12.09.2026
5 Min. Lesezeit

Oracle hat am 10. September 2026 die Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahrs 2027 veröffentlicht. Der Konzern setzt rund 17 Milliarden Euro um und gibt im selben Quartal rund 24 Milliarden Euro für Rechenzentren aus. Viele Kunden legen sich dabei fest, bevor nach drei Jahren eine Verlängerung oder ein Ausstieg feststeht, denn ihre Vorauszahlungen finanzieren den Ausbau mit.

Das Wichtigste in Kürze

  • Oracle weist für das erste Quartal rund 17 Milliarden Euro Umsatz aus. Der Zuwachs kommt aus der Cloud-Infrastruktur, der Softwareumsatz sinkt, weil Kunden in die Cloud wechseln.
  • Neue KI-Cloud-Verträge über mehr als 25 Milliarden Euro lassen Oracles Kapitalplan nach Konzernangaben unverändert. Kunden zahlen den Ausbau meist per Vorauszahlung oder mit eigener Hardware.
  • Finanzchefin Hilary Maxson sagt, rund die Hälfte des Auftragsvorrats soll in 36 Monaten Umsatz werden. Danach entscheidet der Vertrag über Verlängerung oder Ausstieg.
  • Oracle hat 850 Megawatt zusätzliche Rechenzentrumskapazität und mehr als 300.000 Grafikprozessoren geliefert. Der größte Teil steht in Abilene in Texas, europäische Standorte nennt Oracle nicht.

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Oracle meldet 17 Milliarden Euro Quartalsumsatz

Der Konzern weist in der Quartalsmitteilung vom 10. September 2026 einen Umsatz von rund 17 Milliarden Euro aus und bezeichnet das Quartal als Rekord. Der Umsatz stieg um 30 Prozent, vor allem durch Cloud-Infrastruktur statt durch Lizenzen.

Kunden mieten Rechenleistung in der Cloud und zahlen weniger für Software im eigenen Rechenzentrum.

Cloud-Infrastruktur wächst um 121 Prozent

Cloud-Infrastruktur erzielte rund 6,4 Milliarden Euro Umsatz und wuchs damit um 121 Prozent. Die Cloud-Anwendungen legten im selben Zeitraum nur um zehn Prozent zu.

Position Betrag Veränderung
Gesamtumsatz rund 17 Milliarden Euro plus 30 Prozent
Cloud insgesamt rund 10 Milliarden Euro plus 62 Prozent
Cloud-Infrastruktur rund 6,4 Milliarden Euro plus 121 Prozent
Cloud-Anwendungen rund 3,6 Milliarden Euro plus 10 Prozent
Software rund 4,7 Milliarden Euro minus 3 Prozent

Quelle: Oracle-Pressemitteilung, 10. September 2026. Euro-Beträge umgerechnet mit EZB-Referenzkurs vom 11. September 2026, gerundet.

Der Softwareumsatz lag bei rund 4,7 Milliarden Euro. Er sank um 3 Prozent. Oracle führt den Rückgang auf die Migration von On-Premises-Software in die Cloud zurück. On-Premises bedeutet Software im eigenen Rechenzentrum des Kunden.

Hinter dem Rückgang stehen keine abspringenden Kunden. Sie bezahlen dieselbe Software künftig als Cloud-Miete statt als Lizenz. Der Rückgang von drei Prozent ist deshalb kleiner, als er in der Tabelle wirkt.

rund 570 Milliarden Euro
Auftragsvorrat (Remaining Performance Obligations), rund 180 Milliarden Euro mehr als vor einem Jahr
Oracle-Pressemitteilung, 10. September 2026

Wer zahlt für 850 Megawatt Rechenzentren?

Oracle hat seit Ende des Vorquartals 850 Megawatt zusätzliche Rechenzentrumskapazität mit mehr als 300.000 Grafikprozessoren an Kunden übergeben, den Chips, auf denen große KI-Modelle rechnen. Der größte Teil steht laut Co-Vorstandschef Clay Magouyrk in der Telefonkonferenz auf dem Campus in Abilene in Texas, wo 618 Megawatt in sechs von acht Gebäuden übergeben sind. Weitere Standorte entstehen in New Mexico und Wisconsin.

Der freie Cashflow lag im Quartal bei minus rund 4,3 Milliarden Euro. Dieser Wert misst die Zahlungsmittel nach Investitionen. Der Ausbau bindet also mehr Mittel, als das Tagesgeschäft im Quartal einspielt.

Der operative Cashflow stieg um 184 Prozent auf rund 20 Milliarden Euro. Der Konzern erzeugt im Tagesgeschäft Mittel und steckt sie in Rechenzentren und Grafikprozessoren. Wie viel Kapital Oracle zusätzlich aufnehmen muss, hängt von der Lücke zwischen diesen beiden Größen ab. Die Ratingagentur S&P hat Oracle deshalb am 9. Juli 2026 auf BBB- herabgestuft, eine Stufe über dem Ramschniveau.

Die Investitionen im ersten Quartal lagen bei rund 24 Milliarden Euro. Nach Abzug der Kundenvorauszahlungen blieben davon laut Maxson rund 15 Milliarden Euro, die Oracle selbst finanzieren musste. Die Kunden übernehmen damit bereits im Quartal rund ein Drittel der Finanzierung.

Die meisten neuen Verträge laufen über Vorauszahlung

Oracle schloss im Quartal neue KI-Cloud-Verträge über mehr als 25 Milliarden Euro ab. Wegen der Struktur dieser Verträge, so der Konzern in der Mitteilung, gebe es keine zusätzliche Auswirkung auf die Pläne zur Kapitalaufnahme. Das heißt: Der bestehende Finanzierungsplan bleibt, eine weitere Kapitalaufnahme schließt Oracle damit nicht aus.

Finanzchefin Hilary Maxson sagt laut Reuters, die große Mehrheit der neuen Aufträge laufe über Vorauszahlung, Bring-your-own-Hardware oder einen ähnlichen Mechanismus. Bring-your-own-Hardware bedeutet, der Kunde kauft die Geräte selbst und stellt sie in einem Rechenzentrum von Oracle auf. Für diese Aufträge braucht Oracle deshalb kein zusätzliches Kapital.

Zugleich hat Oracle über ein laufendes Programm neue Stammaktien an der Börse verkauft und damit rund 17 Milliarden Euro vor Provisionen eingenommen. Dieser Betrag liegt in der Größenordnung des Quartalsumsatzes und zeigt, dass der Ausbau neben den Vorauszahlungen weiter frisches Eigenkapital braucht.

Der Vertrag bindet den Kunden, bevor die Kapazität läuft. Wer Kapazität reserviert, übernimmt oft zuerst das Kapitalrisiko. Oracle verkauft bei dieser Vertragsform Rechenzeit und finanziert den Ausbau über die Gegenseite. Für Einkäufer wird daraus eine Kreditfrage: Wer Kapazität vorfinanziert, gibt dem Anbieter faktisch einen Kredit und muss prüfen, was bei Verzug oder Ausfall gilt.

Nach 36 Monaten entscheidet der Ausstieg

Die Remaining Performance Obligations, also gebuchte und noch nicht abgerechnete Verträge, lagen bei rund 570 Milliarden Euro. Sie stiegen um rund 180 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr. Oracle hat damit einen Auftragsvorrat, der mehrere Jahresumsätze umfasst.

Maxson sagte in der Telefonkonferenz, rund die Hälfte dieses Auftragsvorrats solle in den nächsten 36 Monaten Umsatz werden. Nach diesem Zeitraum steht für die Kunden die Verlängerung oder der Ausstieg an.

Europäische Standorte für die neue Kapazität nannte Oracle nicht. Für Kunden mit Anforderungen an den Speicherort ihrer Daten bleibt damit offen, wo ihr Cluster rechnet.

Was nach dem Quartal im Vertrag offen bleibt

Oracle hat das zweite Quartal mit einem Umsatzwachstum von 30 bis 34 Prozent angelegt. Das Jahresziel bleibt ein Umsatz von mindestens 77 Milliarden Euro. Ob Vorauszahlung und eigene Hardware dieses Ziel bedienen, ohne den bestehenden Kapitalplan auszuweiten, entscheidet der Konzern mit den nächsten Quartalszahlen.

Was ist Remaining Performance Obligation? Remaining Performance Obligations sind gebuchte und noch nicht abgerechnete Verträge. Oracle weist dafür rund 570 Milliarden Euro aus.

Häufig gestellte Fragen

Heißt die Quartalsmeldung, dass Oracle keine weitere Finanzierung mehr braucht?

Oracle schreibt nur, dass die neuen KI-Cloud-Verträge den bestehenden Kapitalplan nicht zusätzlich ändern. Der Konzern hat über das laufende Aktienverkaufsprogramm rund 17 Milliarden Euro vor Provision platziert. Die Ratingagentur S&P hat Oracle im Juli wegen Cashflow und Geschäftsrisiko herabgestuft.

Wer zahlt die Grafikprozessoren, bevor der Cluster läuft?

Finanzchefin Hilary Maxson sagt laut Reuters, die Mehrheit der neuen Aufträge sei Vorauszahlung, Bring-your-own-Hardware oder ein ähnlicher Mechanismus. Die Investitionen im Quartal lagen bei rund 24 Milliarden Euro. Nach Abzug der Kundenvorauszahlungen blieben laut Maxson rund 15 Milliarden Euro bei Oracle. Einen Preis je Nutzer nennt Oracle für diese Verträge nicht.

Was bleibt für Kunden nach den 36 Monaten offen?

Rund die Hälfte des Auftragsvorrats soll laut Maxson in 36 Monaten Umsatz werden. Wie Verlängerung und Ausstieg danach geregelt sind, steht im einzelnen Vertrag und nicht in der Quartalsmitteilung. Auch Standorte der 850 Megawatt außerhalb der USA hat Oracle nicht genannt.

Bildquelle: KI-generiert (September 2026)

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