SaaS-Portfolios brauchen eine Exit-Strategie, kein nächstes Tool
Eva Mickler
7 Min. Lesezeit Die einfachen SaaS-Konsolidierungen sind durch. Wer doppelte Tools streichen wollte, ...
Werks-Geräte, Sensoren und Edge-Devices galten lange als Domäne der OT-Teams – für die CIOs wenig relevant. NIS2 hat das geändert. Wer jetzt nicht klärt wer die Governance trägt, läuft in den nächsten Audit mit offenem Flanke.
6 Min. Lesezeit
Was ist Industrial IoT im NIS2-Kontext? Industrial IoT bezeichnet vernetzte Geräte in Produktions-, Energie- und Infrastrukturumgebungen: Sensoren, Steuerungssysteme (PLCs, DCS), Edge-Gateways und Condition-Monitoring-Systeme. Sobald diese Geräte über Edge-Layer mit dem Corporate-Netzwerk verbunden sind, fallen sie für NIS2-betroffene Unternehmen in den ISMS-Scope. Der Unterschied zu klassischer IT-Security: OT-Geräte laufen oft ohne Patching-Möglichkeit, mit proprietären Protokollen und Laufzeiten von 10-20 Jahren.
Der Mechanismus der die Situation verändert hat ist simpel: NIS2 weitet den Anwendungsbereich gegenüber der ersten NIS-Richtlinie erheblich aus. Betroffen sind jetzt auch mittlere Unternehmen ab 50 Mitarbeitern oder 10 Mio. € Umsatz in bestimmten Sektoren – Energie, Verkehr, Wasser, Gesundheit, digitale Infrastruktur und verarbeitendes Gewerbe für kritische Produkte.
Das Ergebnis: Viele Unternehmen die bisher nicht im Regulierungsbereich standen, müssen jetzt ein vollständiges ISMS nachweisen – inklusive aller vernetzten Geräte. Und das umfasst in produzierenden Unternehmen typischerweise mehrere hundert bis mehrere tausend OT-Komponenten.
Die ehrliche Antwort lautet: das ist die offene Frage in den meisten DACH-Unternehmen. Die typische Situation sieht so aus: Der CISO kennt die NIS2-Anforderungen und die IT-Sicherheitsarchitektur, hat aber keinen Überblick über OT-Assets und keinen direkten Zugriff auf Werks-Systeme. Der CIO hat die Netzwerksicht und trägt die IT-Infrastruktur-Verantwortung, aber OT lag traditionell beim Produktions- oder Werksteam.
| Aspekt | CIO | CISO |
|---|---|---|
| NIS2-Pflichten | Compliance-Framework-Verantwortung | Technische Sicherheitsmaßnahmen |
| OT-Asset-Inventar | Netzwerksicht vorhanden | Oft kein direkter Zugriff |
| Incident-Meldung | Nicht immer zuständig | Formell oft Erstverantwortlicher |
| Board-Reporting | Regelmäßige Board-Verbindung | Oft nur bei Incidents präsent |
Die strukturelle Antwort die NIS2 erzwingt: Eine der beiden Rollen muss Ownership für den gesamten Asset-Scope übernehmen – und das Board muss das aktiv entscheiden. Nicht als Delegation, sondern als formelle Zuweisung die im ISMS dokumentiert ist.
NIS2 schreibt explizit vor dass das Management regelmäßig über Cybersicherheitsrisiken informiert wird und Schulungen absolviert. Das bedeutet: OT-Security-Risiken müssen aus dem Technik-Reporting herausgehoben und in einem Format aufbereitet werden das Vorstands-Entscheidungen informiert.
Drei Elemente die in jedem Board-Report zu OT-Security fehlen:
Erstens: Anzahl und Kritikalität ungemanagter OT-Assets. Kein Inventory ist ein Risiko das sich quantifizieren lässt. Wenn von 800 OT-Devices 300 nicht im ISMS erfasst sind, ist das eine Board-Aussage.
Zweitens: Patch-Status und Known-Vulnerability-Exposure. OT-Geräte die seit Jahren keine Updates bekommen haben und bekannte CVEs enthalten, sind auditierbar und meldepflichtig wenn sie betroffen sind.
Drittens: Segment-Isolation-Status. Wie viele OT-Devices haben unkontrollierten Zugang zum Corporate-Netzwerk? Das ist die Frage die ein Auditor als erstes stellt.
Ja, wenn sie in einen der regulierten Sektoren fallen und die Schwellenwerte überschreiten. NIS2 unterscheidet zwischen „wesentlichen Einrichtungen“ (größere Unternehmen in kritischen Sektoren) und „wichtigen Einrichtungen“ (mittelgroße Unternehmen). Auch „wichtige Einrichtungen“ unterliegen Sicherheitspflichten und Aufsicht – nur mit etwas geringeren Maximalstrafen. Produzierendes Gewerbe für kritische Produkte (Medizinprodukte, Chemie, Automotive) ist explizit im Scope.
ISO 27001 ist ein freiwilliger Standard mit wählbarem Scope. NIS2 ist gesetzliche Pflicht mit definiertem Scope. In der Praxis: Unternehmen mit ISO 27001 Zertifizierung haben eine gute Ausgangsbasis, aber der OT-Scope muss oft explizit erweitert werden. NIS2 fordert zusätzlich konkrete technische Maßnahmen (Supply-Chain-Security, Verschlüsselung, MFA) und Meldepflichten die über einen ISO 27001-ISMS-Nachweis hinausgehen.
Erstens: vollständiges OT-Asset-Inventar erstellen (Tools wie Claroty, Dragos oder Nozomi helfen bei passiver Netzwerkerkennung ohne Produktionsstörung). Zweitens: Netzwerksegmentierung zwischen OT und IT prüfen und dokumentieren wo die Grenzen tatsächlich verlaufen. Drittens: mit dem CISO formell klären wer welche Teile der NIS2-Anforderungen verantwortet und das in den ISMS-Dokumenten verankern.
Bei einem erheblichen Incident (signifikante Betriebsunterbrechung oder Auswirkung auf andere) muss innerhalb von 24 Stunden eine Frühwarnung an die zuständige Behörde (in Deutschland BSI) gesendet werden. Innerhalb von 72 Stunden folgt eine ausführlichere Meldung, nach einem Monat ein Abschlussbericht. Das erfordert intern klare Eskalationspfade und vordefinierte Meldevorlagen – die in den meisten OT-Umgebungen fehlen.
Passive Netzwerkerkennung (keine aktiven Scans die Steuerungssysteme stören könnten), OT-spezifische SIEM-Integration (Splunk OT Security, Microsoft Sentinel mit OT-Konnektoren) und Asset-Management-Plattformen die IT und OT in einer Ansicht zusammenführen. Wichtig: OT-Geräte reagieren anders auf Scans als IT-Geräte – aggressive Scanning-Verfahren aus der IT können in OT-Umgebungen Ausfälle verursachen.
Quelle Titelbild: Pexels
Sie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Turnstile. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen