22.03.2022

Der digitale CO2-Fußabdruck ist in der Corona-Krise und dem damit einhergehenden vermehrten Arbeiten aus dem Homeoffice noch größer geworden. Geht es allerdings nach der neuen Ampelkoalition und der EU-Kommission, soll der CO2-Verbrauch deutlich geringer und die Rechenzentren möglichst klimaneutral werden.

Der Erfolg Deutschlands als „Exportweltmeister“ hängt in immer größeren Maße von grünen Technologien ab. Statista zufolge lag der Anteil der Bundesrepublik am globalen Markt für Umwelttechnik und Ressourceneffizienz bei sage und schreibe 14 Prozent. Und somit gehen die Vorstellungen der deutschen Wirtschaft mit denen der neuen Ampelregierung oft Hand in Hand. Die Pläne der alten und der neuen Bundesregierung, die Dekarbonisierung der Schwerindustrie durch den Umstieg auf regenerativ gewonnen Wasserstoff zu forcieren, sind mit riesigen Kraftanstrengungen verbunden, hätten aber auch das Zeug, zu einem neuen Exportschlager zu werden.

Und was Green IT angeht, finden sich immer mehr Gemeinsamkeiten zwischen Politik und Wirtschaft. Die großen Cloud- und Rechenzentrumsbetreiber gehen schon aus Eigennutz den Forderungen aus der Politik teilweise voran. So hat Amazon Web Services (AWS), der größte Hyperscaler weltweit, 2018 bereits mehr als die Hälfte des eigenen Bedarfs aus erneuerbaren Energien abgedeckt und versprochen, bis 2025 klimaneutral zu werden. Die Reduzierung des eigenen CO2-Fußabdrucks hat dabei so wie auch für Microsoft und IBM nicht nur etwas mit Imagepflege zu tun, sondern auch mit wirtschaftlichen Interessen. Denn allein die Kühlung der Rechenzentren verschlingt Unsummen an Geld, von dem massiv wachsenden Energiebedarf ganz zu schweigen.

Ende Januar 2021 haben daher – rund ein halbes Jahr vor Vorstellung des EU-Klimaplans „Fit für 55“ – die großen Cloud-Anbieter, RZ-Betreiber und IT-Wirtschaftsverbände laut Green IT Solution schon einen europäischen „Pakt für klimaneutrale Rechenzentren“ geschlossen. Demnach sollen Rechenzentren ihren Strombedarf bis 2025 zu 75 Prozent und bis 2030 zu 100 Prozent aus nachhaltig erzeugter, erneuerbarer Energie decken. Zu den Unterzeichnern gehören AWS, Atos, Equinix, Google, Microsoft und NTT. „Fit for 55“ mit dem Ziel, den europäischen CO2-Ausstoß bis 2030 um 55 Prozent unter den Wert von 1990 zu drücken, geht dabei in dieselbe Richtung.

Allerdings sind die meisten Initiativen bisher nur eine Art Selbstverpflichtung der Anbieter und somit mehr oder weniger nur Lippenbekenntnisse. Schließlich geht auf Rechenzentren laut Manager-Magazin rund drei Prozent des gesamten Strombedarfs – Tendenz steigend. Wie groß der Gesamtverbrauch ist, lässt sich allerdings kaum richtig beziffern. Die Angaben der Betreiber seien aus Wettbewerbs- oder Sicherheitsgründen auch oft zu vage.

Die Vorstellungen der deutschen Wirtschaft gehen mit denen der Ampelregierung oft Hand in Hand.

Das Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit rechnet mit einem Verbrauch von etwa 16 Milliarden Kilowattstunden für Deutschland, wie wir in der Digital Chiefs Story zu klimaneutralen Rechenzentren zeigen.

Damit steigt der Veränderungsdruck, wie sich auch bei der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow zeigte. Und die neue Bundesregierung macht ihrerseits Druck. Sie fordert, dass Rechenzentren in Deutschland schon bis 2027 klimaneutral betrieben sein müssen. Dabei werden die Aufgaben, vor denen die Betreiber stehen, mit zunehmender Digitalisierung noch größer.

Die Frage ist daher, wie das Ziel dann noch zu erreichen ist, zumal Deutschland sich ja gegen Atomstrom und für ein baldiges Aus für die Kohleverstromung entschieden hat.

Allerdings gibt es immer mehr Rechenzentren, die ihren Strom bereits vollends oder großteils aus erneuerbaren Energien beziehen. Einer Studie der Forschungsunternehmens Bloomberg NEF zusammen mit dem irischen Energiemanagementanalysten hat ergeben, dass der Anteil der regenerativen Energien bis 2030 in Europa auf etwa 60 Prozent steigen wird. Da Wind und Sonne nicht immer ausreichend verfügbar sind, empfehlen die Experten für Server in den Rechenzentren den Einsatz von Notstromgeneratoren und verlässliche Backups.

Ein anderer Weg, für den sich neben der Bundesregierung auch der Branchenverband Bitkom stark macht, ist die „Nutzung von Abwärme aus Rechenzentren, um sie attraktiver als fossile Primärenergie zu machen“. So heißt es in einer Bitkom-Stellungnahme zu „Digitalisierung & Nachhaltigkeit“. Damit geht aber auch die Forderung einher, die Umrüstung älterer Rechenzentren mit einem bundesweiten Förderprogramm zu unterstützen.

Quelle Titelbild: Adobe Stock/MetinSeven

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