30.04.2020

In Zeiten der Krise ist eigentlich digitaler Unterricht gefragt. Aber leider werden die bereitgestellten Mittel in Form von Digitalpakt Schule bislang erst zum Bruchteil abgerufen und auch organisatorisch gibt es starke Schwierigkeiten.

„Liebe Eltern, leider kann unsere geplante Videokonferenz morgen nicht stattfinden, da die Datenschutzstelle des Kultusministeriums aktuell noch an einer Handreichung für Videokonferenzen arbeitet und bis dato dazu rät, Videokonferenzen nicht durchzuführen, warten wir ab. Letzte Woche hieß es noch, dass es erlaubt sei! Aber wir wollen uns auf gar keinen Fall in einer Grauzone bewegen.“

So lautet ein Schreiben einer bayerischen Schule Ende April 2020. Kurz gesagt: Schule und Digitalisierung – Zwei Welten begegnen sich. Geplagte Eltern und Schüler müssen feststellen, dass Schulen weder organisatorisch noch technisch auf die aktuelle Situation vorbereitet sind.

Finanzmittel nicht abgerufen

Dies unterstreicht die aktuelle Studie des Branchenverbandes Bitkom (März 2020): Auch ein Jahr nach Verabschiedung des Digitalpakts Schule hakt es noch immer bei der Umsetzung. Bislang haben erst 13 Bundesländer überhaupt Förderanträge bewilligt. In Hessen, Saarland und Sachsen-Anhalt steht das noch aus.

Zweck des Digitalpakts Schule ist es eigentlich, „trägerneutral lernförderliche und belastbare, interoperable digitale technische Infrastrukturen sowie Lehr-Lern-Infrastrukturen zu etablieren sowie vorhandene Strukturen zu optimieren.“

Aber dieser hehre Zweck ist erst ansatzweise erreicht: „Der Digitalpakt Schule kann und muss ein Meilenstein für die Digitale Bildung werden, aber wir kommen mit der Umsetzung viel zu zögerlich voran“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg.

Digitalpakt Schule
Der Digitalpakt Schule ist Meilenstein für die Digitale Bildung. Doch es gibt noch Potenzial nach oben. Quelle: iStock / Ridofranz.

Mit dem Digitalpakt Schule hat der Bund fünf Milliarden Euro zur Digitalisierung der Schulen bereitgestellt. Die Höhe der bewilligten Fördermittel unterscheidet sich je nach Bundesland beträchtlich. Mit Abstand die größte Summe entfällt auf Hamburg, wo Förderanträge der Schulen mit einem Volumen von insgesamt 116,1 Millionen Euro bewilligt wurden. Dahinter folgen Sachsen (15,2 Millionen Euro), Bayern (9,0 Millionen Euro), Niedersachsen (6,3 Millionen Euro), Baden-Württemberg (3,8 Millionen Euro), Thüringen (3,1 Millionen Euro), Berlin (2,1 Millionen Euro), Bremen (1,5 Millionen Euro) und als Schlusslicht Schleswig-Holstein (245.000 Euro).

Das entspricht einem Gesamtbetrag von 157,4 Millionen Euro oder drei Prozent der bereitgestellten Gesamtsumme. Hamburger Schüler sind also glänzend gestellt, während ein paar Kilometer weiter nördlich digitale Dunkelheit herrscht.

Keine Zeit verlieren

„Die Bundesländer haben von den fünf Milliarden Euro überhaupt erst einen Bruchteil abgerufen. Wir dürfen nicht noch mehr Zeit verlieren, das Geld muss umgehend bei den Schulen ankommen – flächendeckend und in voller Höhe“, kommentiert Berg. Zudem sei erforderlich, Schulen und Schulträger bei der Entwicklung von Digitalisierungskonzepten zu unterstützen, damit das Geld sinnvoll und nachhaltig eingesetzt werde. „In der aktuellen Corona-Krise zeigt sich, wie sehr digitale Technologien dabei helfen können, den Betrieb von Schulen, Behörden und Unternehmen auch in außerordentlichen Situationen aufrechtzuerhalten. Dabei gehören die allermeisten deutschen Schulen nicht zu den Vorreitern, sondern zu den Nachzüglern in Sachen digitale Bildung, und das müssen wir schnellstmöglich ändern.“

Der Digitalpakt Schule wurde am 15. März 2019 vom Bundesrat bestätigt und trat am 17. Mai 2019 in Kraft. Bis 2024 stellt der Bund mit dem Pakt fünf Milliarden Euro für die Digitalisierung von Deutschlands Schulen bereit. Hinzu kommt ein Eigenanteil der Bundesländer von 555 Millionen Euro. Die Schulträger können beim jeweiligen Bundesland Fördermittel beantragen.

Eltern und andere Organisationen sollten aktiv werden und die Schulen auf den Digitalpakt hinweisen. Schulen sollten hierbei besonders auf kompetente Beratung setzen. Offenkundig gibt es noch weitgehende Unkenntnis, wie viel Fördermöglichkeiten es überhaupt gibt.

Unzufriedene Schüler

Auch die Schüler haben die Defizite erkannt. In einer anderen Umfrage des Bitkom nannten sie als Hauptprobleme „Fehlender Einsatz digitaler Medien“ und „Schlechte technische Ausstattung“. Über die Hälfte der Schüler beklagt, dass viele Lehrer keine Lust haben, digitale Medien im Unterricht einzusetzen. Drei Viertel der Befragten fordern, dass Lehrende im Einsatz digitaler Medien besser geschult werden müssten.

Aber immerhin gibt es erste Ansätze, die Mängel zu verbessern, mit dem Smart-School-Netzwerk, dem schon 61 Schulen beigetreten sind.

Immer mehr Schulen schließen sich für die Digitalisierung zusammen. Quelle: bitkom.

Quelle Titelbild: iStock / monkeybusinessimages

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