25.09.2026
4 Min. Lesezeit

Stijn Van Nieuwerburgh von der Columbia Business School rechnet vor, dass die KI-Investitionen in den USA von 2025 bis 2032 zusammen rund 9 Billionen Euro erreichen. Damit sich das rechnet, müssten die KI-Erlöse gemessen am heutigen Umsatz von OpenAI und Anthropic bis 2032 Jahr für Jahr um rund 80 Prozent wachsen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der KI-Ausbau in den USA erfordert rund 9 Billionen Euro. Nach der Studie entsprechen die Investitionen von 2025 bis 2032 rund 3,6 Prozent des US-BIP pro Jahr und liegen deutlich über dem Durchschnitt des Eisenbahnbooms.
  • Die Erlöse müssten jährlich um rund 80 Prozent wachsen. Der Rechnung zufolge wären bis 2032 rund 3,3 Billionen Euro Jahresumsatz nötig, damit sich die Investitionen rechnen.
  • Die Finanzierung wandert in intransparente Strukturen. Joint Ventures, Private Credit und Zweckgesellschaften verlagern Risiken aus den Bilanzen der Konzerne in schwer einsehbare Finanzierungsgebilde.

Der Umfang des Ausbaus

Van Nieuwerburgh, Professor für Real Estate und Finanzen, stellte sein Papier am 25. September auf der Herbstkonferenz der Brookings Institution vor. Demnach haben Investitionen in KI-Infrastruktur 2025 und im ersten Quartal 2026 spürbar zum Wachstum des US-BIP beigetragen.

Für die Jahre 2025 bis 2032 beziffert die Studie die Investitionen in Rechenzentren sowie Strom-, Netz- und Chip-Infrastruktur auf rund 9 Billionen Euro. Das entspricht rund 3,6 Prozent des US-BIP pro Jahr.

Im zentralen Szenario der Studie gehen in diesem Zeitraum rund 183 Gigawatt zusätzliche Rechenzentrumskapazität in Betrieb. Derzeit sind in den USA rund 57 Gigawatt installiert.

Der Eisenbahnboom kam über zwei Jahrzehnte im Schnitt auf 2,24 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, der höchste Durchschnitt der untersuchten Investitionswellen. Kanalbau, Elektrifizierung, Highwaybau und der Glasfaserboom blieben deutlich darunter. Die geplanten KI-Investitionen liegen mit rund 3,6 Prozent deutlich darüber.

Was ist Private Credit? Private Credit bezeichnet Kredite, die von spezialisierten Fonds und Finanzinvestoren statt von Banken vergeben werden. Diese Finanzierungen laufen weitgehend außerhalb der regulierten Kapitalmärkte und sind für Außenstehende schwer nachzuvollziehen. Im KI-Ausbau finanzieren Private-Credit-Firmen unter anderem Rechenzentren, die Konzerne über Joint Ventures auslagern.

Die Umsatzlücke der Branche

Die Erlösseite fällt bislang deutlich kleiner aus. Bis 2032 müsste die Branche der Rechnung zufolge rund 3,3 Billionen Euro Jahresumsatz erzielen, damit sich die Investitionen rechnen. OpenAI und Anthropic kommen aktuell zusammen auf rund 88 Milliarden Euro Umsatz.

Von dieser Basis aus bedeuten die Investitionspläne ein jährliches Umsatzwachstum von rund 80 Prozent. Gemessen an den heutigen Mietpreisen für GPU-Rechenleistung hält die Studie den nötigen Umsatz nicht für unrealistisch. Offen ist nach ihrer Einschätzung, ob die Nachfrage reicht, damit diese Preise auch bei stark wachsender Kapazität auf dem heutigen Niveau bleiben.

Bei den Hyperscalern kippt das Verhältnis von Investitionen und operativem Cashflow. Bis 2024 lag der gemeinsame operative Cashflow von Oracle, Amazon, Alphabet, Microsoft und Meta deutlich über ihren Investitionsausgaben. 2026 dürften die Investitionen der fünf Konzerne mit voraussichtlich mehr als 700 Milliarden Euro erstmals darüber liegen.

Eine weitere Schwierigkeit liegt in den Laufzeiten. Die Finanzierungen sind auf lange Zeiträume ausgelegt, während Grafikkarten und andere Rechenzentrumskomponenten ihren Wert potenziell deutlich früher verlieren.

Finanzierung abseits der Bilanz

Dem Papier zufolge wandern die Risiken von der transparenten Bilanzfinanzierung der Großkonzerne in Strukturen außerhalb der Bilanz wie Joint Ventures, Private Credit, Verbriefungen, Zweckgesellschaften, Mietverpflichtungen und Kreditgarantien. Vor Journalisten nannte Van Nieuwerburgh die Konstruktionen „freaking complicated“. Die Intransparenz der Zweckgesellschaften erinnere in Teilen an die Subprime-Hypothekenkrise, sagte er.

Ein Beispiel ist das Hyperion-Rechenzentrum von Meta. Der Konzern verkaufte dem Private-Credit-Anbieter Blue Owl 80 Prozent des Projekts für rund 2,2 Milliarden Euro. Das zugehörige Joint Venture Beignet übernahm die Finanzierung des Baus.

Beignet nahm im Oktober 2025 rund 24 Milliarden Euro Fremdkapital auf und finanzierte damit rund 90 Prozent des Projekts. Standard & Poor’s bewertete die Schulden mit A+, eine Stufe unter Metas eigener Bonität.

Nach Morgan-Stanley-Schätzungen, die das Papier zitiert, kommt mehr als die Hälfte der rund 2,6 Billionen Euro für zusätzliche Rechenkapazität der Hyperscaler von 2025 bis 2028 von externen Geldgebern. Beim Fremdkapital stellt Private Credit mit rund 700 Milliarden Euro den größten Anteil.

Hinzu kommen umfangreiche Mietverpflichtungen. Nach Zahlen von Moody’s summieren sie sich bei den Hyperscalern auf rund 850 Milliarden Euro, von denen rund 580 Milliarden Euro noch nicht in der Bilanz erscheinen.

Risikoeinschätzung und Transparenz

Die Studie sieht in der Kombination aus unsicherer Nachfrage, schnellem technologischem Wandel, Umsetzungsengpässen und hoher Verschuldung ein spürbares Abwärtsrisiko, falls sich die Erwartungen ändern. Finanzielle Schwierigkeiten stehen nach dieser Einschätzung allerdings nicht unmittelbar bevor. Der Autor hält es zudem für verfrüht, bereits von einem systemischen Risiko wie bei früheren Kreditbooms zu sprechen.

Als wichtigsten Beitrag der Politik nennt das Papier mehr Messbarkeit und Transparenz bei der Kapitalstruktur der Branche. Mehr Klarheit über die Finanzierungsgebilde würde auch IT-Leitern helfen, die Stabilität ihrer Rechenzentrums- und Cloud-Anbieter einzuschätzen.

Häufig gestellte Fragen

Wie hoch ist das Investitionsvolumen des KI-Ausbaus in den USA?

Die Studie beziffert die Ausgaben für Rechenzentren, Strom-, Netz- und Chip-Infrastruktur auf rund 9 Billionen Euro zwischen 2025 und 2032. Das entspricht rund 3,6 Prozent des US-BIP pro Jahr.

Welches Umsatzwachstum setzt die Rechnung voraus?

Bis 2032 sind rund 3,3 Billionen Euro Jahresumsatz nötig, damit sich die Investitionen rechnen. Gemessen an den rund 88 Milliarden Euro, die OpenAI und Anthropic heute zusammen umsetzen, folgt daraus ein Wachstum von rund 80 Prozent pro Jahr.

Warum zieht der Autor den Vergleich zur Subprime-Krise?

Van Nieuwerburgh sieht Parallelen bei der Intransparenz der Zweckgesellschaften. Er hält es jedoch für verfrüht, bereits von einem systemischen Risiko wie bei früheren Kreditbooms zu sprechen.

Bildquelle: KI-generiert (September 2026)

Weiterlesen auf Digital Chiefs

Digital ChiefsCIOs tragen drei Zahlen ins nächste BudgetDigital ChiefsTech-Konzerne bürgen für 260 Milliarden Euro KI-SchuldenDigital ChiefsBarrierefreiheit gehört in die Architektur der IT-Leitung

Mehr aus dem MBF Media Netzwerk

cloudmagazinNVIDIA mobilisiert 500 Milliarden – und verteilt das Risiko um mybusinessfutureFinanzierungsklima Q2 2026: Kredite eng, Kapital da securitytodayDas Klumpenrisiko, das kein Lieferanten-Audit sieht
Diesen Beitrag teilen:

Weitere Beiträge

26.09.2026

KI-Ausgaben steigen, skaliert hat nur jede fünfte Firma

Benedikt Langer

4 Min. Lesezeit Nur 22 Prozent der Organisationen skalieren KI über mehrere Geschäftsbereiche hinweg ...

Zum Beitrag
24.09.2026

CIOs tragen drei Zahlen ins nächste Budget

Eva Mickler

5 Min. Lesezeit Die SAP-Anwendergruppe DSAG zählt für 2026 nur 38 Prozent der Mitgliedsunternehmen ...

Zum Beitrag
24.09.2026

Tech-Konzerne bürgen für 260 Milliarden Euro KI-Schulden

Bernhard Liebl

4 Min. Lesezeit Meta, Nvidia, Broadcom und Alphabet verbilligen den Bau von KI-Rechenzentren mit ihrer ...

Zum Beitrag
24.09.2026

Barrierefreiheit gehört in die Architektur der IT-Leitung

Eva Mickler

7 Min. Lesezeit Seit Ende Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz für viele digitale Produkte ...

Zum Beitrag
24.09.2026

Quantenrechner lesen später, was Angreifer heute speichern

Eva Mickler

4 Min. Lesezeit Das BSI hat im Februar erstmals ein Ablaufdatum für die klassische Verschlüsselung ...

Zum Beitrag
Ein Magazin der Evernine Media GmbH