20.06.2024
4 Min. Lesezeit

Sechs Jahre nach der Übernahme von Red Hat und ein Jahr nach dem Kauf von Apptio baut IBM mit dem Terraform-Anbieter HashiCorp sein Cloud-Geschäft weiter aus. Berichten zufolge hat „Big Blue“ für HashiCorp 5,5 Milliarden Euro bezahlt.

Insider wussten es laut der Nachrichtenagentur Reuters schon seit 23. April 2024. Mittlerweile hat IBM die Milliardenübernahme von HashiCorp auch offiziell bestätigt. Das 2012 gegründete Unternehmen aus San Francisco hat sich in der Szene der Cloud-Provider vor allem mit seiner Infrastructure-as-Code-Software Terraform schnell einen Namen gemacht. Mit Vagrant und Vault bringt HashiCorp zudem noch weitere Tools in die wachsende Cloud-Patchwork-Familie von IBM ein.

2023 hat IBM  4-Milliarden-Euro für den Plattformanbieter Apptio ausgegeben und damit eine Lösung für das Management von Geschäftsausgaben und Assets hinzugewonnen. Der weitaus größere Coup, der IBM im Cloud-Geschäft wieder ganz nach oben brachte, war sicherlich die 2018 für umgerechnet 29,2-Milliarden-Euro erfolgte Übernahme des Linux-Distributors und Lösungsanbieters Red Hat.

IBM gewinnt durch Hybrid-Cloud und Synergieeffekte

Wie der Linux-Experte Dr. Udo Seidel bei Heise schreibt, zielt IBM mit der Übernahme von HashiCorp darauf ab, eine einheitliche End-to-End-Hybrid-Cloud-Plattform zu schaffen und Synergieeffekte aus den Wachstumsbereichen rund um Red Hat,WatsonX, Data Security, IT-Automatisierung und Consulting voll auszuschöpfen. Für IBM sind im Cloud-Business wichtige Dienste und Tools von HashiCorp von Interesse, vor allem Terraform und Vault. Terraform gehört zu den am weitesten verbreiteten Infrastructure-as-Code-Tools. Laut Seidel ermöglicht es, unabhängig von der darunterliegenden Infrastruktur, Server- und Netzwerk-Infrastrukturen automatisiert zu erstellen, zu verwalten und wieder abzubauen.

Für IBM-Partner wie Axians auch ein Gewinn

Für IBM ist HashiCorp nicht nur wegen Terraform wertvoll. Es geht dem IT-Riesen auch darum, das Verwalten von Passwörtern und dergleichen zu vereinfachen, was im Zuge von Zero-Trust-Initiativen immer wichtiger wird. Hier kommt seit 2015 Vault ins Spiel. Die Plattform unterstützt eine Vielzahl von Produkten anderer Softwarehersteller und lässt sich unabhängig vom jeweiligen Cloud-Anbieter einsetzen.

Für IBM-Partner wie Axians, einer der wenigen, der in allen Bereichen zertifiziert ist, zahlt es sich aus, dass IBM durch Akquisitionen wie der von Apptio und jetzt HashiCorp das eigene Cloud- und Cloud-Service-Portfolio ständig erweitert. Als Platinum Business Partner war Axians auch einer der ersten, der nach IBMs Übernahme von Red Hat entsprechende Open-Source-Lösungen in Kundenprojekte integriert hat.

Die jetzt erfolgte Übernahme von HashiCorp ist jedoch insofern erstaunlich, als das Unternehmen laut den im März 2024 veröffentlichen Finanzzahlen zuletzt ein deutliches Plus verbuchen konnte. Der Umsatz im Schlussquartal 2024 ist im Vorjahresvergleich um 15 Prozent auf 134-Millionen-Euro gestiegen, im Gesamtjahr kam HashiCorp bei den Umsätzen auf ein Plus von 23 Prozent auf 501-Millionen-Euro.

Ist HashiCorp auch über „Fork“ gestolpert?

Dem stand im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2024 allerdings immer noch ein Nettoverlust von 27,2-Millionen-Euro entgegen, was wohl mit den Ausschlag gab, an IBM zu verkaufen. Hinzu kommt das große Netzwerk an Enterprise-Kunden, das IBM einbringt und auf weiteres Wachstum hoffen lässt.Welche konkreten Folgen die Übernahme für HashiCorp hat, die Produkte und Kunden sowie für die Open-Source-Gemeinschaft haben wird, gilt laut Seidel noch abzuwarten. Klar ist ihm zufolge, dass die Diskussion um Terraform und die um den von der Linux Foundation adoptierten Terraform-Fork OpenTofu zu den Einbußen im vierten Quartal beigetragen haben dürften, zumal Dienstleistungen einen Großteil der Umsätze von HashiCorp ausmachen. Fork bezeichnet eine Abspaltung in der Softwareentwicklung und kann durch Mitnahme der Source-Codes und der Entwicklung von Derivaten dem Mutterprojekt und dem dahinterstehenden Unternehmen beträchtlich schaden.Für die Community, für die Softwareentwicklung insgesamt und für die Endkunden kann es aber ein Gewinn sein, weshalb IBM und andere große Player ebenfalls auf Open Source setzen.

Fazit: Nichtsdestotrotz, HashiCorp ist auf jeden Fall ein Gewinn, nicht nur für IBM, sondern auch für Partner wie Axians und die ganze Community von Anwenderunternehmen, um in der Cloud voranzukommen. Weitere Informationen dazu, wie Axians Kundenunternehmen im Bereich Cloud Computing gemeinsam mit Lösungsanbietern wie IBM unterstützt, finden Sie hier.

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