08.07.2025

Das deutsche Startup Neura Robotics hat auf der Messe Automatica Ende Juni 2025 in München menschenähnliche KI-Roboter vorgestellt, die im Schwarm mit KI-Intelligenz trainiert, bald massenhaft in unsere Haushalte einziehen könnten.

Japan und Südkorea zeigen heute schon, dass in überalternden Gesellschaften künftig immer mehr Roboter und humanoide Pflegekräfte Einzug halten werden. Ein Großteil der Entwicklung dazu findet in China und den USA statt. Aber auch in Deutschland gibt es Unternehmen, die auf diesem Markt mitmischen wollen.

Von Skepsis wie bei Altman keine Spur

Ein deutscher „Stern“ der Robotergeschichte ist 2019 mit Neura Robotics in Metzingen bei Reutlingen südlich von Stuttgart aufgegangen. Das Startup ist angetreten, humanoide Helfer in den Alltag zu bringen und hat die dritte Generation eines solchen KI-Roboters „4NE1“ genannt. Das Kürzel steht dabei für „for anyone“, sprich für jedermann. Eben diesen Helfer hat Neura Robotics neben einem mobilen Serviceroboter namens MiPa Ende Juni 2025 auf der Münchener Leitmesse Automatica präsentiert.

Mensch und Roboter
Auf der Automatica 2025 vorgestellt: KI-gestützte Roboter sollen bald in Haushalten, Pflege und Industrie zum Einsatz kommen. Bildquelle: Adobe Stock/Limitless Visions

Von der Skepsis, die Sam Altman, CEO der ChatGPT-Mutter OpenAI, zwei Monate vorher zum Ausdruck brachte, war dort laut WirtschaftsWoche nichts zu spüren. Der hatte gesagt, dass menschenähnliche Roboter für den Alltag zwar kurz vor der Marktreife, die Gesellschaft aber nicht reif für die Konfrontation mit ihnen sei. „Sie kommen, aber es wird sich sehr wie Science-Fiction anfühlen“, so der OpenAI-Chef in dem WiWo-Artikel.

Darüber kann David Reger, Gründer und CEO von Neura Robotics, nur lachen. Wer wie OpenAI hinter der Entwicklung hinterher sei, müsse wohl jeden früheren Zeitpunkt kritisieren. Jeder Roboterhersteller wisse doch, dass er sich in einem Wettrennen befindet. Und wer früher auf dem Markt sei, werde die meisten Stückzahlen verkaufen, so Reger laut WiWo.

„Robotik auf dem Weg zum Massenmarkt“

Der mit 1,80 Meter mannshohe KI-Roboter von der Schwäbischen Alb erinnert, wie es bei WiWo heißt, etwas an den Star-Wars-Humanoiden „C3PO“. Anspruch von Reger und seiner Firma ist es, Robotern wie diesem den Weg aus der Industrie in den Alltag der Menschen zu bahnen. „Wir haben alles dafür, den größten Zukunftsmarkt der Welt anzuführen“, zitiert t3n Reger, der wie sein Unternehmen selbstbewusst auftritt.

Roboter mit Karton
Der humanoide Roboter 4NE1 von Neura Robotics erkennt Sprache, Emotionen – und reagiert sogar auf Berührungen. Bildquelle: Adobe Stock/StokHunt

Die von Neura Robotics entwickelten autonomen Roboter sind mit künstlicher Intelligenz und einer Vielzahl von Sensoren ausgestattet, die ihnen helfen, sich in ihrer Umgebung zurechtzufinden, daraus zu lernen, Entscheidungen zu treffen und sich den Bedingungen anzupassen.

„Robotik steht vor dem Sprung zum Massenmarkt“, ist Reger überzeugt. Er und sein Unternehmen wollen bei der Entwicklung ganz weit vorne sein. Die WirtschaftsWoche hatte Neura Robotics zusammen mit Accenture und O2 Telefónica bei der Verleihung des deutschen Innovationspreises im März als „Innovator of the Year“ ausgezeichnet

Künstliche Haut reagiert auch ohne Berührung

Von der Größe und dem Gewicht von 80 Kilogramm ist 4NE1 dem deutschen Durchschnittsmann schon sehr ähnlich. Er kann mit 100 Kilogramm auch etwas mehr stemmen und ist in der Lage, auch menschliche Stimmen, Sprache und Emotionen zu erkennen. Seine „Gangart“ ist mit drei Stundenkilometer eher gemütlich.

Eine neuartige, „Artificial Skin“ genannte Sensorhaut gestattet dem Roboter, auch ohne direkten Kontakt auf Berührungen zu reagieren, ebenso auf Druck oder Streicheln. „Diese kognitive Robotik ist die nächste Stufe der technologischen Revolution – und sie passiert genau jetzt“, so Reger. Der sieht auch schon eine Nachfrage für solche Humanoide: „Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, fünf Millionen Roboter bis 2030 auszuliefern – für Industrie, Dienstleistung und Zuhause.“

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