Betriebsmittel anschaffen zu können.

Wo die Startup-Musik spielt und warum VINCI Energies

Die eingangs genannte Startup-Studie von EY zeigt, dass allein die 100 größten deutschen Startups 2019 rund 11,1 Milliarden Euro an Fördergeldern oder Finanzhilfen aufgenommen haben, ein sattes Plus gegenüber 4,8 Milliarden Euro im Vorjahr. Berlin war unter den Top 100 mit 63 Unternehmen immer noch das Startup-Mekka, gefolgt von München mit 19. Im KI-Bereich haben sich mit Celonis IDnow und KONUX aber drei Unternehmen aus Isar Valley an die Spitze gesetzt.

In der Zusammenarbeit mit Startups, setzen wir – komplementär zu traditionellen Finanzinvestoren – dort an, wo auf Seiten des Startups nachhaltiger Wert entsteht: der Vermittlung von Geschäft und Umsätzen über unsere Markentöchter und damit den nötigen Marktzugang, um wachsen zu können.

Quelle Titelbild: AdobeStock / VectorMine

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