08.06.2026
8 Min. Lesezeit

Die meisten Unternehmen sammeln KI-Piloten und sehen trotzdem keine messbare Rendite. Eine PwC-Studie unter 1.217 Firmen zeigt, warum: 20 Prozent fangen 74 Prozent des KI-getriebenen Wertes ein. Der Unterschied liegt nicht in mehr KI, sondern darin, worauf sie gerichtet wird. Wer KI nur zur Kostensenkung einsetzt, lässt den größeren Teil der Rendite auf dem Tisch.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wachstum schlägt Effizienz. Die KI-stärksten Firmen erzielen eine 7,2-mal höhere KI-getriebene Finanzleistung. Sie nutzen KI nicht nur zum Sparen, sondern als Reinvention-Motor für neue Angebote und Geschäftsmodelle.
  • Der stärkste Hebel ist Branchen-Konvergenz. Wertzuwächse entstehen dort, wo Branchen verschmelzen. KI-Vorreiter sind zwei- bis dreimal häufiger sektorübergreifend aktiv.
  • Fundament schlägt Aktionismus. Starke Grundlagen verdoppeln die Ausbeute pro KI-Einsatz. Trotzdem prüfen selbst Vorreiter nur zu 28 Prozent ihr KI-Portfolio konsequent auf Abbruch.

Der teure Moment im Konferenzraum

Die Szene wiederholt sich von New York bis Singapur. Jemand zeigt eine ordentliche Folie mit KI-Piloten, der Raum nickt, dann kommen die Fragen: Welcher dieser Piloten erhöht den Umsatz? Welcher senkt Kosten? Wie viele Entscheidungen sind dadurch besser geworden? Die Stille danach spiegelt eine unbequeme Realität. Für viele Unternehmen produziert die ganze KI-Aktivität keine messbare Rendite.

PwC hat 1.217 Unternehmen aus 25 Branchen anhand ihrer KI-getriebenen Finanzleistung verglichen, also der Umsatz- und Effizienzgewinne aus KI, jeweils gegen den Branchenmedian normiert. Das Ergebnis ist eindeutig: Der Wert konzentriert sich auf eine kleine Kohorte. 20 Prozent der Firmen fangen 74 Prozent der KI-getriebenen Renditen ein. Die Spitzengruppe erzielt eine 7,2-mal höhere KI-Finanzleistung als der Rest. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer Handvoll Managemententscheidungen.

Effizienz ist die Falle, Wachstum der Hebel

Viele Unternehmen richten KI darauf, das schon Bestehende günstiger zu erledigen. Versicherer beschleunigen die Schadenbearbeitung, Softwarehäuser lassen Code schreiben. Die Vorreiter tun das auch, aber sie hören dort nicht auf. Sie behandeln KI als Reinvention-Motor, der neue Angebote schafft und Geschäftsmodelle umbaut. Laut PwC sind führende Unternehmen 2,6-mal häufiger in der Lage, mit KI ihr Geschäftsmodell neu zu erfinden.

Der mit Abstand stärkste einzelne Faktor in der Studie ist die Fähigkeit, Wachstum aus Branchen-Konvergenz zu schöpfen. Wertzonen verschieben sich dorthin, wo bisher getrennte Branchen verschmelzen. Ein Landmaschinenhersteller, der von Maschinenverkauf auf ein Lösungs- und Service-Modell mit wiederkehrendem, ergebnisgebundenem Umsatz wechselt, ist das Lehrbuchbeispiel: Aus einem Produkt wird eine Plattform. KI-Vorreiter sind zwei- bis dreimal häufiger als andere bereit, mit Firmen aus anderen Sektoren zusammenzuarbeiten und außerhalb ihres angestammten Marktes anzutreten.

Die Zahl, die die Kalkulation verschiebt

7,2-mal höhere Rendite. So viel mehr KI-getriebene Finanzleistung erzielen die fittesten Unternehmen. Wer KI weiterhin nur als Effizienzwerkzeug budgetiert, konkurriert nicht um Prozente, sondern um ein Vielfaches, das der Wettbewerber bereits einfährt.

Warum starke Fundamente die Ökonomie der KI verändern

Ambition allein reicht nicht. Der nächste Unterschied liegt in sechs gezielten Grundlagen: Strategie, Investition, Daten und Technik, Belegschaft, Governance und Innovation. Vorreiter bauen nicht abstrakt alles um, sondern nur das, was nötig ist, um wachstumsgerichtete KI in messbare Ergebnisse zu verwandeln. Der Effekt ist eine Art Umwandlungsrate: Firmen mit starken Fundamenten sehen bei steigendem KI-Einsatz fast die doppelte Leistungsverbesserung im Vergleich zu denen mit schwachen Grundlagen.

Drei Praktiken stechen heraus. Erstens, das KI-Portfolio wie ein Investor führen und Ressourcen dynamisch zu den wertvollsten Vorhaben umschichten. Zweitens, Vertrauen der Belegschaft als Durchsatz-Bedingung behandeln, nicht als weiches Change-Thema: Mitarbeitende in Vorreiter-Organisationen vertrauen KI-Ergebnissen 2,1-mal häufiger und handeln danach. Drittens, Governance so einsetzen, dass sie Tempo macht statt bremst, indem nur die risikoreichsten Fälle ins Gremium gehen und Routine über Standardvorlagen läuft.

Der DACH-Faktor: Kostendisziplin als blinder Fleck

Genau hier liegt die unbequeme Einordnung für deutsche Entscheider. Die hiesige Stärke ist Kostendisziplin und operative Exzellenz. Diese Stärke verführt dazu, KI primär als Effizienzhebel zu rahmen, weil sich Einsparungen sauber in die bestehende Controlling-Logik einfügen. Wachstum aus Konvergenz dagegen lässt sich nicht aus einer Kostenstelle heraus rechtfertigen. Es braucht ein eigenes Mandat, einen Sponsor auf Geschäftsleitungsebene und Kennzahlen, die Umsatz- statt nur Kostenwirkung messen.

Für den deutschen Maschinenbau, die Logistik und die Industrie ist der Konvergenz-Hebel kein Silicon-Valley-Import, sondern naheliegend: vom Maschinenverkauf zum datengetriebenen Servicevertrag, vom Bauteil zur überwachten Verfügbarkeit, vom Einzelprodukt zum Plattformangebot über Branchengrenzen hinweg. Wer KI nur in die Kostenstelle einbucht, organisiert sich strukturell aus diesem Spiel heraus, während international aufgestellte Wettbewerber den Konvergenz-Aufschlag bereits einfahren.

Die Gegenposition: Effizienz zuerst ist vernünftig

Man kann argumentieren, dass Effizienz-KI der vernünftige Einstieg ist. Sie ist messbar, risikoarm und finanziert sich selbst. Das stimmt, und niemand fordert, Effizienzgewinne zu ignorieren. Die Vorreiter nutzen sie ebenfalls. Der Fehler ist nicht, mit Effizienz zu beginnen, sondern dort stehenzubleiben. Selbst PwC räumt ein, dass auch die Spitzengruppe Wert liegen lässt: Nur 28 Prozent prüfen ihr KI-Portfolio konsequent darauf, Initiativen zu beenden. Disziplin im Einstellen schwacher Projekte ist die unterschätzte Kehrseite der Wachstumswette. Wer nicht beendet, kann nicht fokussiert skalieren.

Der erste Schritt in den nächsten 90 Tagen

Wachstum aus Konvergenz als eigenes Portfolio aufsetzen, mit einem benannten Sponsor in der Geschäftsleitung, getrennt vom Effizienz-Budget. Eine Hand voll prioritärer Anwendungsfälle auswählen, die an echte Geschäftsziele gebunden sind, und sie von Ende zu Ende industrialisieren, statt zwanzig Piloten nebeneinander laufen zu lassen. Dazu zwei Mechanismen einziehen: Wirkungs-Kennzahlen, die Trade-offs erzwingen, und ein Portfolio-Review, das schwache Initiativen beendet. Die Zeit der Pilot-Sammlung ist vorbei. Wer KI auf die größten strategischen Züge richtet und ein Operating Model baut, das Investitionen in messbare Leistung übersetzt, holt nicht inkrementelle Prozente, sondern einen Renditeabstand, der mit jedem Quartal wächst.

Häufig gestellte Fragen

Warum sehen die meisten Unternehmen keine KI-Rendite?

Weil sie Piloten sammeln, statt KI auf wenige wertkritische Ziele zu richten. Laut PwC fangen 20 Prozent der Firmen 74 Prozent des KI-getriebenen Wertes ein. Der Unterschied ist nicht die Menge an KI, sondern die Ausrichtung auf Wachstum und Reinvention statt nur auf Kostensenkung, gestützt durch gezielte Fundamente.

Was ist der stärkste einzelne Renditefaktor?

Die Fähigkeit, Wachstum aus Branchen-Konvergenz zu schöpfen. Wertzonen verschieben sich dorthin, wo Branchen verschmelzen. KI-Vorreiter arbeiten zwei- bis dreimal häufiger sektorübergreifend und bauen Produkte zu plattform- und serviceartigen Modellen um.

Warum ist gerade für deutsche Unternehmen Vorsicht geboten?

Weil die hiesige Stärke, Kostendisziplin, dazu verführt, KI nur als Effizienzhebel zu rahmen. Wachstum aus Konvergenz lässt sich nicht aus einer Kostenstelle rechtfertigen und braucht ein eigenes Mandat mit Sponsor und Umsatz-Kennzahlen. Sonst fährt der Wettbewerber den Konvergenz-Aufschlag ein.

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