09.02.2023

Je knapper das Personal, desto stärker profitieren die Personaldienstleister. Das trifft vor allem auf die Vermittlung von IT-Fachkräften zu. Der permanente aber zugleich flexible Bedarf an Externen wird hier zum Strukturproblem und stellt IT Workforce Services ins Zentrum personeller Beschaffungsprozesse.

Trotz oder besser gesagt, gerade wegen einer krisengebeutelten Wirtschaft, haben Personaldienstleister, deren Expertise es ist, ausschließlich IT-Personal zu vermitteln, Hochkonjunktur. Und das aus nachvollziehbaren Gründen: Hochqualifizierte und erfahrene IT-Fachkräfte sind seit Jahren Mangelware und die Suche nach ihnen wird immer schwieriger. Dadurch steigt der Bedarf an systematischer Vermittlung. IT-Personaldienstleister werden verstärkt von Unternehmen beauftragt, die mit der Rekrutierung in Eigenregie auf Dauer wenig Erfolg haben und diese Tätigkeiten komplett an Spezialisten auslagern möchten. Sie wissen längst, dass sie ihre Belegschaft aufgrund konjunktureller Schwankungen sowie einer unsicheren wirtschaftlichen Situation permanent flexibel halten müssen.

Ihre externen Rekrutierungspartner erhalten dadurch in wirtschaftlich turbulenten Zeiten eine solide Planungssicherheit und Auftragslage. Das zeigt sich auch anhand der aktuellen Ergebnisse der neuen Lünendonk-Studie 2022 „Der Markt für IT Workforce Services in Deutschland“, die in diesem Jahr zum ersten Mal erschienen ist. Sie analysiert Personaldienstleister für IT-Services unabhängig von der Vertragsform und enthält ebenfalls die Perspektive der auftraggebenden Unternehmen.

Jede sechste IT-Fachkraft ist extern beschäftigt

Demnach resultierte der Löwenanteil der Jahresumsätze 2021 aus dem Geschäft mit der Vermittlung von IT-Freelancern (69 Prozent). Der Umsatzanteil mit Arbeitnehmerüberlassung liegt durchschnittlich hingegen bei 26 Prozent. Umsätze aus Personalvermittlung in Festanstellung belaufen sich lediglich auf 3,5 Prozent. Was sich sicherlich zum Teil damit begründen lässt, dass IT-Freiberufler schneller verfügbar sind und ihr Einsatz keine langen Planungsprozesse benötigt.  Mit der Vertragsform Arbeitnehmerüberlassung befinden sich Unternehmen hingegen rechtlich auf der sicheren Seite. Wogegen der rechtskonforme Einsatz von IT-Freiberuflern in der Arbeitspraxis nicht ganz trivial ist.

Nimmt man nun diesen Dreiklang aus unterschiedlichen externen IT-Kräften zusammen, stellt Lünendonk fest, dass insgesamt bereits 17,4 Prozent aller IT-Beschäftigten in Unternehmen entweder externe IT-Freelancer, Zeitarbeitskräfte oder Berater sind. Das wiederum füllt die Auftragsbücher der IT-Personaldienstleister, deren vermittelte IT Workforce im Jahr 2021 um durchschnittlich 14,3 Prozent gewachsen ist. Mit diesem Rückenwind wollen sie auch im laufenden Jahr 2022 nochmals eine Schippe drauflegen, und prognostizieren ein Umsatzplus zwischen 18 und 26 Prozent.

Die Kundenunternehmen planen zum Teil entsprechend erhöhte Projektbudgets für externes Personal. „Aufgrund der Fülle an externen IT-Fachkräften, die über das Jahr in ganz verschiedenen Projekten gebraucht werden, ist es vorteilhaft, den Einsatz der benötigten IT-Freelancer gemeinsam mit dem Personaldienstleister strategisch zu planen,“ meint Etengo Vorstand Alexander Raschke.

Die aufgeführten Wachstumsraten dürfen allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Vermittlungsprozesse an sich immer anstrengender werden, da es viel mehr Aufwand erfordert, permanent qualifizierte Experten zu beschaffen. Vor allem angesichts der Entwicklung der letzten Jahre, die die klare Trennung zwischen Personalvermittlung, Vermittlung von

it_workforce_vermittlungsprozesse_digital_chiefs
Vermittlungsprozesse werden immer anstrengender, da es viel mehr Aufwand erfordert, permanent qualifizierte Experten zu beschaffen (Quelle: Adobe stock / Arsenii).

Freelancern und Arbeitnehmerüberlassung immer durchlässiger werden ließ. Zwar bleiben IT-Freiberufler weiterhin vorherrschend und wichtig für die digitale Transformation in den Unternehmen, dennoch gewinnen auch andere Vertragsformen an Bedeutung.

Stärkste Nachfrage nach Softwareentwicklern

Neben den Vertragsformen werden auch die Ansprüche an die Qualifikationsprofile der Externen ausdifferenzierter. Immerhin ganze 72 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, die benötigten Qualifikationen nicht intern aufbauen zu können, sondern diese nahezu ausschließlich über externes Personal zu bekommen. Am häufigsten fragten sie nach externen IT-Fachkräften mit speziellen Softwarekompetenzen, wie Java, JavaScript, Python, C# oder PHP.  Mit diesen Fähigkeiten sollen technisch längst überholte Alt-Systeme modernisiert werden. Aber auch andere technologische Kompetenzen wie Qualifikationen im Bereich Big Data, Cloud Technologien oder Cyber-Security waren stark nachgefragt. „Wer seine IT-Prozesse mehr und mehr in die Cloud verlagert, kommt in der Konsequenz um eine starke Fokussierung von Cyber-Security nicht herum,“ so der Etengo Vorstand Alexander Raschke.

Cybersecurity-Experten haben die höchsten Stundensätze

Mindestens ebenso genau schauen Unternehmen und IT-Personaldienstleister selbst hin, wenn es um den Erfahrungshorizont des externen IT-Beraters geht. 68 Prozent sprechen sich für Senior Experts mit mindestens zehn Jahren Berufserfahrung aus. Insbesondere durch ihr strategisches Knowhow und ihre fachliche Expertise ist diese Personengruppe sehr gut vermittelbar und wird stark nachgefragt. Nach Angaben der Dienstleister spielt der Preis dabei eine untergeordnete Rolle.

Übrigens: Die höchsten Stundensätze erzielen IT-Fachkräfte mit hoher Qualifikation in den Bereichen IT-Auditierung und Cyber-Security. Wobei 69 Prozent der IT-Personaldienstleister angeben, dass diese Werte stark davon abhängen, ob ein Experte Onsite oder Remote arbeitet. Ein weiterer Aspekt, der bei den IT-Personaldienstleistern für gute Laune sorgen dürfte: Jedes fünfte Unternehmen stellt die digitale Transformation über Sparmaßnahmen.

it_workforce_stundensaetze_digital_chiefs
IT-Fachkräfte in den Bereichen IT-Auditierung und Cyber-Security erzielen die höchsten Stundensätze (Quelle: Adobe stock / Song_about_summer).

Das bedeutet die IT Workforce Services der IT-Personaldienstleister tragen ganz wesentlich zum Gelingen der digitalen Transformation in deutschen Unternehmen bei. Das zeigen ebenfalls die Umsätze der Anbieter, die sich trotz Krisenlage gut entwickelt haben.

Quelle Titelbild: Adobe Stock / Parradee

Diesen Beitrag teilen:

Weitere Beiträge

20.11.2025

Breite Datenallianz für den erfolgreichen KI-Einsatz in der deutschen Industrie

Redaktion Digital Chiefs

Der deutsche Tech-Konzern Siemens hat sich mit Maschinenbauunternehmen wie Trumpf und Heller zusammengetan, ...

Zum Beitrag
03.11.2025

Gartner Technologie Trends: 2026 ein Jahr der Disruption, Innovation und Risiken

Redaktion Digital Chiefs

Wie jedes Jahr warten die großen IT-Marktforscher mit Trendprognosen für das kommende auf. Gartner ...

Zum Beitrag
15.10.2025

Internetwirtschaft in Deutschland wächst um fast 10 Prozent jährlich

Redaktion Digital Chiefs

Wie vor fünf Jahren schon sieht der eco-Verband die deutsche Internetwirtschaft bis 2030 weiter auf ...

Zum Beitrag
26.09.2025

KI in der deutschen Wirtschaft weitgehend angekommen

Redaktion Digital Chiefs

Künstliche Intelligenz hat die deutsche Wirtschaft im Sturm erobert. Gut ein Drittel der Unternehmen ...

Zum Beitrag
25.09.2025

Axians zeigt erweitertes Cybersecurity-Portfolio auf der it-sa 2025

Redaktion Digital Chiefs

Unter dem Leitsatz „Secure. Connect. Empower.“ zeigt sich Axians, die ICT-Marke von VINCI Energies, ...

Zum Beitrag
18.08.2025

DESI 2025: Deutschland bei der Digitalisierung weiter nur im EU-Mittelfeld

Redaktion Digital Chiefs

Der Branchenverband Bitkom setzt das DESI-Ranking fort. 2025 hat sich Deutschland um eine Stelle nur ...

Zum Beitrag