Wie der Glasfaserausbau nach Gigabitstrategie vorankommt

Nachdem sich die Ampelregierung mit Verabschiedung der Gigabitstrategie am 13. Juli 2022 für schnellere Genehmigungsverfahren ausgesprochen hat, sind Ende Oktober bereits Fortschritte zu in Sicht, auch wenn einzelne Bundesländer diese noch nicht erkennen wollen.

Wie während der Coronakrise in TV-Berichten oft plakatiert, sind einige Landkreise und viele Haushalte in Deutschland immer noch abgehängt und können von Breitbandausbau nur träumen. Das soll sich nun ändern. Erstes Ziel der vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr beziehungsweise dem Ressortchef Volker Wissing vorgelegten Gigabitstrategie Mitte 2022 war es, bis Ende 2025 mindestens jeden zweiten Haushalt mit Glasfaseranbindung auszustatten. Im zweiten Schritt sollen überall da, wo Menschen leben, arbeiten und unterwegs sind, Glasfaser bis ins Haus und der neueste Mobilfunkstandard zur Verfügung sein. Bayern und Hessen geht das jedoch noch zu langsam und werfen dem Bund vor, Versprechen nicht einzuhalten und zu wenig Geld in die Gigabitstrategie zu stecken.

An Geld sollte es nicht mangeln

Dabei sollte eigentlich genug Geld vorhanden sein. So teilte es das BMVD mit, nachdem das Bundeskabinett am 13. Juli 2022 die vom ihm vorgelegte Strategie verabschiedet hat. Und dabei hat sich die Bundesregierung im Kern auch den Forderungen des Digitalverbands Bitkom und des Bundesverbands Breitbandkommunikation e.V. (BREKO) angeschlossen.

Quelle: Axians GA Netztechnik

Zu den zentralen Forderungen gehören Bürokratieabbau mit schnelleren Genehmigungsverfahren und „die Konzentration der Förderpolitik auf echte Bedarfsbereiche“, so Bitkom. 50 Milliarden will die Telekommunikationsbranche laut BMVD in den kommenden Jahren allein in den privatwirtschaftlichen Glasfaserausbau investieren.

Die Deutsche Telekom kam Stand Mai 2022 auf 3,6 Millionen FTTH-Anschlüsse und will bis 2030 allein 30 Milliarden Euro in den Ausbau investieren. Vodafone verfügt derweil mit dem Erwerb von Kabel Deutschland über das größte Gigabit-Netz in der Bundesrepublik. 24 Millionen Haushalte haben schon Zugang zu Downloadraten von 1Gbit/s. Zusammen mit dem Luxemburger Partner Altice will der britische Konzern Medienberichten von Oktober 2022 zufolge bis zu sieben Milliarden Euro in den Ausbau der Glasfasernetze in Deutschland investieren. Das Gemeinschaftsunternehmen FibreCo will dem Vernehmen nach im Frühjahr 2023 mit den Arbeiten beginnen. Außerdem verlegt Vodafone im großen Stil auch Glasfaserleitungen in Geschäftsräume und Wohnungen mit insgesamt 50.000 Unternehmens und 150.000 Haushaltsanschlüssen. Hinzu kommt eine Kooperation mit der Deutschen Telekom mit Vermarktung von deren FTTH-Anschlüssen unter dem eigenen Brand.

Glasfasernetze sind auch nachhaltiger

BREKO-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers hat in Digital Chiefs Ende Juni  2022 schon einige Einblicke gewährt, wie es um den Glasfaserausbau in Deutschland bestellt ist und wie der Stromverbrauch im Festnetzvergleich ist. Während TV-Kabelnetze etwa 641 Megawatt verbrauchen, sind es mit VDSL rund 350 MW, mit Glasfaser bis zum Haus (FTTP) 304 und bis zur Wohnung nur 114 beziehungsweise 154,4 MW. Angesichts des Klimawandels und der aktuellen Energiekrise sind das gute Argumente, auf Glasfaser umzusteigen – Stichwort Nachhaltigkeit. Mit der deutschlandweiten Glasfaserversorgung ließen sich gegenüber Kupfernetzen bis zu 1.100 MW Leistung pro Gigabit einsparen, so BREKO-Chef Albers.

Die Deutsche Telekom hat zwar technisch Vieles vorangebracht, die Entwicklung mit ihrer ISDN-Strategie aber auch jahrzehntelang ausgebremst, mit ein Grund, warum Deutschland beim Breitbandausbau vergleichsweise schlecht dasteht. Mittlerweile liegen die Anteile des ehemaligen Staatsmonopols im Bereich Breitbandausbau jedoch nur noch bei 25 Prozent. Der von Kritikern befürchtete „Flickenteppich“ von derzeit 280 Netzbetreibern erweist sich aus BREKO-Sicht heute eher als Stärke. Denn wie Albers schreibt, sind regionale Netze nicht zuletzt auch deutlich robuster in puncto Cybersicherheit.

BREKO war nach eigenem Bekunden immer schon der Meinung, dass regionale Glasfasernetze mehr Vorteile bringen als nur ein Netz und hat sich deshalb Albers zufolge stets dafür eingesetzt, den Wettbewerb zu fördern.

Die vom Bund geplanten Maßnahmen

Die zentralen Maßnahmen, die das BMVD und die Bundesregierung nun anstreben, sind wie folgt:

Mithilfe der Bundesländer, bis Ende 2022 Genehmigungsverfahren zu erleichtern und zu vereinheitlichen. Dazu gehören Freistellung der temporären Errichtung mobiler Masten v on Baugenehmigungen für die Dauer von 2 Jahren und Einrichtung beziehungsweise „Stärkung des Instruments der Rahmenzustimmung durch die Wegebaulastträger.

Quelle: Adobe Stock / Gerhard Seybert

Hinzu kommen neue Verlegetechniken in die Fläche zu bringen; mehr Transparenz durch ein sogenanntes Gigabit-Grundbuch; den Übergang von Kupfer- aus Glasfasernetze möglichst umwelt- und verbraucherfreundlich zu gestalten; die Optimierung der Festnetzförderung; eine bessere Mobilfunkversorgung auch an Bahnstrecken und anderen Verkehrswegen; und die Schaffung nachhaltiger, resilienter Netze.

Außerdem wolle sich die Bundesregierung auch dafür einsetzen, die „Innovationskraft Deutschlands mit Blick auf künftige Mobilfunklösungen zu fördern. Ein Teil der Strategie ist Open RAN oder O-RAN (Open Radio Access Network), um Deutschland unabhängiger von internationalen Unternehmen zu machen und schneller 6G einführen zu können. Andererseits „tüftelt“ Deutschland gerade mit Nokia am Aufbau eines 6G-Netzes. Konkret handelt es sich um ein vom Bundesforschungsministerium BMBF ins Leben gerufenes und finanziertes 3-Jahresprojekt namens 6G-ANNA (Kürzel für „6G-Access, Network of Net- works, Automation & Simplification“), um die Entwicklung und Einführung von 6G in Deutschland voranzutreiben. Der finnische Netzwerkausrüster Nokia fungiert dabei als „Verbundkoordinator“, aber an Bord sind auch andere Unternehmen wie Siemens, Ericsson und Vodafone.

Quelle Titelbild: Adobe Stock / Gundolf Renze

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