5G-Nationen im internationalen Vergleich

5G: Wie weit ist Deutschland im internationalen Vergleich?

Auch wenn das deutsche 4G-Netz teils noch riesige Funklöcher hat und das 5G-Netz erst im Aufbau ist, kann sich die Bundesrepublik bei der Nutzung und Geschwindigkeit des neuen Mobilfunkstandards laut einer Studie zu den zwölf 5G-Nationen zählen.

Vom Ziel der Bundesregierung, sich an die mobile Weltspitze zu setzen, ist Deutschland noch etwas entfernt. Christian Rusche vom Institut der Deutschen Wirtschaft äußert sich Capital zufolge auch skeptisch, dass die Mobilfunkbetreiber ihr Versprechen halten können, bis Dezember 2020 zwei Drittel aller Deutschen mit 5G vernetzen zu können. Aber so schlecht steht die Bundesrepublik international gar nicht da, was den 4G- und den 5G-Ausbau angeht.

Zumindest gehört die Bundesrepublik laut teltarif.de und einer Studie des Netz-Marktforschungsunternehmens Opensignal auf Basis verschiedener Kriterien schon zu den zwölf führenden 5G-Nationen oder -Regionen.

Zur Frage, wie lange 5G-Nutzer tatsächlich mit 5G verbunden waren, ergab sich der Opensignal-Studie nach folgendes Ranking:

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Deutschland steht auf dem 8. Platz beim Thema 5G-Verfügbarkeit. Quelle: Opensignal

Die Spitzenplätze nehmen Saudi-Arabien und Kuwait ein, gefolgt von Hongkong, Südkorea, USA, Taiwan und den Niederlanden. Deutschland war zumindest Mitte des Jahres mit 10,3 Prozent 5G-Verfügbarkeit immerhin noch auf Platz 8. Dahinter reihen sich Kanada, Australien und die Schweiz sowie Großbritannien beziehungsweise UK ein. In den ersten vier der genannten Länder oder Regionen lag die 5G-Verfügbarkeit für die 5G-Nutzer schon bei über 20 Prozent, in UK nur bei 4,5 Prozent.

In einem aktuelleren Oktober-Benchmarking von Opensignal mit nunmehr 15 Ländern an der 5G-Weltspitze stehen Spanien und Italien mit 4,0 und 3,1 Prozent 5G-Verfügbarkeit ganz hinten auf der Liste. Deutschland fällt da allerdings mit 8,7 Prozent Verfügbarkeit hinter der Schweiz und Australien vor Kanada auf Platz 11 zurück:

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Im Oktober mit nunmehr 15 statt 12 Ländern fällt Deutschland bei der 5G-Verfügbarkeit für die 5G-Nutzer auf Platz 11 zurück. Quelle: Opensignal

Die Spitzenreiter sind in Nah- und Fernost

Aber zurück zu der Studie von Mitte 2020. Zuvor haben die Mobile-Analysten laut teltarif.de immer wieder den Finger auf die Wunde gelegt, dass die Deutsche Telekom als einstiger Monopolist versorgungstechnisch immer noch seinen Vorsprung gegen die Konkurrenz verteidigen konnte. Bei dem auch für 5G wichtigen 4G-Ausbau gehörte Deutschland von Mai bis August 2020 nach Saudi-Arabien mit 86,1 Prozent Verfügbarkeit denn auch immer noch zu den Schlusslichtern. An der Spitze waren hier Südkorea, die USA und die Niederlande mit jeweils über 95 Prozent 4G-Verfügbarkeit, gefolgt von Taiwan, Australien und die Schweiz mit jeweils über 92 Prozent.

Geschwindigkeit geht zu Lasten der Reichweite

Was die Download-Geschwindigkeit für 5G-Nutzer im 4G- und 5G-Netz anbetrifft, war Deutschland zur Jahresmitte mit im Schnitt 44,7 Mbit/s auf Platz 9, vor Kuwait, den USA und UK mit im Schnitt nur 32,6 Mbit/s. Spitzenreiter ist auch hier mit 144,5 Mbit/s Saudi-Arabien, gefolgt von Kanada, Südkorea, Taiwan und den Niederlanden mit 69,9 Mbit/s.

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Bei den Download-Geschwindigkeiten im 4G- und 5G-Netz für 5G-Nutzer war Deutschland zur Jahresmitte nur auf Platz 9. Quelle: OpenSignal

Im neuen Oktober-Benchmarking hat Opensignal die 5G- gegenüber den 4G-Geschwindigkeiten verglichen. Deutschland ist da mit einer 3,4-fachen 5G-Geschwindigkeit (107 zu 3,7 Mbps) erst auf Platz 13. In Italien und Spanien liegen mit der 5,9-fachen und der 7-fachen Download-Geschwindigkeit von 5G gegenüber 4G deutlich weiter vorn. Die Schlusslichter bilden hier die Niederlande und die USA mit nur 1,6-facher und 1,8-facher Geschwindigkeit. Allerdings ist in den Niederlanden die 4G-Geschwindigkeit bereits doppelt so hoch wie in den USA. Denn die dort genutzten geringeren Frequenzen in 4G- und 5G-Netzen bieten zwar hohe Reichweiten, aber weniger Leistung.

Schaut man sich die Zahlen von Statista an, gibt es bis dato die meisten 5G-Mobilfunkanschlüsse in Asien und Ozeanien. Das wird bis 2025 auch so bleiben, allerdings wird Europa dann immerhin sichtbar auf Platz 2 folgen.

Bei den reinen 5G-Download-Geschwindigkeiten mit durchschnittlich 102 Mbit/s ist Deutschland zwar erst auf Platz 10, im Vergleich zu den 50,9 Mbit/s in den USA können die sich aber noch sehen lassen. Ein Grund für die geringen 5G-Down-Loadgeschwindigkeiten im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist laut teltarif.de die Popularität des Niedrigbandspektrums – 600 MHz von T-Mobile und 850 MHz von AT&T etwa.

Denn dieses bietet wie gesagt eine ausgezeichnete Verfügbarkeit und Reichweite, aber lange nicht die Geschwindigkeiten im 3,5- oder 3,6-GHz-Spektrum, wie es die meisten anderen Länder jenseits der USA verwenden. Der auf mmWave basierende 5G-Dienst von Verizon im 26-GHz-Band ist dagegen mit 494,7 Mbit/s deutlich schneller und hebt den US-Schnitt. In Europa ist der 26-GHz-Frequenzbereich noch gar nicht verfügbar, zumal hierfür wegen der extrem geringen Reichweite noch wesentlich mehr Antennen nötig wären.

An der Spitze waren Mitte 2020 bei den reinen 5G-Download-Geschwindigkeiten abermals Saudi-Arabien und Südkorea mit 414,2 respektive 312,7 Mbit/s. Besser stand Deutschland in dem August-Benchmarking von Opensignal bei den 4G-Download-Geschwindigkeiten da. Hier reichte es nämlich mit durchschnittlich 57,4 für den 3. Platz – hinter Südkorea und Kanada, während 5G-Spitzenreiter Saudi-Arabien hierbei nach Kuwait, Hongkong und UK weit abgeschlagen war. Der Vergleich zeigt aber auch, dass der Migrationsdruck in Deutschland vielleicht weniger groß ist als in den anderen genannten Ländern.

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Bei der Download-Geschwindigkeit liegt Deutschland auf Platz 12. Quelle: Opensignal

Soweit die Studien von Opensignal. Wie der eingangs genannte Capital-Artikel feststellt, ist 5G in Deutschland, selbst dort, wo es bereits vermarktet wird, oft noch lange nicht verfügbar. Ländliche Regionen und weite Flächen sind, so vorhanden, weiterhin auf Highspeed-Leitungen angewiesen. „Hier können sich die Leute wahrscheinlich freuen, wenn sie ein bisschen mehr Power als den LTE-Standard, den Vorgänger von 5G, bekommen“, zitiert das Wirtschaftsblatt Rusche, Experte für industrielle Organisation bei dem Institut der Deutschen Wirtschaft.

Erste Abmahnung gegen Betreiber

Für mehr Netzabdeckung versuche man den Bereich der niedrigeren Frequenzen von 700 MHz und 2 GHz auszubauen, die längere Reichweiten versprechen. Kehrseite niedrigerer Frequenzen sind aber weniger hohe Datendurchsatz-Geschwindigkeiten wie im 3,6-GHz-Frequenzband, das man sich auch im Hinterland wünsche, so Rusche. Aufgrund der Tatsache, dass viele Menschen noch kein 5G-Handy haben, mache sich das Problem derzeit noch nicht bemerkbar.

Aber vom Ziel und von der Auflage der Bundesnetzagentur, fast alle Haushalte mit mindestens 50 Mbit/s pro Antennensektor zu versorgen, sind die großen Netzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefónica noch etwas entfernt. Dabei könnte 4G schon 300 Mbit/s liefern.

Die Telekom hat bis Mitte 2020 immerhin knapp die Hälfte der deutschen Bevölkerung ans 5G-Netz angeschlossen und prahlte auf Twitter „Der Funk ist übergesprungen“. In mehr als 3.000 Städten und Gemeinden, darunter auch entlegenere wie Lampertswalde in Sachsen, könnten rund 40 Millionen Menschen schon mit 5G dabei sein. Das nächste erklärte Ziel des Rosa Riesen bis Jahresende sind zwei Drittel der Bevölkerung. Technikchef Walter Goldenits zufolge müssten bis dahin aber 40.000 Antennen da sein. In wenigen Wochen habe man immerhin 18.000 Antennen aufgestellt, um damit ein „Ausrufezeichen“ zu setzen.

Vodafone will bis Ende 2020 rund 10 Millionen Menschen in Deutschland mit dem superschnellen neuen Mobilfunkstandard erreichen und versucht dabei laut Rusche viel über das eigene Kabelnetz zu lösen. Die spanische o2-Mutter Telefónica hinkt etwas hinterher und konnte laut Capital bisher nur in drei Bundesländern seine „Pflicht“ erfüllen, weshalb ihm von der Bundesnetzagentur schon mit einer Geldstrafe von 600.000 Euro gedroht wurde.

Kritiker sehen weiterhin Flickenteppich

Während Telefónica Bauverzögerungen durch Corona für die Versäumnisse verantwortlich macht, meint IW-Industrieexperte Rusche, dass es auch an den hohen Bandbreiten im 3,5-GHz-Netz liege, die das Unternehmen anbiete. Denn je höher die Bandbreite, desto geringer die Reichweite, desto mehr Antennen sind nötig, um größere Flächen zu erreichen.  1&1 Drillisch ist als Newcomer noch ganz weit abgeschlagen.

Kritiker des 5G-Vergabeverfahrens in der ersten Jahreshälfte von 2019 sagen, dass Deutschland schon viel weiter wäre, hätte die Bundesnetzagentur dieses mit der Auflage verknüpft, dass die Betreiber verpflichtet wären, sich die Netzinfrastruktur zu teilen. Ein solches National Roaming hätte auch helfen können, den 3G- und 4G-Flickenteppich und die vielen Funklöcher zu stopfen. Denkt man an 5G-Ziele wie flächendeckendes autonomes Fahren wäre es verheerend, wenn plötzlich das Netz ausfällt. Zur Vernetzung von Maschinen können Unternehmen Rusche zufolge mit dem Erwerb von Frequenzen eigene Netze aufbauen. Bis der Otto-Normal-Verbraucher über 5G Netflix in HD sehen könne, werde es wohl noch bis 2025 dauern, so der IW-Experte.

Quelle: iStock / erhui1979

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