07.10.2026
4 Min. Lesezeit

Der Cloud-Anbieter Infomaniak ist seit dem 01.10.2026 an der SIX Swiss Exchange gelistet. Die Stimmenmehrheit behält die gemeinnützige Infomaniak-Stiftung, der Gründer Boris Siegenthaler sie am 13.05.2026 übertragen hatte. Weil die Stiftung diese Mehrheit über nicht börsennotierte Aktien hält, führt der Börsengang nicht zu einem Kontrollwechsel.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Infomaniak-Stiftung behält die Stimmenmehrheit. Ihre Stimmen liegen in nicht kotierten A-Aktien, an der Börse gehandelt werden nur B-Aktien.
  • Siegenthaler regelte die Kontrollfrage vor dem Börsengang. Am 13.05.2026 übertrug er die Stimmrechtsmehrheit an die Stiftung, 36 Mitarbeitende mit zusammen 25 Prozent des Kapitals stimmten zu.
  • Die Transaktion bringt kein frisches Kapital. Der Zugang zum Kapitalmarkt soll neue Rechenzentren, KI, Forschung und Personal finanzieren.

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Der Weg an die SIX

Seit dem 01.10.2026 ist Infomaniak an der SIX Swiss Exchange gelistet. Der Cloud-Anbieter kam per Reverse Takeover an die Börse, also über die bereits kotierte Perrot Duval Holding. Infomaniak tritt dort als reiner Anbieter einer Sovereign Cloud auf. Der Begriff steht für Cloud-Dienste, bei denen Kunden die Kontrolle über ihre Daten und den rechtlichen Rahmen ihrer Verarbeitung behalten sollen.

CEO Marc Oehler kommentierte den Handelsstart mit dem Satz „Heute beginnt ein neues Kapitel für Infomaniak.“ Die Entscheidung, auf der dieses Kapitel aufbaut, hatte Gründer Boris Siegenthaler bereits im Mai 2026 getroffen. Sie betrifft die Frage, wem das Unternehmen gehört und wer darüber bestimmt.

Was ist ein Reverse Takeover? Bei einem Reverse Takeover gelangt ein nicht börsennotiertes Unternehmen an die Börse, indem es mit einer bereits kotierten Gesellschaft zusammengeführt wird. Der klassische Börsengang mit eigener Neuemission entfällt dabei. Infomaniak nutzte für diesen Weg die Perrot Duval Holding.

Wachstum aus eigenen Mitteln

Infomaniak hat sein Wachstum seit der Gründung aus eigenen Mitteln finanziert. Im Jahr 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 54,2 Millionen Franken, im Jahr 2024 waren es 47,6 Millionen Franken. Infomaniak beschäftigt mehr als 300 Mitarbeitende und zählt rund 300.000 zahlende Kunden.

Die Stiftung hält die Stimmen

Am 13.05.2026 übertrug Siegenthaler die Stimmrechtsmehrheit an die gemeinnützige Infomaniak-Stiftung. Zugestimmt haben 36 Mitarbeitende, die zusammen 25 Prozent des Kapitals halten. Die Unabhängigkeit des Unternehmens sei kein Versprechen, sagte Siegenthaler am 20.05.2026. Sie sei eine Struktur.

Diese Struktur ist an zwei Aktienklassen ablesbar. Die Stiftung behält ihre Stimmenmehrheit über A-Aktien, die nicht an der Börse kotiert sind. Gehandelt werden ausschließlich B-Aktien. Weil die Stimmen der Stiftung in nicht börsennotierten Papieren liegen, führt der Börsengang nicht zu einem Kontrollwechsel.

Die Reihenfolge der Schritte lässt sich an den Daten nachvollziehen. Als die Aktionäre der Perrot Duval Holding am 24.09.2026 der Transaktion zustimmten, lag die Stimmrechtsmehrheit seit dem 13.05.2026 bei der Stiftung.

Wofür der Kapitalmarkt dienen soll

Frisches Kapital nimmt Infomaniak durch die Transaktion nicht auf. Der Zugang zum Kapitalmarkt soll neue Rechenzentren, KI, Forschung und Personal finanzieren. Das operative Geschäft verantwortet CEO Marc Oehler, die Stimmrechtsmehrheit liegt bei der Stiftung.

Wie Infomaniak bisher ein Rechenzentrum in seine Umgebung einbindet, zeigt das Rechenzentrum D4. Seine Abwärme speist das Genfer Fernwärmenetz und soll bei Vollausbau rund 6.000 Haushalte versorgen.

Governance als Auswahlkriterium

Für CIOs und IT-Leiter, die Cloud-Anbieter nach Souveränitätskriterien bewerten, rückt der Fall Infomaniak die Stimmrechte des Anbieters in den Blick. Rechenzentrumsstandort und Zertifikate beschreiben den Betrieb. Die Aktienstruktur beschreibt, wer über das Unternehmen bestimmt. Bei Infomaniak lässt sich diese Frage an der Trennung zwischen kotierten B-Aktien und nicht kotierten A-Aktien beantworten.

Für andere Gründer liefert Siegenthaler ein Beispiel, bei dem die Kontrollfrage in einer Stiftung geregelt war, bevor der Kapitalmarkt hinzukam. Wie die Stiftung ihre Stimmen einsetzt, wenn Investitionen in Rechenzentren und KI über den Kapitalmarkt finanziert werden sollen, ist die Frage für die kommenden Jahre.

Häufig gestellte Fragen

Können Anleger über die Börse Kontrolle über Infomaniak erlangen?

An der SIX Swiss Exchange werden unter dem Kürzel INFO nur B-Aktien gehandelt. Die Stimmenmehrheit der Infomaniak-Stiftung liegt in nicht kotierten A-Aktien. Deshalb führt der Börsengang nicht zu einem Kontrollwechsel.

Welche Rolle spielen die Mitarbeitenden?

Der Übertragung der Stimmrechtsmehrheit an die Stiftung stimmten 36 Mitarbeitende zu, die zusammen 25 Prozent des Kapitals halten. Im Zusammenhang mit der Transaktion kommt zudem ein Mitarbeiterbeteiligungsplan hinzu.

Was unterscheidet Infomaniak von anderen Unternehmen an der SIX?

Infomaniak ist die erste zertifizierte B Corp und der erste reine Sovereign-Cloud-Anbieter an der SIX Swiss Exchange. Die B-Corp-Zertifizierung erhalten Unternehmen, die soziale und ökologische Standards nachweisen.

Bildquelle: KI-generiert (Oktober 2026)

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