16.09.2022 | Silvia Hänig

Daten spielen eine entscheidende Rolle beim ESG-Reporting

Wer seine Nachhaltigkeitsziele transparent machen möchte, benötigt die richtigen Daten. Die IT-Organisation ist in der Pole-Position, um über digitale Lösungen relevante Einspareffekte zu erzielen.

Nachdem sich IT-Verantwortliche in der Anfangszeit der Pandemie vor allem darum kümmern mussten, dass die internen Geschäftsprozesse reibungslos funktionieren, steht jetzt verstärkt die Entwicklung digitaler Lösungen für externe Zwecke auf der CIO-Agenda. Genauer gesagt geht es dabei vor allem um das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele, was einer Befragung des Marktforschungsunternehmens Lünendonk zufolge bereits bei 56 Prozent von 200 befragten Entscheidungstragenden auf der To-do-Liste steht. Immerhin 33 Prozent haben angegeben, dass sie schon Ziele in der Planung haben.

Die IT als Bindeglied für Datentransfer

Wer sich rechtzeitig einen Überblick über den Energieverbrauch seiner IT-Ressourcen verschafft, hat eine handfeste Grundlage für die spätere Erhebung der richtigen Datenquellen. Die IT sitzt hier klar im Driver-Seat. Und das nicht nur, weil ein signifikanter Teil des Energieverbrauchs im Unternehmen aus der IT-Infrastruktur stammt. Mit zunehmender Digitalisierung steigt der Energieverbrauch merklich an – das gilt auch für das Cloud-Rechenzentrum. Entsprechend sind die Einspareffekte, wenn IT-Ressourcen effizient genutzt werden. Um herauszufinden, wie es um diese steht, geht es im Kern um das Sammeln relevanter Daten, sei es von Kunden oder von Partnern. Hier fungiert die IT als ideales Bindeglied, da dieser Datentransfer meist über ihren Bereich gesteuert wird. Wenn es darum geht, den unternehmensweiten Energieverbrauch auszuweisen und zu reduzieren, hat die IT das Potenzial für die perfekte Effizienzinstanz.

ESG-Reporting erfordert regelmäßige Transparenzberichte

Um solche Einsparungen überhaupt in großem Stil nachweisen zu können, braucht es Unmengen an Daten, die kontinuierlich erhoben und klassifiziert werden müssen. Das für sich genommen ist für viele noch kein Problem. Herausfordernd wird es dann, wenn diese Datenquellen an ganz unterschiedlichen Orten oder in einer Vielzahl von Unternehmensbereichen sowie in verschiedenen Qualitätsstufen vorliegen. Soll heißen einmal gibt es lediglich Quelldaten, ein anderes Mal liegen ausgefüllte Excel-Listen vor. Ganz zu schweigen von deren unterschiedlicher Granularität. Das bedeutet, um Energieverbrauch sauber messen zu können, müssen Daten nicht nur aggregiert, sondern auch verifiziert werden. Eine ziemliche Herausforderung angesichts dessen, dass ab dem 01.01.2025 mittelgroße und große Unternehmen gesetzlich dazu verpflichtet sind, per Transparenzberichten Zeugnis über die Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien gegenüber ihren Stakeholdern abzulegen.

Der Aufbau einer klima- und ressourcenschonenden IT-Lieferkette ist ein Bereich, der bei vielen CIOs zunehmend im Fokus steht.

Entlang der sogenannten CRSD-Richtlinie ist regelmäßig darüber Auskunft zu geben, zu wie viel Prozent die Umsatzerlöse, Investitions- und Betriebsausgaben in Verbindung mit ökologisch nachhaltigen Tätigkeiten stehen. Daher ist der Aufbau einer klima- und ressourcenschonenden IT-Lieferkette beispielsweise ein Bereich, der bei vielen CIOs zunehmend im Fokus steht. Diejenigen, die sich dieser Thematik frühzeitig annehmen, haben auch im Vergleich zum Wettbewerb die Nase vorn. Denn das Erreichen ökologischer Ziele wie Dekarbonisierung bringt zudem erhebliche Kostenvorteile.

Daten zentral zu verwalten ist herausfordernd

Das scheint sich langsam herumzusprechen: Bei einer globalen Umfrage des Anbieters für Industrie-Software Aveva gaben 2021 neun von zehn Befragten an, ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten beschleunigen zu wollen. Etwa 85 Prozent von über 850 Branchenfachleuten aus Europa, Asien und Amerika möchten innerhalb der kommenden drei Jahre ihre Investition in die digitale Transformation erhöhen, um die Klimaziele zu erreichen. Awraam Zapounidis, Vice President DACH & Eastern Europe bei Aveva, ist überzeugt: „Der wichtigste Ausgangspunkt ist die Optimierung der Energieeffizienz, denn hier lassen sich am schnellsten messbare finanzielle Einsparungen realisieren. Aber dazu ist ein effizientes Datenmanagement unabdingbar.“ Für Zapounidis geht es vor allem darum, anforderungsspezifisch Daten zu kontextualisieren, um die richtigen Informationen zusammenzutragen.

Ein schöner Nebeneffekt: Die Umwandlung von Daten in wirtschaftliche Erkenntnisse kann neben der CO2-Reduktion auch die Rentabilität auf allen Unternehmensebenen verbessern. „Es sollte sichergestellt werden, dass alle Daten aus ganz unterschiedlichen Source-Systemen zentral verwaltet werden können“, so Rainer Karcher, Global Head of IT and Sustainability bei Siemens. „Nur so kann eine auditsichere und effiziente Datenaggregation gewährleistet werden.“ Um das zentrierte Datenmanagement in ein sauberes ESG-Reporting überführen zu können, hat Karcher mit seinem IT-Team eine eigene Datacloud eingerichtet. Es geht vorwiegend darum, Transparenz über die Aggregation, die Prozesse sowie die Vereinheitlichung der Daten zu erhalten. Ohne die Vergleichbarkeit zwischen vorher und nachher ist da nichts zu machen. „Geht es beispielsweise um den Wasserverbrauch, muss man die gelieferten Daten erst einmal umrechnen, um vergleichbare Werte zu erhalten“, ergänzt Karcher.

CO2 Dashboards schaffen Übersicht und Vergleichbarkeit

Um hier nicht den Überblick zu verlieren, arbeitet sein Bereich daher mit sogenannten CO2 Dashboards. Sie schaffen Transparenz in sämtlichen Bereichen und gliedern die Angaben nach Typus (z. B. Erdgas oder Elektrizität), Region und Verbrauchshistorie. Hilfreich können auch intelligente Anwendungen wie die CO2-Footprint-App von VINCI Energies sein.

Unternehmen und ihre Mitarbeitenden haben hier die Möglichkeit, ihren CO2-Fußabdruck zu verfolgen und können sich über einen Gamification-Ansatz gegenseitig zu mehr Einsparungen animieren, um so ihre Klimaziele zu erreichen. Die App erfasst nach einem ESG-konformen Reporting Daten über alle Scope 1, 2 und 3 Bereiche.

Quelle: www.carbonfootprintapp.de

Zusätzlich lassen sich Daten aus SAP, Reisetools und etwaiger Umweltdashboards anbinden. Durch die so gesammelten Daten können die Mitarbeitenden spielerisch und im Team ihre eigenen und die Umweltziele des Unternehmens besser erreichen.

Wichtige Überlegungen für ein effizientes Datenmanagement:

➤ Transparenz über dezentrale Datensilos

➤ Datenaggregation und -kontextualisierung

➤ Single Source of Truth/Data Hub statt mehrfacher Datenspeicherung

➤ Datenverifizierung, um Vergleichswerte zu erhalten

➤ Enge Zusammenarbeit mit Fachbereichen

➤ Digitale Transformation für Energieeinsparung nutzen (z. B. Public Cloud)

Quelle Titelbild: Adobe Stock / Miha Creative

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