22.10.2026
4 Min. Lesezeit

Die weltweiten IT-Ausgaben sollen 2027 gegenüber 2026 um 15 Prozent auf rund 6.540 Milliarden Euro steigen. Höhere Verkaufspreise stützen dieses Wachstum, während Erschwinglichkeitsprobleme die Endkundennachfrage dämpfen sollen. Ein wesentlicher Preistreiber ist teurer Arbeitsspeicher.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gartner erwartet 2027 ein Ausgabenplus von 15 Prozent. Mehr Budget heißt unter diesen Bedingungen nicht automatisch mehr Hardware.
  • Speicher bleibt der Preistreiber. Die Vertragspreise für konventionellen DRAM sollen im vierten Quartal 2026 um 10 bis 15 Prozent gegenüber dem Vorquartal zulegen.
  • Die Ausgaben für Rechenzentrumssysteme sollen 2027 um 55,5 Prozent wachsen. Engpässe bei Strom und Rechenzentrums-Lieferketten begrenzen nach Einschätzung von Goldman Sachs den Ausbau von KI-Infrastruktur.

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Ausgabenplus mit Preiseffekt

In den Budgetrunden für 2027 gibt es seit dem 21. Oktober eine neue Referenzgröße aus dem Hause Gartner. Das Analysehaus rechnet für 2027 mit einem Plus von 15 Prozent bei den weltweiten IT-Ausgaben. Eine solche Zahl lädt dazu ein, das eigene Budget am Marktdurchschnitt auszurichten.

Der Durchschnitt enthält allerdings einen Preiseffekt. Höhere durchschnittliche Verkaufspreise stützen das Ausgabenwachstum. Zugleich sollen Erschwinglichkeitsprobleme die Nachfrage der Endkunden im Prognosezeitraum dämpfen. Die speicherbedingte Verteuerung von Hardware soll bis einschließlich 2027 anhalten.

Ein Budget, das im Gleichschritt mit dem Markt wächst, deckt unter diesen Bedingungen nicht automatisch mehr Geräte oder mehr Rechenleistung ab. Ein Teil des Zuwachses fängt lediglich höhere Preise auf.

Was ist Memflation? Memflation bezeichnet die speicherbedingte Verteuerung von Hardware. Das Kunstwort verbindet die englischen Begriffe memory und inflation, Gartner nutzt es in seiner Prognose.

Arbeitsspeicher im vierten Quartal

Wie schnell sich die Preise bewegen, lässt sich am Arbeitsspeicher ablesen. DRAM ist der flüchtige Arbeitsspeicher in Servern, Notebooks und PCs. Die Vertragspreise für konventionellen DRAM sollen im vierten Quartal 2026 um 10 bis 15 Prozent gegenüber dem Vorquartal steigen. Vertragspreise sind die Konditionen, die Hersteller mit großen Abnehmern vereinbaren.

Das betroffene Quartal läuft bereits. Da Gartner die Verteuerung bis ins kommende Jahr hinein erwartet, betrifft sie auch Beschaffungen, die erst 2027 anstehen. Ein Aufschub von Hardwarekäufen schafft nach dieser Prognose wenig Entlastung.

Rechenzentren und Strombedarf

Noch deutlicher fällt das Plus bei der Infrastruktur aus. Die weltweiten Ausgaben für Rechenzentrumssysteme sollen 2027 gegenüber 2026 um 55,5 Prozent steigen.

Der Ausbau stößt jedoch an physische Grenzen. Der weltweite Strombedarf von Rechenzentren soll zwischen 2025 und 2030 um 170 Prozent steigen. Nach Einschätzung von Goldman Sachs begrenzen Engpässe bei der Stromversorgung und in den Lieferketten für Rechenzentren den Ausbau und die Einführung von KI-Infrastruktur.

Betreiber eigener Rechenzentren trifft das direkt in ihrer Mehrjahresplanung. Unternehmen, die Kapazität bei Colocation-, Cloud- oder Managed-Service-Anbietern beziehen, hängen von den Ausbauplänen dieser Dienstleister ab.

KI-Kapazität und Nachfrage

Bei KI-Diensten zeichnet sich gegenwärtig ein anderes Bild ab. Nach Worten von John-David Lovelock, Distinguished VP Analyst bei Gartner, übersteigen die verfügbaren KI-Kapazitäten derzeit die Nachfrage.

Die beiden Befunde schließen sich nicht aus. Die Prognose zum Strombedarf reicht bis 2030, die Aussage zur KI-Kapazität beschreibt die Gegenwart. Für Entscheider liegt die Spannung genau zwischen diesen Zeithorizonten.

Budgetplanung für 2027

Aus den Zahlen ergeben sich für die laufende Budgetrunde drei Prüfpunkte. Der erste betrifft die Trennung von Preis und Menge. Bei Servern und Endgeräten mit hohem Speicheranteil lohnt der Blick darauf, welcher Teil der Mehrausgaben auf höhere Stückpreise entfällt und welcher Teil tatsächlich zusätzliche Kapazität bringt.

Der zweite Punkt betrifft die Verträge. Bei Leasing, Hardware-as-a-Service und Managed Services mit Hardwareanteil entscheidet die Vertragsklausel zur Preisanpassung darüber, wann höhere Einkaufspreise beim Kunden ankommen. Laufzeit und Preisbindung gewinnen damit an Gewicht gegenüber dem reinen Einstiegspreis.

Der dritte Punkt betrifft KI. Konditionen, die in einer Phase mit mehr Kapazität als Nachfrage entstehen, beruhen auf einer Marktlage, die sich mit den Engpässen bei Strom und Lieferketten verschieben kann. Für längere Bindungen an KI-Anbieter ist die Frage nach künftigen Preisregeln deshalb ebenso relevant wie der heutige Tarif.

Häufig gestellte Fragen

Steigen die Speicherpreise bei allen Anbietern gleich stark?

Bei einigen Anbietern von Server-DRAM sollen die Preissteigerungen im vierten Quartal 2026 unter dem Marktdurchschnitt liegen. Grund sind Preisregelungen in langfristigen Lieferverträgen, sogenannten Long-Term Agreements.

Was empfiehlt Goldman Sachs beim Ausbau von KI-Infrastruktur?

Goldman Sachs rät, die Engpässe gemeinsam und früh anzugehen. Dazu gehört, Kommunen und Anwohner vor dem Genehmigungsantrag einzubeziehen, Strom und Ausrüstung vorab zu sichern, Fachkräfte aufzubauen und die Finanzierung an die neue Nachfrage zu koppeln.

Warum sind manche KI-Angebote derzeit kostenlos?

Kostenlose Premium-Modellangebote sowie subventionierte Modell- und Tokenpreise sollen nach Einschätzung von John-David Lovelock die Nutzung ankurbeln. Tokens sind die Einheiten, in denen Sprachmodelle Text verarbeiten und abrechnen.

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