23.07.2020

Die Blockchain-Technologie hat ihre Leistungsfähigkeit bei Finanzdienstleistungen eindrucksvoll gezeigt. Auch in Human Resources (HR) gibt es vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Welche Vorteile Blockchain auch für Personaler aufweist und wie die Einsatzmöglichkeiten aussehen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Stellen Sie eine Technologie vor, die alle Unternehmen, Anbieter, Personen, Aktivitäten und Kommunikationen nahtlos miteinander verbindet. Die Möglichkeiten dieser Technologie wären fast unbegrenzt.

Transaktionen können so validiert und fälschungssicher auf Gültigkeit überprüft werden. Damit kann Blockchain künftig in vielfältiger Weise die Personalarbeit erleichtern. Bisher gibt es allerdings nur wenige echte Erfahrungen. Blockchain in der HR befindet sich noch in der Experimentierphase, die Möglichkeiten sind aber verlockend – dazu gleich mehr.

Vielversprechende Szenarien:

1. Verifizierung von Daten

Die Analysten von Gartner sehen etliche Einsatzmöglichkeiten in der Personalarbeit. Da ist zunächst das Problem, dass Unternehmen immer wieder auf Hochstapler und Betrüger hereinfallen, die Qualifikationen vorspiegeln, die sie gar nicht besitzen. Im Extremfall gefährdet dies sogar Menschenleben, wenn Personen ohne jede medizinische Ausbildung Operationen durchführen.

Die Blockchain kann dieses Problem effektiv angehen, durch eine unparteiische Überprüfung des Hintergrunds und der Beschäftigungsgeschichte eines Bewerbers.

Potenzielle Arbeitgeber, die diese Blockchain anzapfen, eliminieren das Risiko betrügerischer Bewerbungen
Keine Angst mehr vor betrügerischen Bewerbungen. Quelle: iStock / onurdongel.

In einem verteilten Blockchain-Netzwerk können virtuelle Berechtigungsnachweise (Tokenisierung der Identität) eine unveränderliche Aufzeichnung der Arbeitsgeschichte liefern.

Potenzielle Arbeitgeber, die diese Blockchain anzapfen, eliminieren das Risiko betrügerischer Bewerbungen. Für dieses Anwendungsfeld gibt es allerdings in Deutschland ein hohes Konfliktpotenzial beim Thema Datenschutz, denn bereits eine Recherche über den Bewerber im laufenden Bewerbungsprozess kann schon zu einem Verstoß gegen die Datenschutzrichtlinien bedeuten.

Dies gilt nämlich als Datenerhebung im Sinne des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG).

2. Mitarbeiter-Daten

Ein weiteres Szenario ist die Datensicherheit und der Datenzugriff der Mitarbeiter. Arbeitgeber haben Zugang zu riesigen Mengen privater Informationen über Mitarbeiter. In einer Blockchain können die Daten verschlüsselt und unveränderlich aufgezeichnet werden – besonders wichtig für private Aufzeichnungen, die sich beispielsweise auf die Leistungsgeschichte beziehen. Diese Aufzeichnungen können aber auch, wenn nötig, in tokenisierter Form an Personen weitergegeben werden, die eine verifizierte Erlaubnis erhalten haben, diese Daten einzusehen. Aber auch hier wird ein solches Verfahren noch kaum mit dem deutschen Datenschutzrecht in Einklang zu bringen sein.

3. Blockchain und Datenschutz Hand in Hand

Hierzulande eher machbar sind intelligente Verträge für die Vertrags- oder Zeitarbeitskräfte, die durchsetzbare und unveränderliche Rechte und Pflichten für alle Teilnehmer festlegt. Unveränderliche Verträge in der Personalabteilung können z.B. automatisch Zahlungen aus dem Treuhandkonto freigeben, sobald die Mitarbeiter die ihnen zugewiesenen Aufgaben erledigt haben, was das Einkommen der Mitarbeiter und den Cashflow der Unternehmen glättet.

Schließlich gibt es auch Anwendungsmöglichkeiten, die die Durchsetzung von Compliance und datenschutzrechtlichen Vorschriften sogar erleichtern. Arbeitnehmer können ihr „Recht, vergessen zu werden“, das ihnen durch die Datenschutzverordnung (DSGVO) gewährt wird, allein dadurch durchsetzen, dass sie den Verschlüsselungsschlüssel löschen und die persönlich identifizierbaren Informationen nicht wiederherstellbar machen. Mit der Verschärfung der Gesetzgebung wird die Personalabteilung in der Lage sein, eine Blockchain zu verwenden, um sicherzustellen, dass die Mitarbeiter die Kontrolle über ihre eigenen Daten haben.

4. Sichere Zahlungen

Das bisher wichtigste Element für den Blockchain-Einsatz sind Bezahlung und Leistungen. Transaktionen, die verschlüsselt und als unveränderliche Daten in der Blockchain gespeichert werden, sind zuverlässiger und ermöglichen eine rationalisierte Prüfung und Compliance-Berichterstattung. Die Zahlungsempfänger werden bei der Abwicklung von Zahlungen nicht mehr von Zwischenhändlern wie Banken abhängig sein.

Verschlüsselte Transaktionen durch Blockchain
Verschlüsselte Transaktionen, die in der Blockchain gespeichert werden, sind zuverlässiger. Quelle: iStock / FG Trade.

Es gibt bereits Blockchain-Lösungen, die Echtzeit-Zahlungen an vorübergehend Beschäftigte, wie z.B. Mitarbeiter der Gig-Economy, die häufig kleine und kurzfristige Aufträge als Selbstständige oder Freiberufler erhalten, erleichtern. Dabei sind keine Lohnaggregatoren und keine Banken mehr erforderlich. Aber das ist noch nicht der volle Umfang der Vorteile für die Personalabteilung oder die Arbeitnehmer; diese Innovationen erweitern potenziell den Zugang zu Talenten.

Die Verwaltung der Lohn- und Gehaltsabrechnung ist bisher der sinnvollste Anwendungsfall für eine Blockchain in der Personalabteilung. Schlüsseltransaktionen werden verschlüsselt und als unveränderliche Daten in der Blockchain gespeichert. Die Lohn- und Gehaltsabrechnungsdaten sind hash-geschützt und verwenden eine Anbieter-Schlüsselverwaltung, die die zur Generierung eines Schlüssels erforderlichen Informationen und nicht den Schlüssel selbst speichert (so dass es nicht möglich ist, einen Schlüssel mit einer einzigen Komponente abzurufen).

Potenzial muss weiterentwickelt werden

Auch wenn im Personalwesen der persönliche Kontakt ein wichtiger Faktor ist, setzen Recruitment-Abteilungen und Personaldienstleister aktuell verstärkt auf die Digitalisierung. Es bleibt festzuhalten, dass Blockchain als technologischer „Enabler“ Prozesse schneller, kostengünstiger und einfacher abwickeln kann, trotzdem stößt es noch auf wenig Gegenliebe der Arbeitnehmer. Gerade die mitteleuropäischen Länder sind noch zu konservativ eingestellt – und ein Start mit Blockchain im Personalmanagement rückt in weite Ferne. Sicherlich sind die Einsatzmöglichkeiten vielseitig und vielsprechend – aber aktuell ist diese Innovation für viele Unternehmen noch Zukunftsmusik.

 

Quelle Titelbild: iStock / vittaya25

Diesen Beitrag teilen:

Weitere Beiträge

15.03.2026

Digital Due Diligence: Warum M&A-Deals an der IT scheitern

Alexander Roth

Das Wichtigste in Kuerze 70% aller M&A-Deals erreichen ihre Wertschoepfungsziele nicht -- technologische ...

Zum Beitrag
12.03.2026

CIO-Agenda 2026: Zwischen Kostendruck und Innovationspflicht

Alexander Roth

Das Wichtigste in Kürze Budget-Paradox 2026: IT-Budgets wachsen nur 3,5 Prozent (real ein Rückgang) ...

Zum Beitrag
08.03.2026

Digitaler Verwaltungsrat: Warum Board-Kompetenz in Technologie überlebenswichtig wird

Benedikt Langer

Das Wichtigste in Kürze Nur 12 Prozent der Aufsichtsräte in DAX-Unternehmen verfügen über nachweisbare ...

Zum Beitrag
04.03.2026

EU AI Act 2026: Was Unternehmen jetzt umsetzen müssen

Benedikt Langer

Das Wichtigste in Kürze Seit Februar 2025 gelten die ersten Verbote des AI Act — ab August 2025 ...

Zum Beitrag
24.02.2026

Gemini 3.1 Pro: Googles strategische Wette auf reine Intelligenz

Tobias Massow

6 Min. Lesezeit Lesezeit: 6 Min. Google veröffentlicht ein KI-Modell, das auf 13 von 16 Benchmarks führend ...

Zum Beitrag
22.02.2026

149.000 offene IT-Stellen: Wie CIOs KI-Copiloten als Fachkräftersatz nutzen

Tobias Massow

⏱ 7 Min. Lesezeit 149.000 offene IT-Stellen in Deutschland – und der Markt gibt nicht genug Fachkräfte ...

Zum Beitrag