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Umfrage zeigt: Digitales Gesundheitswesen stößt auf hohes Interesse von Patienten

Apps auf Rezept, Diagnose- und Therapiemeinungen durch Künstliche Intelligenz und die elektronische Patientenakte – all diese Neuheiten stehen bereits in den Startlöchern. Die repräsentative Umfrage des Branchenverbandes bitkom zeigt: das Interesse an digitalen Gesundheitsangeboten steigt. Jedoch wünschen sich zwei Drittel der Deutschen mehr Tempo beim Ausbau.

Frühjahr 2020: Die Corona-Pandemie verlangt dem deutschen Arztpersonal einiges ab. Aufgrund der Hygieneschutzmaßnahmen wird der Weg zum Arzt durch Videosprechstunden ersetzt. Einige Praxen konnten das bereits umsetzen und ihren Patienten mit der digitalen Sprechstunde trotzdem zur Seite stehen. Doch wie weit ist die Digitalisierung des Gesundheitssystems fortgeschritten? Und welche Akzeptanz erfährt sie bei deutschen Patienten?

Diese Fragen stellt auch die repräsentative Umfrage „Digital Health 2020“ des Branchenverbandes bitkom ihren Teilnehmern. 1193 Personen in allen Altersschichten wurden hierfür befragt.

Der Trend geht in Richtung digitale Arztpraxen. Das lohnt sich nicht nur für die Patienten. Digitale Angebote geben den Ärzten und dem medizinischen Personal auch 63 Prozent mehr Zeit, um individuell auf die Patienten einzugehen, wie die Umfrage bestätigt. Rund zwei Drittel (65 Prozent) der Menschen in Deutschland wünschen sich aber mehr Tempo beim Ausbau digitaler Gesundheitsangebote.

Hygienetrend Videosprechstunde

Die Nachfrage nach Video-Sprechstunden ist 2020 dank der Pandemie stark gestiegen. 13 Prozent der Teilnehmer haben Video-Sprechstunden schon genutzt – im Vergleich zur Digital Health Umfrage 2019 eine Steigerung von 8 Prozent. Dabei liegen die Vorteile auf der Hand: Beide Parteien werden vor einer Ansteckung geschützt. Das „Freischaufeln“ des Arbeitsalltags für einen Arzttermin auf Patientenseite wird aufgrund der entfallenden Fahrt- und Wartezeiten geringer.

Laut Umfrage war die Sorge vor einer Corona-Infektion beim Arzt bei 85 Prozent der Befragten der Hauptgrund für die Videocalls. 54 Prozent nutzten Sie, um schnellstmöglich einen medizinischen Rat zu erhalten.

Auch die Resonanz auf den digitalen Arztbesuch fiel größtenteils positiv aus: 45 Prozent fanden das Erlebnis sehr gut, 42 Prozent gut. 91 Prozent aller Befragten würden die Nutzung einer Video-Sprechstunde Ihren Familien und Freunden empfehlen.

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Digitale Sprechstunden könnten laut den Deutschen zur neuen Normalität werden. Quelle: iStock / RLT Images

Apps auf Rezept für die breite Masse?

Drei Viertel der Befragten nutzen frei verfügbare Gesundheits-Apps bereits, um Sportübungen zu Hause zu machen (38 Prozent) oder zum Beispiel Ihre Körperdaten aufzuzeichnen (32 Prozent).  Kein weiter Weg für die Gesundheitsbranche, um dem Patienten Apps auf Rezept näher zu bringen.

Das Prinzip ist einfach: Patienten können nach Beurteilung der Symptome, beziehungsweise des Gesundheitsstandes, vom Arzt eine App als Teil der Therapie verschrieben bekommen. Die Einsatzmöglichkeiten sind hoch – von Diabetes-Tagebücher, Unterstützung bei psychischen Erkrankungen bis zu Apps für Rückenübungen ist alles denkbar. Diese Apps sollen außerdem gesetzlich erlaubt werden, wie Bundesgesundheitsminister Spahn betont.

Fast 6 von 10 Umfrageteilnehmer können sich gut vorstellen, solche Apps zu nutzen. Fast jeder Dritte (30 Prozent) ist der Meinung, dass manche Apps künftig konventionelle Therapien ersetzen können.

Viele fühlen sich aber durch Gesundheits-Apps auch unter Druck gesetzt (18 Prozent) oder können sich nicht vorstellen, die konventionellen Methoden einfach durch die Apps zu ersetzen. Starten werden die Apps auf Rezept voraussichtlich 2022.

Automatisierung durch Künstliche Intelligenz

Auch die Automatisierungsmöglichkeiten machen vor der Medizinbranche keinen Halt: Künstliche Intelligenz (KI) könnte bald eine Zweitmeinung zu Röntgen- und CT Bildern abgeben, Tumore als solche identifizieren oder Therapien individuell nach Erfahrungswerten und Fortschritt des Patienten anpassen. Die Einsatzmöglichkeiten können sich auch 44 Prozent der Befragten vorstellen: Sie würden sich regelmäßig eine Zweitmeinung über die KI einholen. 64 Prozent sind der Meinung, Ärzte haben durch die KI-Prüfung der Diagnose grundsätzlich mehr Zeit für ihre Patienten.

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Künstliche Intelligenz könnte zukünftig die Diagnose der Ärzte bestärken. Quelle: iStock / elenabs

89 Prozent würden unabhängig von der KI-Leistungsfähigkeit immer die Diagnose durch einen Menschen bevorzugen. Die KI wird anfangs also eher als Absicherung- und Bestätigungstool zum Einsatz kommen.

„KI kann den Arzt von Routineaufgaben entlasten – und mithilfe von Big Data verbesserte Diagnosen liefern. KI hat einen großen Einfluss darauf, wie medizinische Behandlung in Zukunft aussehen wird. Dabei geht es nicht nur um die Diagnose, sondern auch um Forschung und Entwicklung, um Behandlung und Heilung, wovon Millionen Patienten profitieren werden“, betont Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

Grundstein Elektronische Patientenakte

Die elektronische Patientenakte, kurz ePa, die Anfang 2021 für alle Bürger in Deutschland startet, wurde ebenfalls in der Umfrage behandelt. 73 Prozent aller Befragten können sich vorstellen, diese Patientenakte auch zu nutzen. Grundvoraussetzung für 64 Prozent der potenziellen Nutzer ist aber, dass die Datenhoheit beim Versicherten liegt. Dadurch kann der Nutzer selbst bestimmen, ob und welche Daten in der elektronischen Akte gespeichert sind und wer die Daten einsehen darf.

Die elektronische Patientenakte ist ein großer Schritt in die Zukunft. Ärzte und das medizinische Personal können die Patienten schneller behandeln, da alle wichtigen Daten im Notfall sofort zur Verfügung stehen. Vorerkrankungen, Blutwerte oder bisherige Behandlungsmethoden in der Akte schließen dadurch eine Doppelbehandlung oder Risiken aus.

Die Akte setzt aber auch höchste Security-Standards voraus. Das sehen auch 63 Prozent der Umfrageteilnehmer so, die Datenschutz und Datensicherheit als Anforderung an die Akte stellen. Außerdem sprechen sich 42 Prozent für eine Datenspeicherung in Deutschland aus.

Erfahren Sie hier mehr über die elektronische Patientenakte:

Quelle Titelbild: iStock / metamorworks

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