Wie man Open Source ausbremst, ohne es zu verbieten
Benedikt Langer
6 Min. Lesezeit Das schärfste Argument gegen Chinas beste offene KI kommt von einem Mann bei OpenAI. ...
In der Vorstandssitzung landet die KI-Umsetzung wie selbstverständlich bei der IT. So ist die Zuständigkeit in 70 Prozent der DACH-Unternehmen verteilt, in den USA sitzt sie mehrheitlich beim CEO. Dieser Unterschied entscheidet, ob aus Technologie ein Geschäftsmodell wird oder nur ein weiteres Projekt.
Das Wichtigste in Kürze
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Was ist Digitalverantwortung? Sie beschreibt, wer im Unternehmen die Steuerung der Digitalisierung und KI-Umsetzung in der Hand hält, also ob CIO, IT-Leitung oder die Vorstandsspitze über Richtung, Tempo und Wertbeitrag entscheidet. Wo diese Verantwortung sitzt, prägt das Ergebnis stärker, als es auf den ersten Blick wirkt.
Die Horváth Digital Value Studie 2026 hat mehr als 200 Vorstände und Digitalverantwortliche aus sieben Ländern befragt. Eine Zahl springt heraus. In Deutschland und Österreich liegt die Verantwortung für die KI-Umsetzung bei sieben von zehn Unternehmen beim CIO oder der IT-Leitung. In den USA verorten mehr als die Hälfte der Befragten dieselbe Aufgabe beim CEO.
Das klingt nach einer organisatorischen Feinheit. Es ist eine Richtungsentscheidung. Wer die Digitalisierung in die IT gibt, behandelt sie als technische Aufgabe mit klaren Zuständigkeiten und Zielterminen. Wer sie an die Unternehmensspitze hängt, behandelt sie als Frage des Geschäftsmodells. Beide Wege haben ihre Logik, aber sie führen zu unterschiedlichen Ergebnissen.
Der naheliegende Einwand lautet: Was ist falsch daran, Digitalisierung von Profis steuern zu lassen? Nichts, solange die Frage nach dem Geschäftswert nicht untergeht. Genau hier setzt der Befund der Studie an. Der starke IT-Fokus in DACH bringt das Risiko mit sich, dass Business-Value und neue Geschäftsmodelle in den Hintergrund treten. Die Technik wird sauber gebaut, aber ob sie das Geschäft verändert, bleibt häufig ungeprüft.
Das zeigt sich an einer zweiten Zahl. Weniger als die Hälfte der befragten Unternehmen bewertet den Wertbeitrag ihrer Digitalisierungsmaßnahmen regelmäßig. Gleichzeitig haben 67 Prozent ihre Digitalbudgets für 2026 erhöht, im Schnitt um 30 Prozent und ein wachsender Teil davon fließt direkt in KI-Projekte, rund ein Drittel der Investitionen. Mehr Geld trifft auf weniger Wirkungskontrolle.
Wer ein Projekt nach Termin und Budget steuert, liefert ein Projekt ab. Ob es Umsatz, Marge oder ein neues Angebot erzeugt hat, steht auf einem anderen Blatt. In der IT-getriebenen Logik fehlt oft die Instanz, die diese zweite Frage hartnäckig stellt.
Ein Beispiel macht das greifbar. Ein Maschinenbauer führt eine KI-gestützte Qualitätsprüfung ein, technisch sauber, termingerecht, im Budget. Nach einem Jahr läuft das System stabil und gilt als Erfolg, weil es läuft. Ob die Ausschussquote tatsächlich gesunken ist oder ob der Vertrieb daraus ein neues Serviceversprechen ableiten könnte, hat in der Projektsteuerung niemand verantwortet. Das Vorhaben war fertig, der Geschäftswert blieb eine offene Annahme. Genau diese Lücke meint die Studie, wenn die Mehrheit der Unternehmen den Wertbeitrag gar nicht erst systematisch misst.

Die Gegenposition verdient eine ehrliche Behandlung, sonst wird aus der Beobachtung eine Belehrung. Es gibt gute Gründe, warum die Digitalisierung in DACH bei der IT liegt. Die Umsetzungskompetenz sitzt dort, die Systemlandschaft ist komplex und ein CEO ohne technisches Fundament trifft Architekturentscheidungen selten besser als ein erfahrener CIO. Geschwindigkeit und saubere Umsetzung sind reale Vorteile.
Hinzu kommt ein struktureller Grund. In vielen DACH-Unternehmen ist die Digitalisierung historisch aus der IT-Abteilung gewachsen, nicht aus einer Geschäftsstrategie. Die Zuständigkeit folgt der Kompetenz und die saß lange im Maschinenraum. Das ist keine Fehlentscheidung, sondern eine gewachsene Realität. Sie wird erst dann zum Problem, wenn die Organisation die KI-Welle mit demselben Reflex behandelt wie die Servervirtualisierung vor fünfzehn Jahren, als reine Infrastrukturfrage ohne eigene Geschäftslogik.
Niemand muss die Verantwortung umhängen. Es reicht, die strategische Frage über die IT-Grenze hinaus zu stellen. Ein CIO, der den Geschäftswert genauso konsequent einfordert wie die Systemstabilität, schlägt jede formale Zuständigkeitsdebatte. Die US-Variante hat keinen besseren CIO, sie hat nur eine andere Person, die nach dem Geschäftsnutzen fragt.
Die Studie liefert den Hebel gleich mit. Wenn weniger als die Hälfte den Wertbeitrag misst, ist die erste Aufgabe, überhaupt eine Messung einzuführen. Gemeint ist eine ehrliche Frage pro Initiative, kein Controlling-Ritual: Welcher Geschäftswert war versprochen, welcher ist eingetreten?
Konkret sind es drei Schritte in einem Quartal.
Diese Schritte verschieben die Diskussion von Termin und Budget zu Wirkung und damit rückt die DACH-Praxis näher an die strategische Sicht, die in den USA üblicher ist.
Keine dieser Maßnahmen braucht ein neues Organigramm. Sie brauchen nur jemanden, der die unbequeme Frage stellt, bevor das Budget für das nächste Jahr freigegeben wird.
Aus der Horváth Digital Value Studie 2026, für die mehr als 200 Vorstände und Digitalverantwortliche aus sieben Ländern befragt wurden. In DACH nennen rund 70 Prozent den CIO oder die IT-Leitung als verantwortlich für die KI-Umsetzung.
Nein. Die IT bringt Umsetzungskompetenz und Tempo. Das Risiko entsteht erst, wenn niemand die Frage nach dem Geschäftswert stellt und die Digitalisierung als rein technische Aufgabe behandelt wird.
In den USA ist die Digitalisierung häufiger auf CEO-Ebene angesiedelt und damit enger mit der Unternehmensstrategie verknüpft. Das verbessert nicht die Technik, sondern stellt sicher, dass der Geschäftsnutzen Teil der Steuerung bleibt.
67 Prozent der Unternehmen haben ihr Budget für 2026 erhöht, im Schnitt um 30 Prozent. Ohne regelmäßige Wertmessung steigt damit das Risiko, dass mehr Geld nicht zu mehr Wirkung führt.
Bei der Messung. Für die größten Vorhaben eine nicht-technische Zielgröße definieren, sie einem Verantwortlichen außerhalb der IT zuordnen und im Vorstandsreview den Wertbeitrag statt nur den Projektstatus zeigen.
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