09.06.2020 | Güven Zorba

Hybride Cloud als die Zukunft für Managed Service Provider

Managed Service Provider (MSPs) müssen Komplexität beherrschen und gleichzeitig ihr Geschäftsmodell hybrid gestalten. Mit der richtigen Mischung aus Private- und Public Cloud können sie kundenfreundlich und erfolgreich in der „Subscription Economy“ agieren. Ich möchte Ihnen dabei zeigen, worauf es in der hybriden Welt ankommt.

Der Schnelle schlägt den Langsamen. Das gilt besonders für Managed Service Provider (MSP), denn das Innovationstempo lässt nicht nach. Auch wenn die Transformation von IT-Abteilung oder Systemhaus zum MSP erfolgreich bewältigt ist, bleibt keine Zeit zum Zurücklehnen.

Bei unseren Kundenanfragen zeigt sich: Das Modell Managed Service Provider hat den Praxistext längst bestanden. Die Kunden und Fachabteilungen sind dankbar, wenn MSPs ihnen die Sorgen um skalierbare Performance, Security, Storage und Backup abnehmen, die sie in der immer komplexeren Service-Architektur und Bedrohungslandschaft nicht mit eigenen Kräften bewältigen können. Die Wandlung von CAPEX-Kosten, also Einmalanschaffungen, hin zu OPEX (wiederkehrenden Mietzahlungen) rechnet sich zudem in den meisten Fällen.

Nach Angaben des Analystenhaus Gartner ist der Bereich Software as a Service (SaaS) auch 2020 das größte Marktsegment, das aufgrund der Skalierbarkeit von subskriptionsbasierter Software dieses Jahr auf 116 Milliarden US-Dollar wachsen soll. Unternehmen transformieren damit nicht nur ihre IT-Betriebskosten sondern gleich ganze Geschäftsmodelle von absatz- zu nutzungsorientierten Modellen („Subscription Economy“). Aber auch die Vorteile, bereitgestellte IT-Infrastruktur-Ressourcen zu nutzen und diese flexibel hoch- oder herunterskalieren zu können, wird bei Unternehmen immer mehr geschätzt. Denn das zweitgrößte Marktsegment ist Gartner zufolge Infrastructure as a Service (IaaS), das 2020 50 Milliarden Dollar erreichen soll. Auch das Wachstum des Marktes beweist: Unternehmen investieren mehr und mehr in die Nutzung von Cloud Computing oder weiter – Managed Services.

Hybride Systemhauswelt

Allerdings ist es für IT-Dienstleister und CIOs nicht immer einfach, sich als MSP neu aufzustellen. Das gesamte Geschäftsmodell muss neuformiert und die Vertriebsmannschaft umgeschult werden. Die fetten Jahre im vergangenen Jahrzehnt machten auch das klassische Systemhausgeschäft – also den Handel und die Implementierung von Hardeware- und Software-Lösungen – durchaus lohnend und viele Reseller schrecken vor einem radikalen Schnitt zurück. Das muss aber kein Nachteil sein. Early Adopter machen Fehler, von denen Nachzügler jetzt lernen können. Und genau diese Learnings möchte ich Ihnen nun etwas näher vorstellen.

Willkommen in der hybriden Welt, wie es unser CEO Jacques Diaz im Gespräch mit der Fachzeitschrift ChannelPartner erklärt: „Mit Blick auf den Kundenbedarf und das Dienstleistungsgeschäft sagen wir aber ganz klar: Die Systemhauswelt der Zukunft ist nicht schwarz-weiß, sondern hybrid! Das heißt, genau durch hybride Szenarien aus On-Prem, Public Cloud, Co-Locationing und Managed Services erhalten Systemhäuser ihre Wettbewerbsfähigkeit.“

Hybride Systemhauswelt
Setzen Sie auf eine hybride Systemhauswelt. Quelle: iStock / gremlin.

Systemhäuser und IT-Abteilungen können ihren Kunden immer dann unschätzbare Mehrwerte liefern, wenn sie in der Lage sind, hybride Szenarien zu planen, aufzubauen und zu betreiben. Durch eine Klassifizierung jedes einzelnen Services zu Faktoren wie Performance, Business-Kritikalität, Schutzniveau, Kosten, Skalierbarkeit, Flexibilität, Downtime-SLA entsteht eine Matrix für das richtige Hybrid-Cloud-Betriebsmodell. Eine Dienstleistung die kein reiner On-Premise- oder Public-Cloud-Partner liefern kann. Wer bereits einmal eine Kopplung vom klassischen physischen Storage im Rechenzentrum für Unternehmensdaten an Cloud-Speicher realisiert hat und dabei viele Außenstellen anbinden musste, weiß schnell, wie komplex das sein kann.

Cloud-Technologien im Wandel

Meiner Meinung nach verschieben sich die Gewichte unter den Cloud-Providern immer mehr und mehr. Die großen Hyperscaler Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure und Google dominieren den Markt mit ihren Services und den gigantischen Zoos an Apps aus den Marketplaces. Auch die Clouds von IBM, Cisco, SAP und Oracle spielen in ihren Anwendungsbereichen eine wichtige Rolle, während andere große IT-Hersteller bereits das Handtuch geworfen haben. Sowohl IBM, Cisco als auch SAP haben in Deutschland ein breites Ökosystem aufgebaut. In der Kombination der Vielfalt an Services liegt eine große Chance für MSPs, die zum Wohle ihrer Kunden ein Multi-Cloud-Angebot aufsetzen können. Dabei wählen sie aus den hunderten von Cloud-Services diejenigen aus, die am kostengünstigsten und leistungsfähigsten sind. Multi Cloud ergänzt ideal die hybride Cloud, denn die meisten Kunden bewahren geschäftskritische und sicherheitsrelevante Informationen am liebsten bei sich auf. Auch für Disaster Recovery und Backup ist ein hybrides Cloud-Konzept das Mittel der Wahl, denn völlig ausfallsicher ist auch die Public Cloud nicht und ein zusätzliches Standbein auf dem eigenen Firmengelände gibt mehr Sicherheit.

Neuer Pluspunkt: Auf Branchen fokussieren

Während für ein klassisches Systemhaus die räumliche Nähe zum Kunden ein entscheidender Pluspunkt war, sieht sich ein MSP sehr viel mehr Wettbewerbern gegenüber. Der persönliche Kontakt bleibt zwar wichtig, aber mit rein horizontalen und austauschbaren Angeboten ist man schnell aus dem Feld geschlagen. Preisschlachten sollte man vermeiden. Aus der Masse herausragen gelingt am besten durch Differenzierung. Und das gelingt am besten durch selbst konzipierte und entwickelte Angebote, die auf die Bedürfnisse spezieller Branchen und Kundengruppen zugeschnitten sind, also durch Vertikalisierung.

Fokussieren Sie sich auf Branchen
MSPs mit Fokus auf unterschiedliche Branchen sind immer vorne. Quelle: iStock / Blue Planet Studio.

Geschäftschance Edge Computing

Edge Computing ermöglicht es, die Cloud nah an den Kunden zu bringen. Neue Server-, Storage-Systeme von Dell Technologies, Cisco, IBM oder HPE bieten mittlerweile alle Standardschnittstellen zur Anbindung an die Public Cloud und entsprechende dynamische Netzwerkkomponenten, die den Austausch verwalten. Mit einer Edge Cloud können Projekte für das Internet der Dinge (IoT) oder Augmented Reality (AR) stark vereinfacht und kostengünstig gestaltet werden. Der Verlauf und die Kundenanfragen zeigen: Mit dieser hybriden Edge-Struktur bieten sich große Geschäftschancen für MSPs.

So richten Sie hybride Services ein

Sie fragen sich jetzt vermutlich, wie man einen hybriden Service bei einem Kunden am besten angeht. Zunächst sollten Sie mit einer Service-Klassifizierung die Arbeit beim Kunden starten. Kritische Services für die Wertschöpfung des Kunden sollten eher in der Private Cloud belassen werden, dagegen sind neue Services, die für die Entwicklungsabteilung da sind oder neue Geschäftsfelder abdeckt, geeignete Kandidaten für die Public Cloud. Beides bringt dem Kunden gekoppelt am meisten Effizienz. Das Backup und eine Recovery-Strategie sind wichtig, um sicherzustellen, dass Daten gesichert sind und mit Fallback-Strategien gegebenenfalls ins Unternehmen zurückgeholt werden können. Auch die Public Cloud ist nicht vor Downtime gefeit.

Klassische Private Cloud können hybrid gestaltet dem Kunden, beispielsweise durch bessere Skalierung, Mehrwerte bringen. Für viele Kunden gibt es auch die Option, ganz auf das hauseigene Rechenzentrum zu verzichten und sich stattdessen für die Colocation-Services eines Rechenzentrumsbetreibers zu entscheiden oder Colocation als Backup zu nutzen. Mit dem richtigen Provider können MSPs sicherstellen, dass die Daten in Deutschland bleiben, was aus der Sicht der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) wünschenswert ist. Ein MSP kann dem Kunden eine komplette Infrastruktur zur Verfügung stellen, die sich etwa in einem Colocation-Rechenzentrum eines großen Betreibers wie Equinix befindet.

vPack – Komplettangebot für hybride Cloud

Unerlässlichen für den Erfolg im Betreiben von IT sind eigene Managed-Hybrid-Cloud-Lösungen. Wir bei Axians nennen unseren Ansatz vPack. Er vereint die Flexibilität und die Agilität einer Public Cloud kombiniert mit der Sicherheit einer Private Cloud. vPack ist als Lösungstack für Rechenleistung für die Integration in Unternehmens-Rechenzentren konzipiert und bietet zusätzlich die Skalierbarkeit in die Cloud. Die Datenhoheit liegt jederzeit vollumfänglich beim Kunden. Dank Pay-as-you-use-Modell fallen für die Nutzer keine Anschaffungskosten an. Abgerechnet wird monatlich nach dem tatsächlichen Ressourcenverbrauch. Das Besondere: vPack enthält integrierte Managed Services und Systemadministration. Das bedeutet, dass Axians den Betrieb der Lösung übernimmt und der Kunde sich nicht um Wartung und Betrieb kümmern muss.

Die Welt wird hybrid

Zusammenfassend kann ich sagen: MSPs sind gut beraten, sich hybrid aufzustellen. Das gilt sowohl für die hybride Cloud als auch für ein hybrides Modell aus Systemhaus und MSP. In der Public Cloud lauern oft versteckte Kostenfallen, da individuelle Service-Level und Datenschutz-Aspekte Zusatzaufwände erfordern. Wenn Sie den Kunden die beste und preisgünstigste Lösung aufzeigen, die optimal zu den individuellen Bedürfnissen eines Unternehmens passt, werden Sie schnell Erfolge aufzeigen. Dabei gilt aber wieder, wenn Sie für Kunden aus dem Mittelstand ganzheitliche Managed Services verkaufen wollen, wird reine Public-Cloud-Expertise nicht reichen. Sie brauchen immer beide Welten und auch die On premise & Legacy IT muss aktiv in den Betrieb eingebunden werden.

 

Quelle Titelbild: iStock / sdecoret

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