40 Jahre Windows und anfangs tatsächlich nur Wind

Eigentlich war es nur eine Ankündigung, um der Konkurrenz zuvorzukommen: Am 10. November 1983 traten die Microsoft-Gründer Bill Gates und Paul Allen auf der Comdex vor die Presse, um mit Schnipseln von Screenshots in New York Microsoft Windows zu präsentieren.

Anfang 1983 hatte mit dem Apple Lisa der erste oder einer der ersten Personal Computer das Licht der Welt erblickt. Der Einführungspreis von knapp 10,000 US-Dollar, nach heutiger Kaufkraft 29,400 US-Dollar, hat aber viele potenzielle Käufer abgeschreckt, weshalb die Plattform 1986 schon dem Rotstift weichen musste. Klone wie der 1982 in Taiwan erschienene Orange waren sehr viel günstiger. Apple hat diese aber nicht unterstützt – was im Nachhinein gesehen vielleicht eine Fehler war. Denn letztlich hat sich Microsoft Windows auch deshalb durchgesetzt, weil es eine so breite Unterstützung bot und bietet.

„Viscount of Vaporware“

Der Microsoft-Gründer Bill Gates kannte Lisa und wusste auch, dass die Konkurrenz an einem neuen Rechner mit grafischer Oberfläche arbeitete. Um dem zuvorzukommen, hat er zusammen mit Paul Allen auf der Comdex 1983, damals noch in New York City, Anfang November aus ein paar Screenshots zusammenkopiert Windows angekündigt. Bis das Produkt wirklich marktreif war, vergingen nochmal zwei Jahre, was Gates den wenig schmeichelnden Adelstitel „Viscount of Vaporware“ (wörtlich „Dampfware“) einbrachte.

Aber meist entscheidet ja schon die Idee, und so kann man mit Fug und Recht sagen, dass Microsoft Windows, das später unbestritten meistverbreitete Betriebssystem, am 10. November 2023 sein 40-jähriges Jubiläum feiert.

Dabei war die Ankündigung, der Eile geschuldet, eigentlich verfrüht, was nicht nur an Apple oder IBM, sondern laut Heise an den damaligen Software-Riesen Visicorp lag, der mit Tabellenkalkulation ein 15-faches des damaligen Microsoft-Umsatzes machte und an einer grafischen Benutzeroberfläche namens VisiON arbeitete, die ebenfalls 1983 erscheinen sollte.

(Vor-) Eile war geboten

Außerdem sahen die Microsoft-Gründer damals wohl ihre Felle davonschwimmen, als sich IBM als wichtigster Partner für ihr PC-DOS entschieden hatte, ein „Topview“ genanntes eigenes System herauszubringen. Und nachdem Microsoft-Programmierer an dem Geheimprojekt für den 1984 erschienen ersten Macintosh von Apple mitgewirkt hatten, mussten Gates und Allen handeln und mit dem von IBM bekannten Trick der Vor-Ankündigung versuchen, der Konkurrenz ein Schnippchen zu schlagen und sie so zu entmutigen.

Allein die Idee, den Wechsel zwischen Programmen auf einem normalen PC mit nur 256 Kilobyte an Arbeitsspeicher und zwei Diskettenlaufwerken zu erleichtern, war Heise zufolge schon eine Kampfansage. Denn Visicorp brauchte für VisiON mindestens 512 Kilobyte und eine damals noch sehr teure Festplatte als virtuellen Speicher. 1989 musste man für eine Festplatt mit 25 MB auf dem Computerstraßenmarkt in Taipeh, Taiwan, noch über 1.000 DM hinlegen. Heute kann man eine Festplatte mit 1 Terabyte schon für wenig mehr als 20 Euro bekommen. Das nur zum Vergleich.

Alles, was damals Rang und Namen hatte, Columbia Data, C Compaq, Convergent, Digital Equipment, Hewlett Packard, Wang und Zenith, um nur einige zu nennen, standen schon in der Schlange, um 1983 auf den Windows-Zug zu springen, der dann erst zwei Jahre später abfuhr.

In der Pressemitteilung hieß es damals, Microsoft Windows sei ein OEM-Produkt, und jeder Hersteller habe Freiheit bei der Preisgestaltung. Intern hatte die Gates Company mit OEM-Bündelverträgen von  20.000 bis 60.000 Lizenzen zum Preis von 8 bis 24 Dollar pro System gerechnet. Aber ebenfalls intern  nur „smoke and mirrors demo“ genannt, gab es außer ein paar Screenshots eben noch nichts Konkretes, um der Konkurrenz das Fürchten zu lehren.

Zwei Jahre luftige Demos vor dem ersten Release

Eine andere Demo im April 1984 zeigte, dass Microsoft mit Windows immer noch so ziemlich am Anfang der Entwicklung war. Im Streit über die gemeinsame Entwicklung an dem Mac-Tabellenkalkulationsprogramm Excel hat der damalige Apple-Chef John Scully, der Firmengründer Steve Jobs 1985 praktisch vor die Tür setzte, einen Lizenzvertrag mit Microsoft unterschrieben.

Der Lizenzvertrag mit Microsoft wurde schnell unterschrieben (Quelle: Adobe/Araki Illustrations).

Und damit war der Weg frei, den Verkaufsstart von Windows zu wagen. In Deutschland war Windows 1.02 allerdings erst 1986 offiziell erhältlich, weil die Version 1.0 die deutsche Tastaturbelegung nicht kannte. Der eigentliche Durchbruch des neuen Betriebssystem erfolgte 1987 auch erst mit Windows 2.0, das auch schon Microsoft Excel und Pagemaker von Aldus sowie Laserdrucker unterstützte.

Windows 1.0 hält bis heute aber den Rekord für den längsten Support in der Firmengeschichte, denn der wurde nach 16 Jahren zusammen mit dem für Windows 2.0 erst Ende 2001 eingestellt. Wer noch mit Letzterem gearbeitet hat, weiß vielleicht um die Kompatibilitätsprobleme mit Nachfolgeversionen. Windows 3.0 und vor allem Windows 3.1 war schon eine große Erleichterung. Und viele Unternehmen haben trotz des auslaufenden Supports noch lange daran festgehalten, während Windows mit seiner grafischen Oberfläche und der Unterstützung von WAV- und MIDI-Files ab 1995 vor allem die Consumer begeisterte.

Mit dem 1993 erschienenen Windows NT und Windows 2000 war Microsoft eines der ersten Unternehmen, das den Unicode unterstützte und somit Kompatibilitätsprobleme zwischen verschiedenen Sprachen behob. Und damals war Windows auch schon unbestritten das führende Betriebssystem, obwohl viele Design- und Medienprofis das Apple OS mit seiner von Hause aus grafischen Oberfläche immer noch bevorzugen. Der Rest ist Geschichte.

Fazit und Ausblick: Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen, die früher den Softwaremarkt beherrschten und untergegangen sind oder in Mergers und Akquisitionen verschwanden, hat Microsoft es verstanden, sich zu öffnen und damit an die Spitze gesetzt. Das ist neben viel Entwicklungsleistung auch Teil dessen, was den kometenhaften Aufstieg von Windows zum führenden Betriebssystem ausgemacht hat.

Microsoft wusste, wie man sich vermarktet und hat so den Aufstieg in der Branche geschafft (Quelle: Adobe Stock/tomert)

Hinzu kommt dieser einheitliche Look and Feel, der im  Privaten wie im Business so viele Menschen abholt.

Auch Konkurrenzunternehmen wie SAP, IBM oder Apple müssen sich das eingestehen und mit Microsoft Kooperationen eingehen. Entsprechende Brücken zu bauen und das Beste aus dem jeweiligen System für die B2B-Kunden herauszuholen, ist eine ganz wichtige Aufgabe der ehemaligen Systemhauspartner, von denen sich einige so wie Axians zu den führenden IT-Dienstleistern in Deutschland und Europa entwickelt haben. Dabei kommt es auf Knowhow und Erfahrung an, um auch für ältere Windows-Versionen Management und Support zu gewährleisten.

Quelle Titelbild: Adobe Stock / charnsitr

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