24.09.2026
4 Min. Lesezeit

Meta, Nvidia, Broadcom und Alphabet verbilligen den Bau von KI-Rechenzentren mit ihrer Kreditwürdigkeit. Die Schulden stehen in Zweckgesellschaften. Greift die Garantie, zahlen die Konzerne die Lücke zum zugesagten Mindestwert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Financial Times zählt Restwertgarantien von rund 260 Milliarden Euro in zwölf Monaten. In den Konzernbilanzen erscheinen die Beträge kaum.
  • Meta ließ für Hyperion in Louisiana rund 23 Milliarden Euro Schulden aufnehmen. Die eigene Garantie lag bei rund 24 Milliarden Euro.
  • Nvidia bürgt mit rund 91 Milliarden Euro für den OpenAI-Campus in Ohio. Die Anlage läuft zwanzig Jahre exklusiv auf Nvidia-Hardware.
  • Alphabet weist Kreditderivate mit rund 38 Milliarden Euro Nennwert aus. Der beizulegende Zeitwert der Verbindlichkeit liegt bei rund 700 Millionen Euro.

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Eine Restwertgarantie sagt einen Mindestwert für Chips oder Rechenzentren zu. Liegt der Verkaufs- oder Weitervermietungspreis darunter, zahlt der Garantiegeber die Differenz.

Meta lässt Blue Owl leihen und bürgt den Rest

Die Financial Times hat am 22. September 2026 rekonstruiert, dass Konzerne in zwölf Monaten Restwertgarantien von bis zu rund 260 Milliarden Euro gegeben haben. Die Konzerne leihen ihre Kreditwürdigkeit. Eine Zweckgesellschaft nimmt das Geld am Markt auf.

Meta gab rund 24 Milliarden Euro Restwertgarantie für das Hyperion-Rechenzentrum mit Blue Owl in Louisiana. Die Struktur half, rund 23 Milliarden Euro Schulden aufzunehmen.

Der Aufschlag blieb unter 150 Basispunkten über Metas eigener Anleihekurve, enger als ein Kredit der Zweckgesellschaft ohne Bürgschaft. Im Juli nutzte der Konzern dasselbe Muster für ein Rechenzentrum mit einem Gigawatt Rechenleistung in El Paso.

Für Kreditgeber senkt die Zusage das Risiko, dass Hardware oder Hallen später weniger wert sind als der Kredit. Für Meta bleibt der Aufwand in der eigenen Bilanz klein, solange der Mindestwert nicht unterschritten wird.

bis zu rund 260 Milliarden Euro
So hoch beziffert die Financial Times Restwertgarantien der Tech-Konzerne in zwölf Monaten.
Financial Times, 22. September 2026

Broadcom verkauft Chips für ein Gigawatt an eine Hülle

Broadcom übernahm im Juni rund 25 Milliarden Euro Verpflichtung, um Chips für rund ein Gigawatt Rechenleistung an eine Zweckgesellschaft zu verkaufen. Diese Gesellschaft verleast die Chips an Anthropic. Die Quartalszahlen von Broadcom zeigten laut der Financial Times kaum eine Last in der eigenen Bilanz.

Der Chipzulieferer nannte gegenüber Investoren die Gewinnbahn der großen KI-Labore und den anhaltenden Wert der Hardware als Grund, warum die Garantien mit geringer Wahrscheinlichkeit greifen. Ob diese Annahme hält, entscheidet der Preis der Chips in ein paar Jahren.

Nvidia koppelt Ohio an zwanzig Jahre Hardware

Nvidia gab rund 91 Milliarden Euro Garantien an SB Energy für den OpenAI-Campus in Ohio. Die Anlage läuft zwanzig Jahre exklusiv auf Nvidia-Hardware. Eine Bilanzlast entsteht laut der Financial Times erst, wenn die OpenAI-Leases 2028 beginnen.

Der Käufer der Rechenleistung kauft damit auch die Bindung an einen Hersteller. Die Garantie verbilligt den Kredit für den Campus. Die zwanzigjährige Exklusivität verlängert zugleich den Zeitraum, in dem ein Wechsel der Hardware teuer wird.

„Es hat im vergangenen Jahr eine deutliche Ausweitung der außerbilanziellen Verpflichtungen gegeben. Das macht ihre Kreditprofile deutlich komplexer.“

Doug Colandrea, Senior Director, KBRA, Financial Times 22. September 2026

Alphabet zeigt 38 Milliarden Nennwert und 700 Millionen Zeitwert

Alphabet liefert die bisher klarste Zahl aus einem Quartalsbericht. Im Quartalsbericht (10-Q) zum 30. Juni 2026 stehen Kreditderivate mit einem Nennwert von rund 38 Milliarden Euro. Ende 2025 waren es rund 15 Milliarden Euro.

Der beizulegende Zeitwert der Verbindlichkeit liegt bei rund 700 Millionen Euro. Das ist der Betrag, den Alphabet heute als Last ansetzt.

Der Anhang (Note 3) beschreibt die Verträge als Backstops für Zahlungen rund um Rechenzentren. Die Restlaufzeit reicht bis zu 15 Jahren. Die Verträge sind als Kreditderivate bilanziert. Bei einem Ausfall darf Alphabet die zugrunde liegenden Leases selbst nutzen oder untervermieten.

Der Nennwert der Kreditderivate ist die Obergrenze, falls die Gegenparteien der Derivate ausfallen. Die Lücke zwischen Nennwert und Zeitwert ist der Kern der Konstruktion.

Konzern Rundbetrag Gegenstand
Meta 24 Mrd. Euro Garantie Hyperion mit Blue Owl, Louisiana
Broadcom 25 Mrd. Euro Verpflichtung Chips für 1 GW Rechenleistung an Zweckgesellschaft für Anthropic
Nvidia 91 Mrd. Euro Garantie OpenAI-Campus Ohio, 20 Jahre exklusiv
Alphabet 38 Mrd. Euro Nennwert Kreditderivate im 10-Q zum 30. Juni 2026

Ursprungswerte aus den Filings und der Financial Times, umgerechnet zum EZB-Referenzkurs vom 15. September 2026 (1,1539).

S&P prüft die Lücke, addiert sie aber nicht immer

S&P-Analyst Pierre Georges nennt als größte beobachtete Lücke zwischen Stresswert und Schulden rund 25 Prozent. Bei Meta kam S&P trotz eines scharfen Abschlags auf Hyperion zu dem Schluss, der Wert liege über den Schulden. Eine Anpassung der Verschuldung entfiel.

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine Restwertgarantie bei KI-Rechenzentren?

Der Garantiegeber sagt einen Mindestwert für Chips oder Hallen zu. Liegt der spätere Verkaufs- oder Weitervermietungspreis darunter, zahlt er die Differenz. Die Schulden selbst stehen bei einer Zweckgesellschaft.

Warum erscheinen die Beträge kaum in der Konzernbilanz?

Die Zweckgesellschaft nimmt das Geld auf. Der Konzern leiht nur seine Kreditwürdigkeit. Alphabet setzt für Kreditderivate mit rund 38 Milliarden Euro Nennwert einen Zeitwert von rund 700 Millionen Euro an.

Rechnen Ratingagenturen die Garantien in die Verschuldung ein?

S&P addiert die Lücke zwischen zugesagtem Wert und eigenem Stresswert. Pierre Georges nennt als größte beobachtete Lücke rund 25 Prozent. Bei Meta entfiel die Anpassung, weil der Stresswert über den Schulden lag.

Bildquelle: KI-generiert (September 2026)

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