Bosch is scaling back to rebuild
Eva Mickler
6 Min. reading time Bosch is cutting around 13,000 additional jobs in Germany by 2030 and shifting its ...
Die deutsche Internetwirtschaft wächst mit 9,8 Prozent jährlich und soll bis 2030 ein Marktvolumen von 389 Milliarden Euro erreichen. Diese Zahlen unterstreichen die Bedeutung digitaler Dienste als Wachstumstreiber, trotz struktureller Engpässe.
Das Wichtigste in Kürze
Die Nachfrage nach Rechenleistung steigt exponentiell, getrieben durch KI-Modelle, Edge-Computing und 5G. Die Studie von eco und der Unternehmensberatung Arthur D. Little zeigt: Ohne massive Verbesserungen in Energieeffizienz und Infrastrukturkapazität wird dieses Wachstum nicht nachhaltig sein.
Hochdichte-Serverracks erreichen heute Spitzenlasten von über 30 kW pro Rack. Gleichzeitig sinken die CO₂-Ziele. Die Branche reagiert mit innovativen Kühlkonzepten wie direkter Flüssigkeitskühlung und Abwärmenutzung. In Berlin und Hamburg laufen bereits Pilotprojekte, bei denen Abwärme aus Rechenzentren in Fernwärmenetze eingespeist wird. Diese Lösungsansätze bleiben jedoch Einzelfälle, da fehlende regulatorische Rahmenbedingungen eine flächendeckende Umsetzung verhindern.
Dr. Nejc Jakobin von Arthur D. Little äußert Zweifel, ob die politischen Ziele einer flächendeckenden Glasfaser- und 5G-Versorgung bis 2030 erreicht werden können. Die Studie bestätigt: Das Marktvolumen der deutschen Internetwirtschaft lag 2024 bei 221 Milliarden Euro – knapp unter der 2020 prognostizierten Marke von 232 Milliarden Euro und der 2023 angepassten Prognose von 251 Milliarden Euro. Die Diskrepanz zeigt: Wachstum ist real, aber nicht linear – und hängt entscheidend von der Verfügbarkeit von Ressourcen ab.
KI und insbesondere generative KI haben eine Flut von Neuerungen ausgelöst. Unternehmen investieren massiv, aber gleichzeitig spüren sie den Druck finanzieller Überlegungen. Lars Riegel, Partner bei Arthur D. Little, beobachtet einen zunehmend als „brutal“ wahrgenommenen Wettbewerb im Bereich digitaler Infrastrukturen. Viele Unternehmen betrachten KI-Investitionen als essenziell, was die Nachhaltigkeit der Ressourcenbereitstellung unter Druck setzt.
Ein zentrales Thema ist die Souveränität. Unternehmen wollen mehr Kontrolle über ihre Cloud-Umgebungen. Sie suchen nach Alternativen zu zentralisierten Anbietern und setzen auf hybride oder lokale Lösungen. Dieses Streben nach Souveränität ist kein theoretisches Konzept – es manifestiert sich in konkreten Entscheidungen über Lieferketten, Datenstandorte und Anbieterwahl.
Die Studie identifiziert drei Dimensionen der Souveränität: technologisch, organisatorisch und rechtlich. Technologische Souveränität bedeutet, dass Unternehmen eigene Architekturen wählen können – etwa Open-Source-KI-Modelle statt proprietärer APIs. Organisatorische Souveränität bezieht sich auf die Steuerung von Prozessen und Governance. Rechtliche Souveränität gewährleistet die Einhaltung deutscher und europäischer Datenschutzstandards. Deutsche Unternehmen priorisieren diese Aspekte stärker als internationale Konkurrenten – ein Trend, der sich in den nächsten Jahren verstärken dürfte.
Der Ausbau von Glasfasernetzen bleibt eine der größten Herausforderungen für die deutsche Digitalisierung. Obwohl Betreiber von Glasfasernetzen als Wachstumsmotor der ITK-Branche gelten, müssen sie mit komplexen Anforderungen umgehen. Die CEOs dieser Unternehmen berichten von verzögerten Genehmigungsverfahren, sinkenden Energiekosten und fehlenden Investitionsanreizen. Regionen mit schlechter Glasfaseranbindung weisen geringere Innovationsraten und niedrigere Produktivitätssteigerungen auf. Insbesondere ländliche Gebiete drohen abgehängt zu werden.
Deutschland hat bei FTTH/B-Anschlüssen mit 42 Prozent eine deutlich geringere Abdeckung als Länder wie Frankreich (90 Prozent), Großbritannien (71 Prozent) oder Italien (64 Prozent). Die Bundesregierung hat das Gigabit-Versprechen ausgesprochen, doch dessen Einhaltung hängt entscheidend von verstärkten privaten Investitionen ab.
Die Studie empfiehlt daher eine bundesweite Förderstrategie, die nicht nur Baukosten subventioniert, sondern auch operative Betriebskosten in den ersten fünf Jahren unterstützt. Nur so lassen sich private Investoren langfristig binden.
In der Nutzung von Künstlicher Intelligenz zeigen deutsche kleine und mittelständische Unternehmen mit 28 Prozent gegenüber 21 Prozent im EU-Durchschnitt keine schlechte Position. Bei großen Unternehmen liegt der Anteil mit 63 Prozent deutlich über dem EU-Durchschnitt von 48 Prozent. In Norwegen ist der Anteil sogar mit 41 Prozent höher. Diese Zahlen zeigen: Die deutsche Wirtschaft nutzt KI bereits, aber nicht in allen Segmenten gleich intensiv.
Cloud- und Plattformdienste, KI-getriebene Anwendungen und datenintensive Industrien bilden die Haupttreiber der Entwicklung. Die Studie bestätigt, dass das digitale Ökosystem sich schneller entwickelt als alle anderen Sektoren. Damit festigt sich seine Rolle als Schlüsselbranche für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und resiliente Wertschöpfung.
Trotzdem bleibt Skepsis. Viele KMU zögern noch, weil sie fehlende Fachkräfte, hohe Implementierungskosten und unklare ROI-Erwartungen nennen. Große Unternehmen hingegen investieren aggressiv – oft in Form von KI-Hubs oder internen Labs. Der Unterschied zeigt sich auch in der Strategie: Während KMU punktuell automatisieren, streben Konzerne nach systemischer Transformation. Die Studie warnt: Ohne breitere Adoption bleibt das volle Potenzial ungenutzt.
“Wir beobachten zudem ein verstärktes Streben nach Souveränität bei den Unternehmen, die sich mehr Auswahlmöglichkeiten hinsichtlich ihrer Cloud-Umgebungen wünschen.”
Im Jahr 2024 lag das Marktvolumen der deutschen Internetwirtschaft bei 221 Milliarden Euro. Dieser Wert liegt unter der 2020 prognostizierten Marke von 232 Milliarden Euro und auch unter der 2023 angepassten Prognose von 251 Milliarden Euro.
Die wichtigsten Hindernisse sind Engpässe und Energieknappheit, insbesondere bei der Versorgung von Rechenzentren. Zudem behindert der langsame Glasfaserausbau mit nur 42 Prozent FTTH/B-Anschlüssen – deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 69 Prozent – die Skalierung digitaler Dienste. Verzögerte Genehmigungsverfahren und fehlende Anreize für private Investoren verschärfen die Lage.
KI ist ein zentraler Wachstumstreiber. Cloud-Dienste, Plattformmodelle und KI sollen bis 2030 fast 40 Prozent der Erlöse generieren und sind somit der zentrale Treiber der Entwicklung.
Deutschland hat bei FTTH/B-Anschlüssen mit 42 Prozent eine deutlich geringere Abdeckung als Länder wie Frankreich (90 Prozent), Großbritannien (71 Prozent) oder Italien (64 Prozent). Hauptursachen sind bürokratische Hürden, lange Genehmigungsfristen und mangelnde operative Unterstützung für Betreiber.
Innovative Kühlkonzepte wie direkte Flüssigkeitskühlung und Abwärmenutzung gelten als kritische Hebel für mehr Energieeffizienz und Infrastrukturkapazität. Pilotprojekte in Berlin und Hamburg zeigen, dass diese Ansätze effektiv sind, aber fehlende regulatorische Rahmenbedingungen verhindern eine flächendeckende Umsetzung.
Image source: Pexels / FOTOGRAF
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