KI im Vorstand: warum nur 12 Prozent profitieren
Eva Mickler
6 Min. Lesezeit Die Vorstände investieren, doch die Rendite bleibt aus. In der aktuellen PwC-Befragung ...
6 Min. Lesezeit
41 Prozent der deutschen Unternehmen nutzen inzwischen KI, mehr als doppelt so viele wie vor einem Jahr. Trotzdem fällt in CIO-Meetings immer derselbe teure Satz: Der Pilot lief, aber den Regelbetrieb hat das Projekt nie erreicht. Der Engpass ist dabei selten die Technik. Er liegt in der Integration, im Change Management und in Erwartungen, die im Pilot nie auf die Probe kamen.
Das Wichtigste in Kürze
Verwandt:Bitkom-Studie: KI-Projekte geraten aus den Fugen / AI im Vorstand: Wer entscheidet, wer haftet?
Was ist KI im Regelbetrieb? Regelbetrieb heißt, dass eine KI-Anwendung dauerhaft, für alle vorgesehenen Nutzer und mit echten Live-Daten läuft, statt nur in einem abgegrenzten Pilotversuch. Erst dort zeigt sich, ob das System Last, Datenqualität und laufende Kosten trägt. Genau dieser Übergang ist 2026 der häufigste Punkt, an dem KI-Vorhaben hängenbleiben.
Ein Pilot ist so gebaut, dass er gelingt. Eine Handvoll motivierter Nutzer, ein sauber kuratierter Datensatz, ein überschaubarer Anwendungsfall. Genau diese Bedingungen verschwinden im Regelbetrieb. Die Zahl der Nutzer steigt, die Daten werden unsauber, und die Last lässt sich nicht mehr vorhersagen. Was im Piloten ein Erfolg war, wird im Alltag zur Dauerbaustelle, wenn niemand den Unterschied vorher eingeplant hat.
In der Praxis sind die Hürden organisatorischer Natur: die Integration in bestehende Systeme, das Mitnehmen der Belegschaft und Erwartungen, die im Pilot nie auf die Probe kamen. Für den CIO heißt das: Der schwierige Teil beginnt erst nach dem erfolgreichen Piloten.
In den Projektpostmortems tauchen immer wieder dieselben vier Muster auf. Keines davon ist ein Technologieproblem, und genau das macht sie so hartnäckig.
Erstens: Der Pilot beweist das Falsche. Er zeigt, dass das Modell eine Aufgabe lösen kann. Ob die Organisation sie täglich tausendfach bewältigt, steht auf einem anderen Blatt. Die Demo klärt die Machbarkeit, die Tragfähigkeit bleibt offen. Wer beides verwechselt, rollt einen Machbarkeitsbeweis aus, der nie auf Last getestet wurde.
Zweitens: Die Integration wird unterschätzt. Im Piloten läuft die KI neben den bestehenden Systemen her. Im Regelbetrieb muss sie hinein, in ERP, CRM und Rechteverwaltung. Dieser Schritt frisst oft mehr Aufwand als das Modell selbst und wird im Pilotbudget nie veranschlagt.
Drittens: Niemandem gehört der Betrieb. Der Pilot hat ein Projektteam, der Regelbetrieb braucht eine feste Linienrolle. Fehlt sie, fällt die Anwendung in ein Zuständigkeitsloch, sobald das Projekt endet. Dann patcht niemand, niemand budgetiert, niemand wird angerufen, wenn sie ausfällt.
Viertens: Die Kosten kippen. Rund ein Drittel der KI-nutzenden Unternehmen nennt KI teurer als erwartet. Der Grund liegt im Übergang: Token-Verbrauch, Hosting und Integration tauchen erst im Dauerbetrieb in voller Höhe auf. Die Pilot-Kalkulation stimmte, sie umfasste nur das kleine Testvolumen.
Quelle: Auswertungen zur Bitkom-KI-Studie 2026
Der Kern des Problems lässt sich in einer Tabelle zusammenfassen. Fast jede gescheiterte Skalierung lässt sich auf eine Verwechslung dieser beiden Spalten zurückführen.
| Dimension | Pilot | Regelbetrieb |
|---|---|---|
| Nutzer | eine Handvoll Freiwilliger | alle vorgesehenen Nutzer |
| Daten | kuratierter Testdatensatz | reale, unsaubere Live-Daten |
| Kosten | Projektbudget, einmalig | laufender Posten pro Anfrage |
| Verantwortung | das Projektteam | eine feste Linienrolle |
| Erfolgsmaß | Funktioniert die Demo? | Trägt es im Alltag? |
Wer die rechte Spalte schon in der Pilotphase mitplant, baut keinen schöneren Piloten. Er baut einen, der den Übergang übersteht. Das ist langsamer und unbequemer, aber es ist der Unterschied zwischen einem Vorzeigeprojekt und einem laufenden System.
Die Unternehmen, bei denen KI den Regelbetrieb erreicht, verdanken das selten dem besseren Modell. Den Ausschlag geben vier Entscheidungen, die vor dem Piloten fallen.
Den Regelbetrieb zur Eintrittskarte machen. Ein Pilot wird nur genehmigt, wenn von Anfang an feststeht, wie der produktive Betrieb aussieht: wer ihn verantwortet, was er kostet, welche Kennzahl ihn rechtfertigt. So fällt die schwierige Frage am Anfang, nicht am Ende.
Eine Linienrolle vor dem Start benennen. Bevor die erste Zeile läuft, steht fest, in welcher Abteilung die Anwendung später lebt und wer sie betreibt. Das Projektteam baut, die Linie übernimmt. Ohne diese Übergabe gibt es keinen Regelbetrieb, nur ein auslaufendes Projekt.
Die Kosten am realen Volumen rechnen. Maßstab ist das erwartete Dauervolumen samt Spitzen, hochgerechnet auf das echte Nutzungsniveau. Eine ehrliche Kalkulation im Vorfeld verhindert die Überraschung, die rund ein Drittel der Häuser trifft.
Change Management als Teil des Projekts führen. Eine KI verändert Abläufe und Rollen. Wer die betroffenen Mitarbeiter erst beim Rollout einbezieht, kämpft gegen ihren Widerstand. Akzeptanz wird mit dem Projekt geplant oder gar nicht.
Keiner dieser Punkte ist neu, und keiner ist teuer. Der eigentliche Hebel liegt im Zeitpunkt: Diese Entscheidungen gehören vor den Piloten. Wer sie nachreicht, hat den Sprung schon erschwert, bevor er ihn versucht.
Weil der Pilot unter idealen Bedingungen läuft: wenige Nutzer, saubere Daten, ein abgegrenzter Fall. Im Regelbetrieb steigen Nutzerzahl, Datenchaos und Last. Dann entscheiden Integration, Change Management und Erwartungsmanagement über den Erfolg, weniger die Leistungsfähigkeit des Modells.
Es heißt, vor dem Projektstart festzulegen, in welcher Abteilung die Anwendung später lebt und wer sie verantwortet. Das Projektteam baut die Lösung, die Linie betreibt sie dauerhaft. Ohne diese Übergabe fällt die KI in ein Zuständigkeitsloch, sobald das Projekt endet.
Weil die Kosten mit dem Volumen skalieren. Token-Verbrauch, Hosting und Integration fallen pro Anfrage an und summieren sich im Dauerbetrieb. Die Pilot-Kalkulation rechnet meist nur das kleine Testvolumen. Jedes dritte Unternehmen nennt KI deshalb laut Bitkom teurer als erwartet.
Indem der Regelbetrieb zur Bedingung für die Pilotgenehmigung wird. Wer schon vor dem Start klärt, wer betreibt, was es kostet und welche Kennzahl den Erfolg misst, baut den Übergang ein. Die schwierige Frage fällt damit am Anfang, wo sie noch günstig zu beantworten ist.
Eine zentrale. KI verändert Abläufe und Rollen, und ohne Akzeptanz der betroffenen Mitarbeiter bleibt selbst die beste Anwendung ungenutzt. Wer die Belegschaft erst beim Rollout einbindet, kämpft gegen Widerstand. Change Management gehört deshalb in das Projekt, nicht in eine spätere Phase.
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Quelle Titelbild: Pexels / Sergei Starostin (px:6466141)
Bilder im Artikel: KI-generiert (Mai 2026)
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