Ein Beitrag vom Digital Chiefs Magazin:Warum Frauen in Healthcare und bei den Fintechs mehr in den Fokus rücken

Warum Frauen in Healthcare & bei den Fintechs mehr in den Fokus rücken

Frauen und Mädchen machen rund die Hälfte der Weltbevölkerung aus, sind aber in höheren Positionen immer noch unterrepräsentiert, sogar in der mehrheitlich oder paritätisch weiblich besetzten Gesundheits-Branche. Bei Fintechs sieht es noch düsterer aus.

Wenn man sich den Frauenanteil im Gesundheitswesen anschaut, der laut dem Statistischen Bundesamt bei 76,6 Prozent liegt, ist der Anteil von Frauen in Führungsposition mit 25 Prozent geradezu beschämend. Im Vergleich zur Welt der jungen Finanzgründungen steht die Gesundheits-Branche aber noch gut da, denn bei den Fintechs ist die Frauenquote noch viel geringer.

Dabei könnte man meinen, dass die jungen technologiefreudigen Unternehmen der Finanzbranche, kurz Fintechs, etwas weiter sind mit Frauen in Führungspositionen als die großen Banken und Finanzinstitute, aber weit gefehlt. Wie eine Kurzstudie der Berlin Finance Initiative zeigt und im Finletter zu lesen ist, liegt der Frauenanteil bei den Gründungsteams der 20 größten Fintechs in Deutschland gerade mal bei 4 Prozent, der in der Geschäftsleitung sogar nur bei 3 Prozent. Das ist der viertschlechteste Wert im ganzen EU-Raum. Doch auch im weit größeren Sparkassenverbund sind nur 6 Prozent Frauen im Vorstand, gibt es nur 4,3 Prozent Vorstandsvorsitzende

Im Management (C-Level) der 20 größten Fintechs sind auch nur 12 Prozent Frauen. Es bleibt weitgehend bei der Herrenriege oder besser beim „Boys Club“, wie es in der Kurzstudie heißt. Diese zitiert Erik Podzuweit, Gründer und CEO von Scalable Capital mit den Worten, dass auch in anderen Diversitätsdimensionen eher Einfalt als Vielfalt zu beobachten ist, und weiter mit: „Die Gründer aus Deutschland kommen oft aus einer bestimmten Nische von Leuten. Sie sind nicht nur überwiegend männlich, sondern sie kommen von den gleichen Schulen, von bestimmten Beratungen und Banken. Die Sozialisierung ist sehr ähnlich.“

Strukturelle Probleme eilen der Problemlösung voraus

Die Branche habe es versäumt, „eine Pipeline diverser Kandidatinnen und Kandidaten intern aufzubauen“, kritisiert die Berliner Studie weiter. Die Ursachen für den geringen Frauenanteil in Deutschland seien vielfältig und struktureller Natur. Das „Gründer/innentum“ sei hierzulande ohnehin nicht sehr stark ausgeprägt, und es gebe auch kaum Universitäten, die entsprechende gute Rahmenbedingungen bereitstellten. Frauen seien in den Strukturen kaum inkludiert. Darüber hinaus würden sie gegenüber Kapitalgebern oft große Nachteile erfahren. Diese reichten von teils unbewussten Vorurteilen bis hin zu Vorfällen sexueller Belästigung, wie die Studie berichtet.

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Quelle: Adobe Stock/fizkes

Frauen haben zudem oft ganz andere Ansprüche, was die Vermögens- und Anlageberatung angeht und setzen oft viel mehr auf wertkonservativere, risikoärmere Anlageformen, was manchen männlichen Beratern ein Lächeln abringt, weil sie eher auf forschere Investments drängen. Andererseits gibt es auch noch die Frauen der Kriegs- und Nachkriegsgenerationen, die Männern, weil sie es von zuhause nicht anders gewohnt sind, in Gelddingen mehr Vertrauen schenken. Jüngere Frauen, die selbst Geld verdienen, trauen sich da schon mehr zu oder gehen zu Vermögens- und Anlageberaterinnen wie Constanze Hintze.  Die Springer-Autorin und alleinige Geschäftsführerin von Svea Kuschel + Kolleginnen, Deutschlands führender Anlage-Vermögensberatung für Frauen, erlebt jedoch immer mehr Frauen „mit großen Vermögen auf Cashkonten“, wie sie in einem Artikel von Springer Professional sagt.

Das Anlegerinteresse in Aktien habe bei Frauen zwar zugenommen, aber waren es 1997 etwas weniger als 7 Prozent, haben Hintze zufolge heute immer noch nur 9 von 100 Frauen Aktien oder Aktienfonds im Depot. Dabei sind 30 Prozent der meist noch berufstätigen Frauen über 50 in Deutschland und Österreich besonders „selbstsicher und kontrolliert“ und wollen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen, ohne dabei aber allzu große Risiken einzugehen, ergab eine Umfrage von J.P. Morgan. Schlechte Erfahrungen mit der männlichen dominierten Welt der Finanzberater hat auch Natascha Wegelin gemacht, als sie dadurch 18.000 Euro verlor. Damit ihr das nicht wieder geschieht, hat sie beschlossen: „Niemandem sind meine Finanzen so wichtig, wie mir selbst. Ich muss meine Finanzen selbst regeln, es ist alternativlos“, wie sie auf ihrer Website schreibt.

Und so hat sie nach „über 1.000 Stunden Selbststudium“ sich das notwendige Wissen angeeignet und ein eigenes System entwickelt. Und um das mit anderen Frauen zu teilen, hat sie schließlich die Finanz-Community Madame Moneypenny gegründet. Ihre Facebook-Gruppe hat bereits rund 100.000 meist weibliche Follower. Mit ihren System und dem Mentoring hat Madame Moneypenny laut eigenen Aussagen schon über 3.000 Frauen geholfen, die Finanzen in ihre eigenen Hände zu nehmen und den Grundstein für finanzielle Unabhängigkeit zu legen. Wegelins Blog und Podcast sind ebenfalls sehr gut besucht und warten mit interessanten Themen und Gesprächspartnerinnen auf.

 

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Im Gesundheitswesen sind schon mehr Frauen an der Spitze

Im Gesundheitswesen oder neudeutsch in der Health Care ist die Frauenquote in Führungspositionen mit 25 Prozent, wie eingangs gesagt, deutlich besser als bei den Fintechs. Aber über Finanzierung und Ressourcenverteilung im globalen Gesundheitswesen – immerhin mit einem Budget von 92,1 Billionen US-Dollar – entscheiden zu 70 Prozent immer noch die Männer, wie ein Bericht von „Women in Global Health Germany 2020“ zeigt. Die Gründerinnen der kurz WGH-GER genannten Berliner Initiative, Prof. Dr. Dr. h.c. Ilona Kickbusch und Dr. Sabine Ludwig, haben nach dem Vorbild einer Ende 2014 vorgestellten Liste der 100 Women Leaders in Global Health im Juli 2017 begonnen, ein eigenes Namensregister zu erstellen und in dem jüngsten Bericht präsentiert.

25 Prozent der rund 170 nominierten Frauen arbeiten in akademischen Einrichtungen, 17 Prozent im Privatsektor, 10 Prozent in Nichtregierungsorganisationen und jeweils 8 Prozent in Ministerien und internationalen Einrichtungen.

Der Anteil der nominierten Frauen in Führungspositionen liegt bei überdurchschnittlich hohen 49 Prozent. Prof. Kickbusch selbst ist Gründerin und Vorsitzende des Global Health Centre am Graduate Institute in Genf, Dr. Ludwig ist Volkswirtin und Sinologin mit Studiengängen in Beijing und Shanghai sowie Vertretungsprofessorin an der Hochschule für Gesundheit in Bochum und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Berliner Charité.

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Quelle: Adobe Stock/ luismolinero

Die alphabetisch geordnete Liste beginnt mit der Spurensicherungsspezialistin (Evidence Lead Specialist) Clara Abou Samra von der amerikanischen Universität in Beirut (AUB) und Annette Abraham von der Technischen Universität München ist weltweit anerkannte Spezialistin für die weitgehend vernachlässigte Tropenkrankheit Neurozystizerkose.

Die Diplomgeografin Annegret Al-Janabi ist stellvertretende Referatsleiterin für Gesundheit, Bevölkerungspolitik und soziale Sicherung im Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ). Die SPD-Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens ist seit 2018 Vorsitzende des Unterausschusses Globale Gesundheit, um nur einige der rund 170 Frauen zu nennen.

Der ICT-Dienstleister Axians Deutschland unterstützt das Gesundheitswesen und speziell den Bereich E-Health auf vielerlei Weise. So hilft Axians zum Beispiel Kliniken mit Beratungs-und Implementierungsdiensten dabei, das seit Januar 2021 geltende Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) umzusetzen. Ein Thema, das die Kliniken in dem Zusammenhang immer mehr beschäftigt, ist die Einrichtung eines sogenannten Security Operations Centers (SOC). Axians verfügt über eigene Showcases und zeigt dort, wie in einem SOC alle Fäden der Cyber Security zusammenlaufen.

Des Weiteren entwickelt Axians für Einrichtungen des Gesundheitswesens auch Security- und Compliance-Strategien und das Unternehmen bietet auch umfassende Beratung für den Public Sector mit Blick auf Modernisierung und Digitalisierung.

Im Health-Bereich gibt es eine Reihe von neuen Auflagen und Initiativen, die die Digitalisierung in naher Zukunft weiter vorantreiben sollen, die Einführung der elektronischen Patientenkarte oder künstlicher Intelligenz nicht zu vergessen.

Fazit und Ausblicke

Sowohl im Bereich Health Care als auch in der jungen Welt der doch so hipp erscheinenden Fintechs sind Frauen, was Führungspositionen angeht, eindeutig in der Minderheit. Dabei stellen sie drei Viertel des Personals im Gesundheitswesen und es gibt auch immer mehr Frauen, die sich in Finanzdingen nicht immer nur von den „ach so schlauen“ Männern hereinreden lassen wollen. Ein wachsender Anteil von ihnen will ihr Geld selbst in die Hand nehmen und schenkt anderen Frauen bei der Beratung mehr vertrauen, weil sie in Finanzangelegenheiten oft nachhaltiger oder anders denken als die „forschen“ Männer. Weibliche Führungskräfte, die diesen neuen Anspruch repräsentieren, gibt es aber leider nach wie vor zu wenige.

Nicht umsonst haben daher Madame Moneypenny, Constanze Hintze und Co. so viel Zulauf. Aber wie lässt sich bei Fintechs die Geschlechterdiversität erhöhen? Die Studie der Berlin Finance Initiative gibt dazu eine Reihe von Handlungsempfehlungen. Dazu gehören Maßnahmen für mehr Transparenz und Awareness und Diversität als Voraussetzung für öffentliches oder privates Funding sowie Selbstverpflichtung der Branche. Das sind alles gute Vorschläge, aber möglicherweise muss, so wie im Gesundheits- und Pflegewesen nach Ausbruch der Pandemie, erst genügend Druck herrschen, um mehr Bewegung in die Gehaltsstrukturen und die Geschlechterdiversität zu bringen. Und wenn Frauen beginnen, Frauen mehr zu vertrauen, haben sie auch mehr Chancen, hineinzuwachsen und aufzusteigen in den beiden genannten und vielen anderen Branchen.

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