07.09.2021

Um Frauen für den Berufszweig Cyber Security zu begeistern, fand am 10. Juni 2021 in der Schweiz als Online-Konferenz der erste Women in Cyber Day statt. Frauen sind in dem Sektor immer noch in der Minderheit, dabei sind weltweit Millionen Stellen vakant.

Man denke nur an die Filmbiographie „Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen“ über drei afroamerikanische Mathematikerinnen, die ab der 1950er Jahren maßgeblich am Mercury- und Apollo-Programm der NASA beteiligt waren. Die ersten Programmierer waren weiblich, 1987 lag ihr Anteil an der Softwareentwicklung in den USA noch bei 42 Prozent, erinnert das Job-Magazin get in {IT}. Heute sind nur 18 Prozent der Informatik-Studierenden weiblich, bei den Azubis ist der Anteil nur halb so groß. 25 Prozent der Cyber-Security-Experten weltweit sind weiblich, heißt es in einem Telekom-Blog von 2017.

2,9 Millionen Vakanzen „schreien“ nach Frauen

Das lässt sich ändern, haben sich die Schweizer Initiatorinnen des ersten Women in Cyber Day gedacht und am 10. Juni 2021 im Rahmen einer Online-Konferenz mehr Bewusstsein für Frauen im Bereich Cyber Security schaffen wollen, um sie für den Berufszweig zu begeistern. Denn über Mangel an Bezahlung brauchen sich die Fachkräfte in dem Metier nicht zu beklagen. Die OrganisatorInnen rechnen mit gerade mal 24 Prozent Frauenanteil in dem Feld bei über 2,9 Millionen vakanten Stellen weltweit.

Frauen haben auf dem virtuellen Event für Frauen die Werbetrommel für den Berufszweig Cyber Security gerührt, darunter als erklärter Höhepunkt die Schweizer Bundesrätin Viola Amherd, Chefin des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), wie IT-Markt.ch berichtete. Sie sagte, es gebe zwar schon viele Frauen in der helvetischen Armee, warb aber für einen höheren Frauenanteil in der Cyber-Abwehr des Bundes.

 

Sie muss meist mehr leisten, um zu glänzen

Trend Micro war als einer der Gastgeber neben der UBS und der ETH Zürich auch prominent vertreten, ebenso das Schweizer Nationale Zentrum für Cybersicherheit (NCSC) mit der Projektleiterin Cybersicherheit Monica Ratte von der École Polytechnique Fédérale de Lausanne. Und die sagte, dass sie als Frau immer mehr leisten musste, um ihre Kompetenz zu beweisen. Auch merkte sie bald, dass technische Fähigkeiten nicht alles waren, weshalb sie sich darüber hinaus auch mehr Wissen aneignen musste, darunter mehrere Sprachen einschließlich denen im Umgang mit den „Techis“ und Führungsetagen, wie IT-Markt.ch sie zitiert.

weibliche Experten Cyber Security
Nur 1/4 der der Cyber-Security-Experten weltweit sind weiblich. Quelle: Adobe Stock / Gorodenkoff

Myriam Dunn Cavelty von der ETH Zürich bewies dem Magazin zufolge, dass es keinen technischen Werdegang braucht, um sich im Bereich Cyber Security zu behaupten. Ihr Fokus liegt auf den betreffenden Policies und ihr Spezialgebiet bei Cyber-Bedrohungen und Responses.

Zweiter Anlauf im November gegen Traditionsdenken

Myla Pilao, Director Technical Marketing von Trend Micro im Headquarter in Tokio, gab Einblicke in den Fachkräftemangel im Bereich Cyber Security und betonte, dass diese auch Leben retten kann. Das Problem sei aber, dass die Cyber-Sicherheit nicht so sexy sei wie etwa der Astronautenberuf. Das liege aber auch an traditionellen Vorstellungen, die gerade auch in asiatischen Kulturen verbreitet sind, wo die Älteren bestimmen, wie die Jüngeren arbeiten sollen.

Das erschwere Veränderungen, aber gerade Frauen könnten hier ihre Stärken einbringen, Empathie und Leidenschaft zum Beispiel. Den Kampf in der Cyber Security sieht sie nicht zwischen Männern und Frauen, die Feinde seien die, die auf Kosten anderer Schwachstellen zur eigenen Bereicherung ausnutzen würden.

Um Frauen für den Berufszweig Cyber Security zu begeistern, wurde der Women in Cyber Day in die Welt gerufen. Quelle: Women in Cyber Day

Nach dem als Part I deklarierten ersten Women in Cyber Day im Juni steht der Termin für den zweiten auch schon fest. Part II ist für den 11. November 2021 von 14 bis 17 Uhr wieder als Online-Konferenz angesetzt. Als Gastrednerinnen werden unter anderem Chelsey Slack vom NATO Headquarter und die Kryptographin Lajla Aganovic von Swisscom Ventures erwartet sowie die als internationale Expertin für Cyber-Sicherheit und Cyber-Abwehr gefeierte Solange Ghernaouti, Professorin an der Universität Lausanne (UNIL) und Direktorin der von ihr gegründeten Swiss Cyber Security Advisory and Research Group (SCARG).

Fazit

Immer wieder gibt es das Vorurteil, dass Mädchen in MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu schwach seien und daher wenig Chancen hätten, in derartigen Berufen erfolgreich zu sein. Die zweifache Nobelpreisträgerin Marie Curie (1903 für Physik und 1911 für Physik) strafte dem früh Lügen, so wie die eingangs genannten „Hidden Figures“. Etwas untergegangen sind auch die Verdienste von Ada Lovelace, die um 1837 an der Entwicklung der ersten Analytical Engine mitgearbeitet hat und somit als eine Vordenkerin des heutigen Computers gilt, so wie die Programmiererinnen des ENIAC, des 1946 vorgestellten ersten „turingmächtigen“ Universalrechners. Die Computerpionierin Grace Hopper nicht zu vergessen, von der einst mächtigen HP-Chefin „Carly“ Fiorina und den Teilnehmerinnen des Women in Cyber Day ganz abgesehen. Letztere machen Frauen Mut, die Herausforderungen der Cybersicherheit und Cyberabwehr aufzunehmen und in den gut bezahlten Berufsfeldern mehr als nur ein Rädchen im Getriebe zu werden.

Quelle Titelbild: Adobe Stock / denisismagilov

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