10.09.2026
4 Min. Lesezeit

Fortum und Google haben am 9. September 2026 einen Stromvertrag über 22 Jahre unterschrieben. Google nimmt ab 2028 Strom aus dem Kernkraftwerk Loviisa ab und braucht ihn für seine Rechenzentren in Finnland. Fortum finanziert mit diesen Einnahmen die Laufzeit bis 2050, denn 700 Millionen Euro des Investitionsprogramms sind noch nicht beschlossen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Fortum will Loviisa mit Google als Abnehmer bis 2050 betreiben. Ohne das Investitionsprogramm zur Laufzeitverlängerung könnte die Anlage nach 2030 wirtschaftlich nicht weiterlaufen.
  • Google investiert 2027 und 2028 mindestens 13 Milliarden Euro in Finnland. Neben dem bestehenden Standort Hamina nennt der Konzern Kajaani, Muhos und Vaala.
  • Bis zur Hälfte der Kapazität geht von 2030 bis 2049 an Google. Ab 2028 bezieht Google zunächst eine kleinere Menge.
  • Fortum hat 700 Millionen Euro noch nicht beschlossen. Das Laufzeitprogramm für Loviisa liegt nach Angaben des Konzerns bei rund einer Milliarde Euro bis 2050. Mit den Erlösen aus dem Google-Vertrag will Fortum die offenen Beschlüsse begründen.

Was ist der Stromabnahmevertrag von Google bei Loviisa? Fortum verkauft ab 2028 Strom aus dem finnischen Kernkraftwerk Loviisa an Google. Der Vertrag läuft 22 Jahre, von 2030 bis 2049 nimmt Google bis zur Hälfte der Kraftwerkskapazität ab. Loviisa bleibt im Eigentum von Fortum, Google sichert sich langfristig Strom aus Loviisa für seine Rechenzentren.

VerwandtSLB kauft Kelvion: 3,5 Milliarden für KI-Kühlung  /  Nvidia hält den Lease: 30 Milliarden Compute für Anthropic

Fortum-Vorstandschef Markus Rauramo und Aris Karcanias, bei Google Leiter Energie für Europa, den Nahen Osten und Afrika, stellen den Stromvertrag am 9. September 2026 in einer Ad-hoc-Mitteilung von Fortum vor. Fortum braucht einen Abnehmer, der über Jahrzehnte zahlt. Google braucht Strom, der auch im finnischen Winter verfügbar bleibt. Loviisa steht rund 55 Kilometer vom bestehenden Rechenzentrum in Hamina entfernt.

Loviisa deckt zehn Prozent des finnischen Stroms

Loviisa liefert laut Fortum rund zehn Prozent des finnischen Stroms. An der Anlage arbeiten rund 580 Fortum-Beschäftigte. Fortum schreibt, ohne das Investitionsprogramm zur Laufzeitverlängerung könne die Anlage nach 2030 wirtschaftlich nicht weiterlaufen.

Die ursprünglichen Betriebsgenehmigungen der beiden Reaktoren enden 2027 und 2030. Finnland hat Fortum bereits eine neue Genehmigung bis Ende 2050 erteilt, offen war deshalb allein die Wirtschaftlichkeit der Investitionen.

Karcanias sagt, der Vertrag halte eine kritische Energiequelle im Netz. Er mindere die Folgen, wenn im Süden des Landes merklich Leistung vom Netz fiele.

Google legt 13 Milliarden Euro auf vier Orte

Google nennt 13 Milliarden Euro für digitale Infrastruktur, saubere Energie und Partnerschaften in Finnland. Der Zeitraum umfasst die Jahre 2027 und 2028. Google bezeichnet das als größte Einzelinvestition des Konzerns in Europa.

In Hamina steht seit 15 Jahren ein Rechenzentrum in einer früheren Papiermühle. Kajaani, Muhos und Vaala nennt Google als weitere Orte seiner finnischen Infrastruktur.

Für die Bauphase an diesen Standorten schätzt Google mehr als 37.000 Jobs und einen jährlichen Beitrag von 3,6 Milliarden Euro zum finnischen BIP.

Bis zur Hälfte von Loviisa, 700 Millionen Euro offen

Der Stromvertrag beginnt 2028 unterhalb der späteren Höchstmenge. Von 2030 bis 2049 soll Google bis zur Hälfte der Kapazität von Loviisa abnehmen. Erst mit dieser Menge erreicht Fortum die Rendite, die der Konzern für die Altanlage ansetzt.

Fortum beziffert das Investitionsprogramm zur Laufzeitverlängerung von Loviisa auf rund eine Milliarde Euro bis 2050. Unter Vorbehalt stehen laut Fortum noch 700 Millionen Euro der Ausgaben und rund 80 Prozent der Einzelprojekte. Fortum will diese Beschlüsse mit den Erlösen aus dem Google-Vertrag finanzieren.

Der Vertrag soll zusätzlich eine Leistungserhöhung um 10 Megawatt ermöglichen. Fortum rechnet diese Erhöhung dem Google-Geschäft zu.

Daneben ist eine Modernisierung um rund 38 Megawatt bereits geplant. Fortum erwartet die Inbetriebnahme 2028.

629 Megawatt neuer Wind und eine Batterie in Kajaani

Google kauft Strom aus zwei weiteren Onshore-Windprojekten von Valorem und Suomen Hyötytuuli. Damit steigt die von Google in Finnland kontrahierte neue Windleistung auf 629 Megawatt. Zusätzlich kommt ein Batteriesystem mit 94 Megawatt neben dem neuen Rechenzentrum in Kajaani, geplant für Ende 2027.

Fortum übernimmt den Einsatz dieser Batterie im Strommarkt. Beide Firmen haben außerdem eine Absichtserklärung über neue Kernkraft, weitere Erneuerbare, Flexibilität und die Nutzung von Fortum-Flächen für mögliche weitere Rechenzentren unterschrieben. Ob daraus neue Reaktoren in Loviisa werden, haben beide offen gelassen, einen Baubeschluss gibt es nicht.

Rauramo sagt, der Vertrag erfülle Fortums langfristige Renditeanforderungen und mache das Geschäft mit den Altanlagen kalkulierbarer. Google begründet den Weiterbetrieb mit gesichertem Strom für Haushalte, Betriebe und Industrie, The Register nennt den Vertrag den ersten langfristigen Kernkraft-Abnahmevertrag von Google in Europa. Offen bleiben die 700 Millionen Euro unter Vorbehalt und ein Reaktorbau ohne Beschluss.

Posten Angabe
Laufzeit Stromvertrag 22 Jahre, Start 2028
Anteil Loviisa für Google bis 50 Prozent von 2030 bis 2049
Google-Investition Finnland 13 Milliarden Euro für 2027 und 2028
Fortum-Programm Loviisa rund 1 Milliarde Euro, davon 700 Millionen Euro offen

Angaben nach Fortum-Ad-hoc vom 9. September 2026. Google-Blog vom selben Tag.

Häufig gestellte Fragen

Was hat Google in Finnland angekündigt?

Google legt 13 Milliarden Euro auf die Jahre 2027 und 2028. Das Geld gilt für Rechenzentren, Energie und Partnerschaften in Hamina, Kajaani, Muhos und Vaala. Google nennt das die größte Einzelinvestition des Konzerns in Europa.

Was bedeutet der Stromvertrag für Loviisa?

Fortum verkauft Google Strom aus dem Kernkraftwerk, beginnend 2028. Von 2030 bis 2049 kann Google bis zur Hälfte der Kapazität abnehmen. Nach Angaben von Fortum könnte Loviisa ohne das Laufzeitprogramm nach 2030 wirtschaftlich nicht weiterlaufen.

Gehört das Kraftwerk danach Google?

Nein. Ein Stromabnahmevertrag kauft Kilowattstunden über viele Jahre. Das Kraftwerk bleibt bei Fortum. Google kauft den Strom.

Sind die Fortum-Investitionen beschlossen?

Nein. Von rund einer Milliarde Euro stehen laut Fortum 700 Millionen Euro noch unter Vorbehalt, das betrifft rund 80 Prozent der Einzelprojekte. Fortum will diese Beschlüsse mit den Erlösen aus dem Google-Vertrag finanzieren.

Was kommt außer dem Kernkraftwerk?

Google kauft Strom aus zwei weiteren finnischen Windprojekten, die kontrahierte neue Windleistung im Land steigt damit auf 629 Megawatt. Dazu kommt eine Batterie mit 94 Megawatt in Kajaani. Fortum und Google prüfen außerdem neue Kernkraft und weitere Flächen. Einen Baubeschluss für neue Reaktoren gibt es nicht.

Weiterlesen auf Digital Chiefs

Digital ChiefsNvidia kauft Hugging Face für über 11 Milliarden EuroDigital ChiefsSAP lässt Roboter direkt von Joule steuern, Haftung offenDigital ChiefsSLB kauft Kelvion: 3,5 Milliarden für KI-Kühlung

Mehr aus dem MBF Media Netzwerk

Bildquelle: KI-generiert (September 2026)

Diesen Beitrag teilen:

Auch verfügbar in

Weitere Beiträge

04.10.2026

Google bezahlt Publisher für KI-Antworten

Benedikt Langer

4 Min. Lesezeit Google zahlt im „AI contribution pilot" rund 100 digitalen Publishern dafür, wie stark ...

Zum Beitrag
02.10.2026

Die stille Infrastrukturkrise

Benedikt Langer

4 Min. Lesezeit AnzeigeIn Kooperation mit BRESSNER Technology, a HIPER Global Company Industrie, ...

Zum Beitrag
02.10.2026

Mission-Ready Edge Infrastructure

Benedikt Langer

3 Min. Lesezeit AnzeigeIn Kooperation mit BRESSNER Technology, a HIPER Global Company Wenn Rechenleistung ...

Zum Beitrag
26.09.2026

KI-Ausgaben steigen, skaliert hat nur jede fünfte Firma

Benedikt Langer

4 Min. Lesezeit Nur 22 Prozent der Organisationen skalieren KI über mehrere Geschäftsbereiche hinweg ...

Zum Beitrag
25.09.2026

KI-Umsätze müssten jährlich um 80 Prozent wachsen

Benedikt Langer

4 Min. Lesezeit Stijn Van Nieuwerburgh von der Columbia Business School rechnet vor, dass die KI-Investitionen ...

Zum Beitrag
24.09.2026

CIOs tragen drei Zahlen ins nächste Budget

Eva Mickler

5 Min. Lesezeit Die SAP-Anwendergruppe DSAG zählt für 2026 nur 38 Prozent der Mitgliedsunternehmen ...

Zum Beitrag
Ein Magazin der Evernine Media GmbH