03.03.2022

Seit Ende 2020 nutzt Actemium Bordeaux Energies et Services eine holografische 3D-Simulation. Kund:innen können sich so ein konkretes Bild von ihrer zukünftigen Arbeitsumgebung machen und praktisch in das Projekt eintauchen. Das schafft eine völlig neue Customer Experience.

Bei der weltersten Filmvorführung der Gebrüder Lumière soll das Pariser Publikum in Panik geraten sein, weil es einen rollenden Zug auf sich zukommen sah. Das wurde 100 Jahre später als Mythos widerlegt und schon kurz danach gab es die ersten 3D-Filme. Augmented und Virtual Reality sind seit dem vor allem im Gaming Bereich nicht mehr wegzudenken. Einsatz finden AR und VR mittlerweile auch bei Automobilherstellern und großen Architekturbüros, um Kund:innen und Mitarbeiter:innen in die Entwürfe oder Pläne eintauchen zu lassen.

Das macht sich seit Ende 2020 auch die auf Industrietechnik spezialisierte französische Axians-Schwester Actemium Bordeaux Energies et Services zunutze. Zweidimensionale Zeichnungen oder Modelle von den Lösungen, die maschinelle Vernetzung über Edge-Computing und die IoT-Anbindung etwa, konnten vorher das Endergebnis oft nur unvollständig wiedergeben, so dass es manchmal zu Missverständnissen zwischen Auftraggeber:in und ausführendem Unternehmen kam.

Um Abhilfe zu schaffen und sich vom Wettbewerb abzuheben, hat Actemium Bordeaux Energies et Services zwei Jahre zuvor schon auf 3D-Modelle umgestellt. Dazu schaffte die auf Elektroinstallationen und Anlagenbau in der Industrie spezialisierte VINCI Energies-BU eine 3D-Brille, zwei Joysticks und Positionssensoren an, die mit einem PC verbunden wurden. Doch abgesehen davon, dass das System erforderte, die Arbeitsumgebung im Vorfeld zu modellieren, klagten etliche User auch über Schwindelgefühle und Übelkeit.

WENIGER UNWOHLSEIN, MEHR ECHTES EINTAUCHEN

„Sind die Nutzer:innen in einer virtuellen Welt ohne Kontakt nach außen unterwegs, verlieren sie ihre Anhaltspunkte“, erläutert Eric Bousquet, BU-Leiter von Actemium Bordeaux Energies et Services im Magazin The Agility Effect. Es kommt zu einer Diskrepanz zwischen den Rückmeldungen aus dem Innenohr und von den Augen.”

Daher ist das Unternehmen Ende 2020 zu der holographischen Projektion mit der HoloLens 2 umgeschwenkt – mit Erfolg. Denn die für Mixed Reality ausgewiesene Brille von Microsoft arbeitet autonom und kommt ganz ohne Sensoren aus, womit auch keine Modellierung des Industriestandortes mehr nötig ist. Die User können so im Maßstab 1:1 völlig in die jeweilige Umgebung eintauchen und können mit den dort eingeblendeten virtuellen Objekten interagieren.

Seit Ende 2020 nutzt Actemium Bordeaux Energies et Services die holografische 3D-Simulation. Bild: The Agility Effect

Wie Bousquet sagt, schafft das System schnell einvernehmliche Lösungen und Verständnis, zwischen Projektleitung und dem Bedienpersonal etwa. Externe Fachleute können sich auch per Videokonferenz zuschalten und sehen exakt dasselbe wie diejenigen, die die HoloLens aufgesetzt haben und sie können auf dem Bildschirm auch selbst Änderungsvorschläge anzeigen. Bousquet zufolge waren nach ein paar Monaten alle „restlos begeistert“, sogar die skeptischeren Kund:innen. Und so habe die Lösung neben der hinzugewonnenen Transparenz auch dazu beigetragen, das Vertrauen in den eigenen Kundenbeziehungen zu stärken.

Actemium einschließlich der gleichnamigen deutschen Niederlassung ist – wie Axians – für den ITK-Bereich Teil von VINCI Energies und auf Lösungen und Dienstleistungen für eine große Bandbreite von Industrieunternehmen, Wasserwerke, die Luft- und Raumfahrt spezialisiert. In der Fertigungsindustrie spielt die oben angeschnittene industrielle IoT-Anbindung (IIoT) von Maschinen eine immer größere Rolle. Das in dem Zusammenhang oft genannte Predictive Maintenance ist nur einer von vielen Bereichen, in denen die Nachfrage nach IIoT-Lösungen immer mehr wächst.

Quelle Titelbild: Adobe Stock / Pinhead Studio

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