Die IT entscheidet, ob der Spin-off sich auszahlt
Bernhard Liebl
7 Min. Lesezeit Continental und ThyssenKrupp haben 2025 binnen fünf Wochen Kerngeschäftsteile eigenständig ...
Die geplante Novelle des Energieeffizienzgesetzes lockert die PUE-Pflichten für Rechenzentren, statt sie zu verschärfen. Wer auf regulatorischen Druck als Auslöser für Energieeffizienz gewartet hat, wartet jetzt länger. Ein zentraler, von der Gesetzeslage unabhängiger Hebel bleibt eine Stromrechnung, die 2025 auf 21,3 Milliarden Kilowattstunden für Rechenzentren und kleinere IT-Installationen in Deutschland gestiegen ist.
Das Wichtigste in Kürze
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Was ist der PUE-Wert? Die Power Usage Effectiveness setzt den gesamten Stromverbrauch eines Rechenzentrums ins Verhältnis zum Verbrauch der eigentlichen IT-Hardware. Ein Wert von 1,0 wäre ideal und technisch nicht erreichbar, ein Wert von 1,46 bedeutet, dass fast die Hälfte des Stroms in Kühlung, Stromversorgung und Gebäudetechnik statt in Rechenleistung fließt. Der PUE-Wert ist deshalb die zentrale Steuerungsgröße, an der das Energieeffizienzgesetz ansetzt.
Was ändert sich beim Energieeffizienzgesetz konkret? Der Referentenentwurf des zuständigen Bundesministeriums zur EnEfG-Novelle vom 9. April 2026, später als Kabinettsentwurf bestätigt, weicht die 2023 beschlossenen Vorgaben auf. Für Bestandsrechenzentren steigt der maximal zulässige PUE-Wert von 1,5 auf 1,6 ab dem 1. Juli 2027 und von 1,3 auf 1,4 ab dem 1. Juli 2030, jeweils im Jahresdurchschnitt. Die Pflichten zur Abwärmenutzung werden abgeschwächt. Die Schwelle, ab der Unternehmen ein zertifiziertes Energiemanagementsystem betreiben müssen, steigt von durchschnittlich 7,5 auf 23,6 Gigawattstunden Jahresverbrauch. Ein neues, weniger strenges Band zwischen 2,77 und 23,6 Gigawattstunden verlangt nur noch ein Energieaudit statt eines vollständigen Managementsystems.
Bitkom und der Verband der Betreiber deutscher Rechenzentren hatten die ursprünglichen Vorgaben als Bürokratie- und Standortnachteil gegenüber den USA kritisiert. Die Novelle ist die politische Reaktion darauf. Für CIOs bedeutet das: Wer Energieeffizienz-Investitionen bislang mit einer nahenden Pflicht begründet hat, verliert dieses Argument gerade an Schärfe. Der Verbrauch selbst verliert dadurch keine Dynamik. Laut Bitkom-Studie, durchgeführt vom Borderstep Institut, stieg der Stromverbrauch von Rechenzentren und kleineren IT-Installationen in Deutschland 2025 auf 21,3 Milliarden Kilowattstunden, nach rund 20 Milliarden im Vorjahr. Haupttreiber sind Cloud-Auslastung, KI-Workloads und wachsende Edge-Kapazitäten. Der durchschnittliche PUE-Wert lag 2024 bei 1,46, moderne Colocation-Anlagen erreichen bereits 1,3.
Die Zahl, die den Zeitplan schlägt
21,3 Milliarden Kilowattstunden. So viel Strom verbrauchten deutsche Rechenzentren und kleinere IT-Installationen 2025 laut Bitkom und Borderstep Institut, mehr als eine Verdopplung seit 2010. Die Stromrechnung wächst schneller als jede Gesetzesnovelle sie regulieren kann.
Wer die eigene Investitionsplanung an Gesetzesfristen ausrichtet, verhandelt gerade mit einem bewegten Ziel. Der Verlauf zeigt, wie sehr sich die Rechtslage seit 2023 verschoben hat und weiter verschiebt:
Zwischen jedem dieser Punkte liegen Änderungsanträge, Verbändeanhörungen und Verschiebungen. Eine Investitionsentscheidung, die auf dem heutigen Stand einer noch nicht verabschiedeten Novelle aufbaut, steht in zwei Jahren möglicherweise auf einem anderen Fundament.
Wer den Verbrauch senken will, ohne auf die nächste Novelle zu warten, hat vier Ansatzpunkte, die sich unabhängig voneinander und ohne Berichtspflicht-Bezug umsetzen lassen.
Erstens, Workload-Platzierung nach Strommix. Cloud-Provider bieten inzwischen Werkzeuge, um Regionen nach CO2-Intensität des lokalen Strommix zu wählen und Lastspitzen in Zeiten mit hohem Anteil erneuerbarer Energien zu verschieben. Carbon-aware Scheduling senkt den Carbon-Footprint eines Clusters in Studien um bis zu 41 Prozent bei geringem Latenz-Nachteil, für Batch-Workloads ohne Echtzeit-Anforderung eine naheliegende Umstellung.
Zweitens, Chip-Wahl. ARM-basierte Prozessoren wie AWS Graviton verbrauchen laut Hersteller bis zu 60 Prozent weniger Energie als vergleichbare x86-Instanzen bei gleicher Rechenleistung, bei gleichzeitig niedrigeren Instanzkosten. SAP berichtet für HANA-Workloads auf Graviton einen um 45 Prozent geringeren Energieverbrauch. Der Umstieg betrifft nicht jede Anwendung gleichermaßen, für viele Cloud-native Workloads ist er inzwischen ein reiner Migrationsaufwand ohne funktionalen Umbau.
Drittens, Kühlungstechnik. Direct-Liquid-Cooling und Immersion Cooling senken den PUE-Wert moderner Anlagen auf 1,3 und darunter, gegenüber einem Bestandsdurchschnitt von 1,46. Wo Abwärme sich wirtschaftlich nutzen lässt, etwa in Nahwärmenetzen, verbessert das die Bilanz zusätzlich, ist aber an lokale Abnehmer gebunden und keine pauschale Option.
Viertens, Software-Effizienz. Green Coding, effizientere Algorithmen und ein bewusster Umgang mit Software Carbon Intensity als Messgröße reduzieren den Energieverbrauch einzelner Workloads je nach Ausgangslage um 10 bis deutlich über 50 Prozent, kombiniert mit den Hardware-Hebeln oft am wirksamsten.
Nicht jede Effizienzmaßnahme ist wirtschaftlich sinnvoll. Abwärmenutzung scheitert in der Praxis häufig an niedrigen Temperaturniveaus, die teure Wärmepumpen erfordern, deren Investitionskosten technischen Vergleichen zufolge um den Faktor fünf bis zehn höher liegen als bei konventioneller Gasheizung. Dazu kommen fehlende Abnehmer in unmittelbarer Nähe. Über die Hälfte der von Branchenverbänden befragten Betreiber nennt fehlende Wirtschaftlichkeit als Hauptgrund, warum Abwärme ungenutzt bleibt.
Auch strenge PUE-Zielwerte für Neubauten sind bei klassischer Umluftkühlung technisch anspruchsvoll und kapitalintensiv, ohne dass der Business-Nutzen proportional mitwächst. Und ein Einwand aus der Praxis wiegt schwer: Der eigentliche CO2-Hebel liegt häufig beim Strombezug selbst, also bei Ökostrom-Verträgen und PPAs, nicht bei marginalen PUE-Verbesserungen im Rechenzentrum. Wer knappes Kapital in eine 0,1-Punkte-PUE-Verbesserung steckt, statt in einen besseren Stromvertrag, optimiert womöglich am falschen Hebel.
Wirkt sofort, unabhängig von der Gesetzeslage
| Chip-Wahl (ARM statt x86) | Bis zu 60 % weniger Energie, planbarer Migrationsaufwand |
| Workload-Placement | Bis zu 41 % weniger Carbon-Footprint, kaum Latenz-Nachteil bei Batch-Jobs |
| Abwärmenutzung | Investition 5-10x höher als Gasheizung, oft unwirtschaftlich |
| PUE-Optimierung bei Umluftkühlung | Hoher Capex, Business-Nutzen wächst nicht proportional mit |
Erstens: Den eigenen Cloud- und Server-Bestand auf Chip-Architektur prüfen und für migrationsfähige Workloads einen ARM-Piloten aufsetzen, unabhängig vom aktuellen Stand der EnEfG-Novelle. Zweitens: Workload-Placement-Werkzeuge des eigenen Cloud-Providers aktivieren und für nicht-zeitkritische Batch-Prozesse Carbon-aware Scheduling testen, bevor eine Berichtspflicht das erzwingt. Drittens: Vor jeder Abwärme- oder PUE-Investition eine eigene Wirtschaftlichkeitsrechnung gegen die Alternative eines besseren Stromvertrags stellen, statt Vorgaben unreflektiert vorwegzunehmen, die im Gesetzgebungsverfahren noch in Bewegung sind.
Sie lockert die PUE-Obergrenzen für Bestandsrechenzentren, schwächt Abwärme-Vorgaben ab und hebt die Schwellen an, ab denen Unternehmen ein zertifiziertes Energiemanagementsystem betreiben müssen. Der Entwurf befindet sich im Gesetzgebungsverfahren und kann sich noch ändern.
Nach geltendem Recht ab durchschnittlich 7,5 Gigawattstunden Endenergieverbrauch über drei Jahre. Die Novelle sieht eine Anhebung auf 23,6 Gigawattstunden vor, mit einem neuen, weniger strengen Auditband zwischen 2,77 und 23,6 Gigawattstunden.
Für migrationsfähige Cloud-Workloads meist der Wechsel auf ARM-basierte Chip-Architekturen: bis zu 60 Prozent weniger Energieverbrauch bei vergleichbarer Leistung, ohne dass eine bauliche Investition nötig ist.
Nein. Ohne nahe Abnehmer und günstiges Temperaturniveau treiben Wärmepumpen-Investitionen die Kosten auf das Fünf- bis Zehnfache einer Gasheizung. Wirtschaftlich wird es meist nur mit passenden Rahmenbedingungen vor Ort.
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