13.12.2022
3 Min. Lesezeit

Die Reichweite von Elektroautos ist mittlerweile hoch, Batterien laden immer schneller. Doch jetzt bremsen die komplizierten und uneinheitlichen Zahlungsmethoden an den Ladesäulen die E-Mobilität in Europa aus, wie eine Studie belegt.

Lange Zeit haben Verbraucher:innen Elektroautos vor allem deswegen abgelehnt, da deren Reichweite zu kurz und die Ladezeit ihrer Batterien zu lange waren. Diese Herausforderung meistern viele Hersteller mittlerweile, zusätzlich erhöht der Ausbau der Ladeinfrastruktur die Attraktivität des Elektroautos. Das Problem dabei ist nun, dass es die Anbieter und Betreiber der Ladesäulen ihren eigenen Kunden schwer machen, ihre Dienste überhaupt in Anspruch zu nehmen und zu bezahlen.

Geschlossene Bezahlsysteme behindern die freie Fahrt

Denn eine aktuelle Studie des Marktforschers Kantar, die die Zahlen von 61 europäischen Ladesäulenbetreibern und ihren fast 30.000 Anlagen in 12 verschiedenen Ländern auswertet, zeigt, dass das spontane Tanken von Strom europaweit schwierig sein kann. 55 Betreiber verfügen demnach über ein geschlossenes System, also eine eigene App, eine Website oder Ladekarten, zum Bezahlen des Stroms an ihren Ladesäulen. Um hier die Ladung ihrer Batterie bezahlen zu können, müssen sich Verbraucher:innen zuerst anmelden und ihre Daten preisgeben. Das kann vor allem im Ausland problematisch sein, da viele Websites und Apps nur in der dortigen Landessprache, nicht aber auf Englisch verfügbar sind. Damit wird eine Reise mit dem eigenen Elektroauto über europäische Ländergrenzen hinweg zu einer echten Herausforderung.

Risikoreich und teuer

Zusätzlich verfügen geschlossene Systeme über Sicherheitsrisiken. So befinden sich auf den Ladesäulen von 32 Anbietern QR-Codes, die auf Websites weiterleiten, auf denen der Bezahlvorgang durchgeführt werden kann. Diese QR-Codes sind anfällig für Manipulationen. Kriminelle können eigene QR-Codes aufkleben und so Kunden auf gefälschte Websites umleiten und ihre Daten stehlen oder Zahlungen abfangen. In jedem Fall aber ist der erhöhte Aufwand für Nutzer:innen von Ladestationen, der sich durch geschlossene Bezahlsysteme ergibt, mindestens lästig und in vielen Fällen auch noch teuer.Denn teilweise liegt der Preis für den Strom an den Ladesäulen über dem Preis des für eine vergleichbare Strecke benötigten Benzins, allgemein schwanken die Preise zwischen den Anbietern aber erheblich und liegen deutlich über dem normalen Strompreis. Dadurch verliert E-Mobilität ihren Preisvorteil.

Eine Lösung ist nicht in Sicht

Diese Umstände belasten die Attraktivität von Elektroautos erheblich. Verbände wie der ADAC oder der Bundesverband der Electronic Cash Netzbetreiber setzen sich daher auf Bundes- wie europäischer Ebene dafür ein, die Zahlungsmethoden an Ladesäulen europaweit zu vereinheitlichen, etwa über gängige digitale Zahlungsmethoden wie PayPal, Apple oder Google Pay oder Karten-gestützte Optionen wie EC- oder Kreditkartenlesegeräte. Diese gibt es nur an sechs für die Studie untersuchten Ladesäulen – europaweit! Immerhin müssen Betreiber laut der neuen Ladesäulenverordnung mindestens eine der gängigen Zahlungsmethoden anbieten. Dies allerdings nur an ab dem 01. Juni 2023 erstmals in Betrieb gehenden Anlagen, bestehende Säulen müssen nicht nachgerüstet werden. Der europaweite Flickenteppich an den Ladesäulen für E-Autos bleibt damit bestehen.

Quelle Titelbild: Adobe Stock / OrthsMedien

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