CES 2023: Für einige B2B-Überraschungen gut

Die CES in Las Vegas ist dem Namen nach die größte Computer Show der Welt, bringt aber traditionell auch so manche B2B-Neuerungen ans Licht, so auch im Januar 2023, zum Beispiel im Bereich Automotive bis hin zu zig Tonnen schweren autonom fahrenden Lastern.

Die CES, ausgeschrieben Consumer Electronics Show, feierte 2022 ihr 55-jähriges Bestehen. Schaut man sich die Produktneuheiten der letzten 40 Jahre an, die dort bis 1998 noch an wechselnden Orten vorgestellt wurden, springen einem so manche Vorläufer moderner Computertechnik ins Auge, darunter 1977 die legendäre Videospielkonsole Atari VSC mit Wechselspeichermedium, 1979 der von Bill Gates persönlich vorgestellte Basic Compiler für Apple II, dann 1982 der erste Commodore 64, 2006 Windows Vista, 20214 und 15 schließlich die ersten Ansätze für autonomes Fahren.

Bosch kündigt Milliardeninvestitionen für Halbleiter an

Die Automobilindustrie und Zulieferer haben auch im Januar 2023 wieder der CES ihren eigenen Stempel aufgedrückt. So hat die frisch ernannte neue Digitalchefin und Bosch-Geschäftsführerin Tanja Rückert auf der Leitmesse in Las Vegas eine Investition von drei Milliarden Dollar für den Ausbau des Halbleitergeschäfts in Dresden und Reutlingen angekündigt. Die Mittel sollen vor allem in die Entwicklung und Fertigung von Sensoren für die Automobilindustrie fließen. Dr. Rückert stellte in Las Vegas aber auch verbesserte, kleinere Sensoren für die Partikelmessung vor, um zum Beispiel auch via Smartphone oder Fitnesstracker die Luftqualität in den Städten ermitteln zu können. Bosch ist dem Handelsblatt nach neben Denso der einzige große Automobilzulieferer, der Halbleiter selbst fertig, und das schon seit 50 Jahren.

Jedes zweite Smartphone soll auch schon eine Sensor von Bosch verbaut haben. Wie das Handelsblatt die ehemalige SAP-Managerin Rückert zitiert, habe Bosch in den letzten fünf Jahren so viele MEMS-Sensoren produziert wie zuvor seit dem Produktstart 1995. Seitdem hat der deutsche Technologiekonzern mehr als 18 Milliarden MEMS- oder Mikrosystem-Sensoren hergestellt, wovon jedes moderne Auto im Schnitt 22 verbaut hat. Hoffnungen verbindet Bosch unter anderem mit neuartigen Quantensensoren, die tausendmal präziser sind als die vom Typ MEMS und theoretisch auch Hirnströme messen können. Konzernchef Stefan Harting, der seit einem Jahr an der Spitze von Bosch ist, will in den kommenden drei Jahren rund 10 Milliarden Euro in die digitale Transformation von Bosch stecken.

Wo B2C aufhört und B2B anfängt

Bei Autos kann man sich natürlich streiten, wo B2C aufhört und B2B anfängt. Der ADAC hat frisch von der CES 2023 auch eine Reihe von Kfz-Neuheiten aufgeschnappt, wobei der fahrerlose Caterpillar Cat 777 Truck, der bis zu 100 Tonnen Nutzlast fasst, ganz klar den B2B-Reigen anführt. Der Zulieferer Continental bewegte sich auf der CES Anfang Januar unter anderem mit Lidar-Sensoren für den Fernbereich zwischen beiden Welten. Die Benteler Group hat mit dem Holon einen „People Mover“ beziehungsweise Shuttlebus vorgestellt, der ohne Fahrer bis zu 60 km/h auf die Piste bringt.

Forvia, ein Kunstname aus Hella und Faurecia, nutzte die Consumer Show, um ein neues Wasserstoff-Speichersystem mit bis zu 40 Prozent mehr H2-Kapazität vorzustellen. Dabei ist Wasserstoff eher im B2B-Segment zu verorten, obwohl Hyundai und Toyota seit geraumer Zeit schon entsprechende Pkw im Programm haben.

Mercedes-Benz hat unter anderem ein Spurwechselsystem für autonomes Fahren auf der Autobahn und Pläne präsentiert, bis Ende des Jahrzehnts über 10.000 Power-Charger in Europa, Nordamerika, China und anderen Ländern aufzustellen.

Das amerikanische E-Magazin DirectIndustry hat zehn B2B-Neuheiten auf der CES 2023 ausfindig gemacht. Das fängt an mit einem Roboter der französischen Firma Acwa (nomen est omen), der Wasserlecks aufspüren kann. Ebenfalls französisch ist eine Plug-and-Play-Softwarelösung mit räumlicher 3D-Intelligenz von Exwayz, die in der Lage sein soll, 100 Millionen autonome Roboter zu  steuern.

Halodi klingt nach Hallodri und nicht gerade vertrauenswürdig, ist aber mit der Zusatz Robotics ein norwegisches Unternehmen, das sich auf humanoide Helfer spezialisiert hat und damit unter anderem Logistik und den Krankenhausbetrieb erleichtern will.

In eine ähnliche und doch andere Richtung gehen die Exoskeletons (Außenskeletts) der deutschen Firma German Bionic mit einer CrayX genannten Karbon-Montur, die in der Logistik das Anheben von schweren Sachen erleichtern und somit Rücken und Gelenke der Arbeitskräfte schonen soll.

Interessant ist auch eine OTFT oder Organic Thin Film Transistor Application Technology von CLAP aus Südkorea, die es als organische, biegsame Halbleiter und entsprechende Produkte zu entwickeln, zum Beispiel Fingerprint-Recognition-Systeme.

Tactigon aus Italien hat auf der CES einen mit KI ausgestatteten Motion Controller vorgestellt, der Robotern zum Beispiel bestimmte Bewegungen beibringen soll.

CEVA und der V2X-Spezialist Autotalks haben in Las Vegas unter anderem die welterste 5G-V2X-Lösung vorgestellt, um als Modem in Autos eingebaut zu ermöglichen, dass diese mit anderen Vehikeln und der Umgebung kommunizieren können. V2Xsteht schließlich für Vehicle-to-everything.

3D-Druckerlösungen waren auf der CES 2023 von Formlabs und Snapmaker zu sehen. Formlabs hat ein neues Ökosytem für seine Flotte von 3D-Druckern vorgestellt, Snapmaker aus China eine 3-in-1-Lösung aus 3D-Drucker, Laserschneide- und CNC-Fräsmaschine.

Waycen aus Südkorea war schließlich die erste auf KI im Gesundheitswesen spezialisierte Firma, die auf der CES 2023 gleich vier Innovation Awards abgeräumt hat. Zu den KI-gestützten Lösungen von Waycen gehören zum Beispiel die WAYMED Cough App für die Überprüfung der Lungenfunktion von Patienten und ein WAYMED EBUS genanntes System, das in Echtzeit endoskopische Bilder von möglichen böswilligen Mestatasen bei Lungenkrebs liefern kann.

Fazit: Soweit eine Reihe von B2B-Neuheiten von der CES 2023. Diese und andere zeigen, dass Consumer Electronics und B2B sich nicht ausschließen, sondern gegenseitig befruchten. Gleiches gilt ja auch umgekehrt. So hat die Raumfahrt auch Technologien angestoßen, die später zum Teil bei Media Markt und Co. oder gar als Consumer Gadgets unter dem Weihnachtsbaum landeten. Daher lohnt es sich, auch immer über den eigenen B2B- oder B2C-Tellerrand zu schauen. Schließlich sind alle Berufstätigen und Unternehmensverantwortlichen zugleich auch Consumer und geht viel von dem Druck, einfache Lösungen zu entwickeln, von ihnen aus. Das fing an mit Handy-Apps und reicht bis in die Höhen der heutigen Cloud. Daher ist die CES auch immer ein B2B-Anziehungspunkt.

Quelle Titelbild: Adobe Stock / Timon

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