05.10.2026
5 Min. Lesezeit

Microsoft AI hat einen Kodex zur menschlichen Kontrolle über seine MAI-Modelle vorgelegt. Unabhängig davon kann Microsoft den Dienstzugang über die geltenden Product Terms beschränken. Unternehmen müssen deshalb unterscheiden, ob eine Zusage die Modellentwicklung betrifft oder für die Nutzung eines gebuchten Dienstes gilt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mustafa Suleyman stellt den Menschen über die MAI-Modelle. Ein Auftrag bleibt unerledigt, wenn seine Ausführung den Kodex bricht.
  • Microsoft AI verwendet den Entwurf noch nicht für das Training laufender Modelle. Die Zusage steuert die Modellentwicklung erst mit der überarbeiteten Fassung ab 2027.
  • Die Product Terms verweisen auf den Enterprise-Kodex. Microsoft darf den Zugang bei einem vernünftigen Grund zur Annahme eines Verstoßes beschränken.
  • OpenAI ordnet die Vertragsdokumente nach einer festen Rangfolge. Der Bestellschein steht vor Servicebedingungen, Agreement und Policies.

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Suleyman setzt die Abschaltung über den Auftrag

Mustafa Suleyman, CEO von Microsoft AI, beschreibt in seinem Text zum Humanist AI Code of Conduct einen ersten Entwurf für die MAI-Modelle. Der Kodex umfasst 38 Seiten und liegt zur öffentlichen Konsultation vor. Suleyman ordnet Sicherheit und menschliche Kontrolle als vorrangige Ziele ein.

Die MAI-Modelle sollen eine Unterbrechung, Korrektur oder Abschaltung zulassen, ohne sich zu widersetzen oder den Eingriff zu erschweren. Suleyman zieht daraus eine klare Folge: Wenn ein Auftrag nur durch einen Bruch des Kodex endet, bleibt er unerledigt. Der Mensch behält damit die Kontrolle über die Ausführung des Auftrags.

Die Aussage bezieht sich auf den Ablauf eines einzelnen Auftrags. Sie beschreibt damit eine Grenze für das Modellverhalten und zugleich eine Bedingung für die Erfüllung des Auftrags. Suleyman verbindet die beiden Ebenen ausdrücklich: Ein Ergebnis verliert seinen Status als erledigt, wenn es nur unter Regelbruch zustande kommt.

Der Entwurf steuert die Modelle erst ab 2027

Microsoft AI grenzt die Zusage auf seiner Seite zum Humanist AI Code of Conduct zeitlich ein. Die Seite beschreibt das beabsichtigte Verhalten der MAI-Modelle. Für das Training der laufenden Modelle verwendet Microsoft AI den Text noch nicht. Die öffentliche Konsultation läuft sechs Wochen.

Eine überarbeitete Fassung soll gegen Ende 2026 erscheinen und die Modellentwicklung ab 2027 leiten. Microsoft AI will den Kodex künftig als primäres Steuerungsdokument für das Training der MAI-Modelle verwenden. Für Unternehmen entsteht daraus eine klare Trennung: Der Entwurf beschreibt ein Ziel für die Entwicklung. Die laufenden Modelle folgen dieser Trainingsvorgabe noch nicht.

Microsoft AI sieht den Kodex künftig als Grundlage für das Training vor; der veröffentlichte Entwurf dient zunächst der Konsultation. Zwischen öffentlicher Zustimmung zu einem Prinzip und der Umsetzung im Modell liegt damit ein eigener Umsetzungsschritt. Erst die überarbeitete Fassung soll aus dem Konsultationstext ein Steuerungsdokument für das Training machen.

38 Seiten
Der Umfang kennzeichnet einen öffentlichen Konsultationsentwurf und sagt allein nichts über die Qualität des Regelwerks.

Microsoft kann den Dienstzugang beschränken

Die Zugangslage steht in den Microsoft Product Terms für Online Services. Sie verpflichten Kunden, Microsoft AI Services nach der Acceptable Use Policy und dem Microsoft Enterprise AI Services Code of Conduct zu nutzen. Microsoft führt den Enterprise-Kodex dort unter aka.ms/AI-CoC; der Humanist-Entwurf steht auf einer separaten Seite.

Der Enterprise-Kodex definiert Anforderungen für alle Kunden von Microsoft AI Services und gilt zusätzlich zu den Product Terms. Seine Dokumenthistorie führt Version 4.0. Der Humanist-Entwurf beschreibt dagegen die beabsichtigte Modellsteuerung. Beide Texte erfüllen damit unterschiedliche Funktionen.

Die Product Terms geben Microsoft das Recht, Zugang oder Nutzung zu beschränken, wenn ein vernünftiger Grund zur Annahme eines Verstoßes durch die Nutzung oder durch Output Content besteht. Der Maßstab betrifft die Annahme eines Verstoßes. Er verlangt keinen Grund für den Verstoß selbst. Für den laufenden Dienst entscheidet damit das Vertragswerk über eine mögliche Zugangsbeschränkung. Der öffentliche Entwurf beschreibt dagegen das gewünschte Verhalten der Modelle.

Der Vertragskodex arbeitet dabei mit zwei Anknüpfungspunkten: der Nutzung des Dienstes und dem Output Content. Die Beschränkung kann aus der Verwendung des Services oder aus einem erzeugten Inhalt folgen. Microsoft knüpft den Zugang in den Product Terms an diese Prüfung. Für Kunden gelten die Vertragsbedingungen bereits, während die Modellsteuerung erst folgen soll.

Der Bestellschein steht über den Policies

Bei OpenAI liegt die Rangfolge ebenfalls im Vertrag. Das OpenAI Services Agreement, wirksam seit dem 1. Januar 2026, ordnet bei Konflikten zuerst den Bestellschein ein. Danach folgen die dienstspezifischen Bedingungen, das Agreement selbst und die OpenAI Policies.

Für den Kunden liegt die Verbindlichkeit damit in der Vertragskette. Ein öffentliches Leitbild kann die gewünschte Richtung eines Anbieters erklären. Für den konkreten Unternehmensdienst entscheidet die vertragliche Kette, welches Dokument im Konfliktfall gilt. Der Bestellschein kann deshalb eine andere operative Bedeutung haben als eine allgemein formulierte Policy.

Das Agreement regelt außerdem den Umgang mit Customer Content. OpenAI nutzt Customer Content zur Weiterentwicklung der Services nur bei ausdrücklicher Zustimmung des Kunden. Für Unternehmen bleibt diese Zustimmung damit eine eigene Vertragsentscheidung.

Bei widersprüchlichen Vertragsdokumenten bestimmt die Rangfolge, welcher Text Vorrang hat. Für eine konkrete Servicezusage zählen damit die individuell vereinbarten Bedingungen vor den allgemein formulierten Policies.

Der EU-Kodex spricht den Anbieter an

Die Europäische Kommission beschreibt den General-Purpose AI Code of Practice als freiwilliges Werkzeug für Anbieter von KI-Modellen mit allgemeinem Verwendungszweck. Der Kodex soll ihnen helfen, die Pflichten der KI-Verordnung zu Sicherheit, Transparenz und Urheberrecht einzuhalten. Damit adressiert die Kommission die Anbieterseite der Modellnutzung.

Der Kommissionskodex spricht den Anbieter an, der Vertrag die konkrete Leistung. Er richtet sich damit auf eine andere Beziehung als die Product Terms oder das OpenAI Agreement. Für DACH- und EU-Entscheider sind bei der konkreten Leistung der Bestellschein und die dienstspezifischen Bedingungen maßgeblich.

Der europäische Kodex beschreibt damit die Anbieterperspektive im Rahmen der KI-Verordnung. Microsofts Enterprise-Kodex richtet sich an Kunden der eigenen Services. OpenAI ordnet die eigenen Vertragsdokumente. Die drei Texte beantworten damit unterschiedliche Fragen zur Nutzung und Steuerung von Modellen.

Was ist der Microsoft KI-Kodex? Der KI-Kodex ist ein erster Entwurf für die MAI-Modelle, umfasst 38 Seiten und liegt zur öffentlichen Konsultation vor. Die Modelle sollen sich einer Unterbrechung, Korrektur oder Abschaltung nicht widersetzen. Für das Training der laufenden Modelle dient der Text noch nicht als Grundlage; eine überarbeitete Fassung soll gegen Ende des Jahres erscheinen und die Modellentwicklung ab 2027 leiten.

Häufig gestellte Fragen

Gilt das OpenAI Services Agreement auch für den Verbraucherchat?

Das Agreement gilt für die API, ChatGPT Enterprise, ChatGPT Business, ChatGPT for Clinicians und weitere Dienste für Unternehmen und Entwickler. Der Verbraucherchat fällt pauschal nicht darunter.

Wer trägt die Verantwortung für die Anwendung eines Microsoft AI Services?

Der Kunde bleibt für Design, Entwicklung und Einsatz der Anwendung oder des Agenten verantwortlich. Das schließt die rechtlichen Anforderungen ein.

Welche Institutionen haben den europäischen Kodex bestätigt?

Die Europäische Kommission und das AI Board haben den Kodex als angemessenes freiwilliges Werkzeug bestätigt. Beide Institutionen tragen diese Bewertung gemeinsam.

Bildquelle: KI-generiert (Oktober 2026)

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