Diversity

Diversität strahlt auch auf die digitale Kompetenz ab

Eine Studie zeigt, dass Unternehmen, die in ihren Teams auf Vielfalt setzen, digital kompetenter sind und Frauen in Führungspositionen sich dahingehend positiv auswirken. Der Mittelstand habe aber noch viel Nachholbedarf.

Eine Vorzeigemanagerin, die das Bild von der männerdominierten IT-Welt verändert hat, ist Vera Schneevoigt, Chief Digital Officer bei Bosch Building Technologies, der Sparte für Energie- und Gebäudetechnik der Bosch-Gruppe.

Gerade erst Anfang September 2020 hat SAP bekanntgegeben, dass Sabine Bendiek, die bisherige Deutschlandchefin von Microsoft Deutschland, Anfang 2021 neues Vorstandsmitglied wird. Die IT-Konzerne sind dahingehend seit jeher progressiver und haben auch vielfach gute Erfahrungen mit Frauen an der Spitze oder im Vorstand gemacht.

Männerdominiertes Deutschland

Das Ergebnis einer Studie der Global Digital Women (GDW) in Zusammenarbeit mit der Europa-Universität Flensburg stößt genau in die Richtung. Demnach werden Unternehmen mit vielen Frauen in Führungspositionen als digital kompetenter eingestuft.

Ganz objektiv ist die Studie freilich nicht, aber das war auch nicht gewollt, wie die GDW-Geschäftsführerin Tijen Onaran im Handelsblatt zitiert wird. Die Studie basiert auf einer Umfrage unter den fast 30.000 eigenen Netzwerkmitgliedern, die sich überwiegend aus digital affinen weiblichen Talenten und Führungskräften rekrutieren. Ziel der Studie war es laut Onaran, den Entwicklungsstand der Digitalisierung und die Ausgestaltung von Diversity-Dimensionen im Arbeitsumfeld weiblicher Talente zu ermitteln. Denn deutsche Unternehmen sind im internationalen Vergleich meist immer noch männerdominiert.

Bei der Allianz, die sich Vielfalt auf den Leib geschrieben hat, sind in der für den Inlandsmarkt zuständigen Allianz Deutschland AG immerhin drei von neun Vorständen Frauen, in der globalen Allianz SE sind es zwei von zehn und sechs Ausländer, so viele wie in kaum einem anderen Unternehmen. Das Beispiel ist aber auch abermals ein Beweis, dass unter den DAX-Konzernen mit 35,4 Prozent mehr als doppelte so viele ausländische wie weibliche Vorstände sind.

Riesenklüfte zwischen Wunsch und Realität

Zurück zur GDW-Studie. Diese ist zwar sehr frauenspezifisch, wie viele der Fragen und Antworten, aber die Ergebnisse zeigen auch, dass es den Teilnehmer*innen nicht nur um Frauenthemen geht. Gleichzeitig offenbaren sie aber auch, wie weit Wunsch und Realität auseinanderklaffen.

Diversität in Unternehmen verstärkt Digitale Kompetenz
75% der befragten Frauen wünschen sich mehr Förderung in Karriere-Angelegenheiten. Quelle: iStock / jacoblund.

Der Dimension ethnische Herkunft messen knapp 46 Prozent der Teilnehmer*innen eine hohe bis sehr hohe Bedeutung bei, aber nur ein Viertel von ihnen hat den Eindruck, dass ihr aktueller Arbeitgeber sich um eine ethnisch gemischte Belegschaft bemüht. Beim Geschlecht gehen Anspruch und Wirklichkeit mit 66 zu 29 Prozent sogar noch weiter auseinander, beim Alter ist die Kluft mit 44 zu 28 Prozent etwas schmaler, aber immer noch breit genug.

Maßnahmen zur Karriereförderung von Frauen wünschen sich 75 Prozent der Teilnehmer*innen, bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber erleben es aber nur 30 Prozent von ihnen. Einen hohen Anteil von Frauen in Führungsposition wünschen sich 44 Prozent, fast doppelt so viele wie die 23 Prozent, die das so erleben im Job.

Mehr Mitarbeiterinnen und Frauen in Führungspositionen, die in der Öffentlichkeit als Rolemodel (Vorbild) wahrgenommen werden, wünschen sich 33 Prozent der Teilnehmerinnen, selbst sehen 25 Prozent, dass das der Fall ist – der kleinste der genannten Unterschiede zwischen Wunsch und Wirklichkeit.

Fazit und Ausblick

Auch wenn für die GDW-Studie hauptsächlich Frauen befragt wurden, gibt es doch wie im Fall von Sabine Bendiek und Vera Schneevoigt doch auch in Deutschland immer wieder starke Frauen, welche die Digitalisierung vorantreiben.

Frauen als potenzielle Mütter nicht nach oben kommen zu lassen, ist angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels fatal. Und selbst wenn sie dann schwanger sind, gibt es heute dank Digitalisierung Wege, Beruf und Familie zu vereinbaren. Corona und der Massenaufbruch ins Homeoffice, den Axians als IT-Dienstleister vielfach begleitet hat, sprechen diesbezüglich Bände.

Es ist auch nicht gesagt, dass die junge Mutter in Elternzeit geht und sie auf „Sparflamme“ im Homeoffice weiterarbeitet. Ebenso kann es ja auch der Vater sein, der mit dem Kind oder den Kindern zu Hause bleibt. Das erfordert aber auch ein Umdenken in den Unternehmen und vielleicht auch ein anderes Verständnis von Vereinbarkeit von Beruf und Familie wie in Frankreich, dem Land der Axians-Muttergesellschaft VINCI Energies, einer Marke der VINCI S.A.

In Frankreich ist es selbstverständlich, dass Frauen sehr bald nach der Geburt wieder in den Beruf zurückkehren, weil die Kinderbetreuung staatlich geregelt ist. Die école maternelle genannte Vorschule ist kostenlos und seit 2018 für Kinder ab drei Jahren verpflichtend.

 

Quelle Titelbild: iStock / RyanKing999

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