03.10.2026
4 Min. Lesezeit

Am 3. September 2026 empfahl Kubermatic-Chef Sebastian Scheele auf den ContainerDays in Hamburg, ausgewählte Anwendungen bereits auf einer zusätzlichen Plattform zu betreiben. So sammeln Teams Erfahrung mit einer Alternative, bevor ein vollständiger Wechsel nötig wird.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zweitplattform im Betrieb. Scheele empfiehlt, geeignete Teile der Infrastruktur schon heute auf einer zusätzlichen Plattform zu betreiben.
  • Nicht jeder Dienst gehört doppelt. Zwei parallele E-Mail-Anbieter hält er für wenig sinnvoll, im Infrastrukturbereich sieht er mehr Spielraum.
  • Nutzbarkeit entscheidet. Europäische Angebote müssen Entwickler nach seiner Einschätzung mit einem gut nutzbaren Produkt überzeugen.

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Was ist eine Zweitplattform? Eine zusätzliche, bereits betriebene Umgebung, auf der ausgewählte Anwendungen parallel zur bisherigen Infrastruktur laufen und ein späterer Wechsel erprobt werden kann.

Eine Alternative muss sich betreiben lassen

Sebastian Scheele beginnt die Souveränitätsfrage mit der Bedeutung des jeweiligen Geschäfts. Wie kritisch ist der Betrieb und welche Herstellerabhängigkeit kann ein Unternehmen tragen? Darüber sprach der CEO und Mitgründer von Kubermatic mit Tobias Massow auf den ContainerDays in Hamburg. Sein Vorschlag ist, geeignete Teile der Infrastruktur frühzeitig auf einer zusätzlichen Plattform zu betreiben.

Ein vollständiger Ausstieg bei den großen Anbietern folgt daraus für ihn nicht zwangsläufig. Unternehmen könnten zunächst einen Teil ihrer Anwendungen verschieben und dabei Erfahrung mit einer Alternative sammeln. Auch ein späterer vollständiger Wechsel bleibe Arbeit, sagt Scheele. Er beginne dann aber auf einer bereits erprobten Grundlage.

„Egal was passiert, ich habe schon jetzt einen Plan.“

Sebastian Scheele, CEO und Mitgründer von Kubermatic.

Ein zweiter Anbieter im Einkauf schafft noch keine betriebsfähige Alternative. Eine Zweitplattform erleichtert den Wechsel erst, wenn Datenübertragung, Anwendungsstart und Zugriffe für die ausgewählten Anwendungen funktionieren.

Zwei Anbieter passen nicht zu jedem Dienst

Scheele grenzt seinen Vorschlag selbst ein. Zwei verschiedene E-Mail-Anbieter parallel zu betreiben, hält er für schwierig und wenig sinnvoll. Im Infrastrukturbereich sieht er dagegen häufiger Spielraum für mehrere Anbieter. Seine Empfehlung gilt damit je Einsatzgebiet und lässt sich nicht pauschal auf jeden Dienst übertragen.

Auch eine zweite Infrastruktur benötigt Personal, laufende Pflege und klare Zuständigkeiten. Wie hoch dieser zusätzliche Aufwand ausfällt, hängt von den Anwendungen und der technischen Nähe beider Umgebungen ab.

Bei welchen Anwendungen lohnt sich der zusätzliche Betrieb, um einen späteren Wechsel vorzubereiten? Diese Frage gehört in die Budgetplanung. Ein geeigneter Nachweis wäre ein tatsächlich erprobter Umzug mit dokumentierter Dauer und festgestellten Abhängigkeiten.

Prüfliste für den Probelauf

  • Datenübertragung: Die Daten der ausgewählten Anwendungen kommen vollständig auf der Zweitplattform an.
  • Anwendungsstart: Die Anwendungen laufen dort ohne Nacharbeit an.
  • Zugriffe: Nutzer und Schnittstellen erreichen die Anwendungen wie gewohnt.
  • Dauer: Der Zeitbedarf des Umzugs ist dokumentiert.
  • Abhängigkeiten: Technische Bindungen, die den Wechsel verzögern, sind benannt.

Kubermatic sieht europäische Anbieter als Partner

Sebastian Scheele, CEO und Mitgründer von Kubermatic
Sebastian Scheele, CEO und Mitgründer von Kubermatic. Foto: Kubermatic

Auf STACKIT, IONOS und Treuhandmodelle angesprochen, antwortet Scheele: „Eher Kooperationspartner.“ Kubermatic liefere Software und betreibe selbst keinen Managed Service. Seine Kunden könnten damit ihre Umgebungen bei verschiedenen Anbietern sowie im eigenen Rechenzentrum verwalten.

Auch die großen internationalen Clouds bleiben in diesem Bild Teil der Infrastruktur. Scheele berichtet, dass Kunden ihre Anwendungen dort betreiben und zugleich einen Überblick über mehrere Umgebungen benötigen. Die Empfehlung zur Zweitplattform passt damit zum Geschäft eines Softwareherstellers, der solche Umgebungen verwaltbar machen will.

Eine zweite Plattform allein beantwortet allerdings keine Rechtsfrage. Welche Vertragsbedingungen und rechtlichen Zugriffsmöglichkeiten gelten, muss für die beteiligten Anbieter und Dienste gesondert geprüft werden. Der technische Wechselplan beschreibt zunächst die betriebliche Handlungsfähigkeit.

Warum Kubermatic auf die Verteidigungsbranche setzt

Im Gespräch nennt Scheele die Verteidigungsbranche als ein Feld, in dem Kubermatic stärker tätig wird. Er begründet dies mit dem Bedarf an europäischer Lieferfähigkeit und geringerer Abhängigkeit von externen Anbietern. Zugleich bezeichnet er den Bereich ausdrücklich als wirtschaftlich interessant für sein Unternehmen. Scheele verbindet dies mit dem Anliegen, europäische Hersteller zu stärken, die solche Systeme liefern können.

Entwickler müssen das Angebot nutzen wollen

Ob ein europäischer Cloud-Anbieter erfolgreich wird, hängt für Scheele wesentlich von der Nutzbarkeit seines Produkts ab. Bei AWS verweist er auf die Entwickleransprache und eine gut nutzbare Programmierschnittstelle. Entwickler entscheiden früh, mit welcher Umgebung ein neues Projekt beginnt. Diese Entscheidung beeinflusst anschließend den Betrieb.

Damit Teams technisch wechseln können, müssen sie auch mit dem alternativen Angebot zurechtkommen. Es muss sich in ihrem Arbeitsalltag nutzen lassen. Eine zusätzliche Plattform, die zwar beschafft wurde, aber kaum genutzt und gepflegt wird, liefert noch keinen belastbaren Wechselplan.

Häufig gestellte Fragen

Was versteht Scheele unter einer Zweitplattform?

Eine zusätzliche, bereits betriebene Umgebung für geeignete Teile der Infrastruktur. Sie soll einen späteren Wechsel erleichtern.

Empfiehlt er einen vollständigen Cloud-Ausstieg?

Nein. Scheele hält eine schrittweise Verlagerung ausgewählter Anwendungen für sinnvoll und nennt E-Mail als Gegenbeispiel für einen Parallelbetrieb.

Ist eine zweite Plattform automatisch rechtlich souverän?

Nein. Die technische Betriebsfähigkeit ersetzt keine Prüfung der konkreten Anbieter, Verträge und rechtlichen Anforderungen.

Quelle: Standgespräch von Tobias Massow mit Sebastian Scheele, CEO und Mitgründer von Kubermatic, am 3. September 2026 auf den ContainerDays in Hamburg.

Bildquelle: KI-generiert (Oktober 2026), Porträt: Kubermatic

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