07.11.2024

Ende Oktober fand in Frankfurt am Main der Digitalgipfel 2024 der Bundesregierung statt. Die übte sich dort vor Wirtschaft und Verbänden in Zweckoptimismus. Zwar sei nach wie vor Luft nach oben, Deutschland in Sachen Digitalisierung insgesamt aber auf einem besseren Weg, als vielfach behauptet.

Wie Bundesdigitalminister Volker Wissing sagte, sei Deutschlands digitaler Ruf schlechter als die Realität. Nichts desto trotz gab er das Versprechen ab, sich für „Digital Only“ stark zu machen und damit die Digitalisierung im öffentlichen Sektor voranzutreiben.

Digital. Innovativ. Souverän. International

Der 2006 vom Bundeswirtschaftsministerium erstmals ausgerichtete Digitalgipfel, ehemals Nationaler IT-Gipfel, ist eigentlich ein Format, um IT-Wirtschaft und die Bundesregierung zusammenzubringen, über Maßnahmen zu diskutieren und so die Digitalisierung voranzubringen.

Wie ein Heise-Kommentator schreibt, ist das nicht automatisch schlecht. Der Veranstaltung fehlte aber auf dem diesjährigen Gipfel mit dem Motto „Deutschland Digital. Innovativ. Souverän. International“ die Diskussion.

Und er beobachtete, dass „sich die Bundesregierung möglichst kritikfrei in ein positives Licht zu rücken sucht“, sich gleichzeitig angesichts schlechter Wirtschaftsdaten aber auch den Wünschen der Wirtschaft immer mehr annähert.

Es gibt durchaus Erfolge zu verzeichnen

Es gibt allerdings es auch Erfolge, auf welche die Bundesregierung verweisen kann. So schreiten die selbst gesteckten Ziele für den Glasfaser- und Mobilfunkausbau voran. Das Ziel, bis 2025 50 Prozent aller Haushalte mit Breitband-Anschlüssen zu versorgen, liegt sogar in erreichbarer Nähe.

Glasfaserausbau
Der Ausbau von Glasfaser und Mobilfunk kommt voran, doch eine flächendeckende Versorgung bis 2030 ist nicht realistisch. Bildquelle: Adobe Stock / envfx.

Bis 2030 eine flächendeckende Versorgung zu erzielen, ist aber wohl nicht mehr zu schaffen, wie der Breko-Verband analysiert hat. Gleichwohl arbeiten ITK- und Infrastrukturdienstleister wie Axians weiterhin aktiv daran, die Versorgung mit schnellem Internet in Deutschland zu verbessern. Mit einem Trenching genannten, „minimalinvasiven“ Verlegeverfahren von Glasfaserkabeln oder mit 5G-Signalbündelung hat Axians viel dazu beigetragen, den Breitband und Mobilfunkausbau voranzubringen und gleichzeitig mehr Akzeptanz in der Bevölkerung zu schaffen.

Datenschutz und Datennutzung „neu justieren“

Im Bereich Produktion unterstützen Axians und der ebenfalls zu VINCI Energies gehörende Industriedienstleister Actemium Unternehmen auch dabei, ihre Maschinen und Geräte IoT-fähig zu machen, um daraus wichtige Daten zu generieren. Das knüpft daran an, was Bundesminister Wissing mit Blick auf seine Forderung sagte, von Parallellösungen auf Digital Only umzuschalten:

„Ohne konsequentes Generieren von Daten werden wir die Möglichkeiten nicht ausschöpfen können.“ Auf den Daten könne dann KI aufsetzen, um daraus Erkenntnisse zu gewinnen. Was das derzeit vom Bundestag beratene Mobilitätsdatengesetz angeht, würde man einen Open-Data-Ansatz verfolgen, gleichzeitig müsse aber auch alles anonymisiert werden. Etwas Regulierung sei schon nötig, um vertrauenswürdige Anwendungen zu generieren, aber das dürfe auch nicht darin münden, dass Innovation nur noch mit teurer Rechtsberatung möglich sei.

Auch Wirtschaftsminister Habeck setzt sich für mehr und freier verfügbare Daten ein, wobei die deutsche Interpretation des Datenschutzes überdacht werden müsse. Die Aufsichtsvielfalt mit 18 Behörden ist für ihn nach 20 Jahren nicht mehr zeitgemäß. Und im Übrigen gehe es beim Datenschutz auch nicht darum, die Daten zu schützen.

Für ihn kommt es darauf an, die Datensouveränität Europas zu schützen, um zum Beispiel Maschinendaten EU-weit verfügbar zu machen. Deutschland sei dafür als Datenraum zu klein und auch nicht der Nabel der Welt. „Wenn TikTok in China schärfer reguliert wird als in Europa, sollte uns das zu denken geben“, sagte er unter anderem mit Blick auf den Digital Services Act (DSA). Bundeskanzler Olaf Scholz sprach sich auf dem Digitalgipfel ebenfalls dafür aus, dass man das Verhältnis von Datenschutz und Datennutzung „neu justieren“ müsse.

Datenschutz
Axians hilft Unternehmen, IoT-Daten zu generieren, während die Politik eine neue Balance zwischen Datenschutz und Datennutzung anstrebt. Bildquelle: Adobe Stock / Weissblick.

Allerdings ist dafür zunächst nur ein Forschungsdatengesetz angedacht, das eine erweitere Nutzung personenbezogener Daten erlauben würde, kritisiert Heise. Das von dem Digitalgipfel ausgehende Signal zur Bereitschaft, im Sinne der Digitalisierung an den hohen Datenschutzstandards zu rütteln, ist aber allemal bemerkenswert.

Quelle Titelbild: Adobe Stock / Roman

Diesen Beitrag teilen:

Weitere Beiträge

15.03.2026

Digital Due Diligence: Warum M&A-Deals an der IT scheitern

Alexander Roth

Das Wichtigste in Kuerze 70% aller M&A-Deals erreichen ihre Wertschoepfungsziele nicht -- technologische ...

Zum Beitrag
12.03.2026

CIO-Agenda 2026: Zwischen Kostendruck und Innovationspflicht

Alexander Roth

Das Wichtigste in Kürze Budget-Paradox 2026: IT-Budgets wachsen nur 3,5 Prozent (real ein Rückgang) ...

Zum Beitrag
08.03.2026

Digitaler Verwaltungsrat: Warum Board-Kompetenz in Technologie überlebenswichtig wird

Benedikt Langer

Das Wichtigste in Kürze Nur 12 Prozent der Aufsichtsräte in DAX-Unternehmen verfügen über nachweisbare ...

Zum Beitrag
04.03.2026

EU AI Act 2026: Was Unternehmen jetzt umsetzen müssen

Benedikt Langer

Das Wichtigste in Kürze Seit Februar 2025 gelten die ersten Verbote des AI Act — ab August 2025 ...

Zum Beitrag
24.02.2026

Gemini 3.1 Pro: Googles strategische Wette auf reine Intelligenz

Tobias Massow

Lesezeit: 6 Min. Google veröffentlicht ein KI-Modell, das auf 13 von 16 Benchmarks führend ist – ...

Zum Beitrag
22.02.2026

149.000 offene IT-Stellen: Wie CIOs KI-Copiloten als Fachkräftersatz nutzen

Tobias Massow

⏱ 7 Min. Lesezeit 149.000 offene IT-Stellen in Deutschland – und der Markt gibt nicht genug Fachkräfte ...

Zum Beitrag