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Bundescloud für sichere behördliche Kommunikation: so sinnvoll wie kostenintensiv

Unter Federführung des Auswärtigen Amtes hat die Bundesregierung vor zwei Jahren begonnen, eine „Bundescloud“ für den Austausch von Geheimdokumenten aufzubauen. Die Kosten waren bisher geheim, werden aber laut Innenministerium bei über 300 Millionen Euro liegen.

Die geplante Bundescloud soll nicht nur behördliche und geheimdienstliche Verschlusssachen (VS) bis hin zur zweithöchsten Geheimhaltungsstufe (geheim) in Deutschland schützen, sondern auch einen neuen Standard für Bündnisse wie die NATO setzen. Die Plattform soll künftig tatsächlich auch dem Informationsaustausch mit internationalen Organisationen (I-VSK) und Firmen mit sehr hohem Schutzbedarf (F-VSK, Firmen-Verschlusssachen-Kommunikation) dienen. Daher scheint es auch sinnvoll, dass sich das schon zwei Jahre hinziehende Projekt federführend beim Auswärtigen Amt aufgehängt ist. Und denkt man an die zunehmende Zahl von Cyberangriffen auf staatliche Institutionen, sind Investitionen in den sicheren Austausch von Informationen allemal sinnvoll. Die Kosten dafür waren bisher allerdings Verschlusssache.

Wie das Bundesinnenministerium nun auf eine kleine Anfrage der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag hin mitteilte, sind diese laut t3n mit 350 Millionen Euro veranschlagt, 200 Millionen davon sollen allein in diesem Jahr dafür ausgegeben werden. Golem nennt mit 315 Millionen Euro eine etwas andere Zahl.

Tatsächlich sind in der Erklärung des Bundesinnenministeriums für die ressortübergreifende Verschlusssachen-Kommunikation (R-VSK) Finanzmittel von 100,5 Millionen bis 2022 und weitere rund 210 Millionen für 2023 und 2024 vorgesehen. Die Kosten trägt freilich nicht ein Amt oder Ministerium allein, sondern teilen sich dem Vernehmen nach das Innenministerium, das Bundeskanzleramt, das Verteidigungs- und Finanzministerium.

Die Kosten dafür teilen sich dem Vernehmen nach das Innenministerium, das Bundeskanzleramt, das Verteidigungs- und Finanzministerium (Quelle: Adobe stock / TAW4).

Bundescloud als zentrale Plattform für alle in der Bundesverwaltung genutzten Dienste

Dem Informations Technik Zentrum Bund zufolge können heute schon über 50 Behörden der Bundeverwaltung auf IT-Services aus der Bundescloud zugreifen. Und da die Nachfrage steigt, arbeite man mit Hochdruck daran, die Bundescloud weiterzuentwickeln, um zum Beispiel Angebote wie die Bundescloud Detection zur Erkennung von gegen Behörden gerichtete Cyberattacken. Ziel sei es, die Bundescloud zur zentralen Plattform für alle in der Bundesverwaltung genutzten Dienste auszubauen. Dazu soll es neben Basisdiensten für alle Behörden in Zukunft auch standardisierte Verfahren geben.

„Die Ausrichtung der IT auf cloud-basierte Dienste ist ein zentrales Element für die Digitalisierungsvorhaben der Bundesverwaltung“, sagt ITZBund-Abteilungsleiter Marco Gräf. Wie es sich für eine Cloud gehört, soll der Zugang über alle öffentlichen und staatlichen Providernetze möglich sein, aber um den Schutz der hochsensiblen Daten zu gewährleisten, sollen ausschließlich vom BSI zugelassene Kryptografie-Verfahren und Endgeräte zugelassen werden. Für den Betrieb der Cloud sind 30 Planstellen vorgesehen.

Quelle Titelbild: Adobe Stock / Thitichaya

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