07.09.2026
5 Min. Lesezeit

Der Öltechnik-Konzern SLB, früher Schlumberger, kauft den Wärmetauscher-Hersteller Kelvion aus Herne für rund 3,5 Milliarden Euro inklusive Schulden. Der Käufer verkauft Rechenzentren als vorgefertigte Module und will mit der Kühltechnik seinen Umsatz je geliefertem Gigawatt mehr als verdoppeln. Ab dem geplanten Abschluss 2027 kann SLB Bau, Strom, IT und Wärmeabfuhr in einem Vertrag anbieten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Abschluss ist für das erste Halbjahr 2027 geplant, vorbehaltlich der Freigaben. Bis dahin bleibt Kelvion ein eigenständiger Lieferant; ob danach ein anderer Rechtsträger die Serviceverträge übernimmt, steht in der Mitteilung nicht.
  • SLB zielt darauf, den Umsatz je geliefertem Gigawatt mehr als zu verdoppeln, sobald Kühlung im Modulpaket steckt. Für 2028 zielt der Konzern auf umgerechnet 3,9 bis 4,3 Milliarden Euro Umsatz im kombinierten Rechenzentrumsgeschäft.
  • Kelvion macht inzwischen etwa die Hälfte seines Umsatzes mit Rechenzentren. Apollo war erst im Januar 2026 als Mehrheitseigner eingestiegen, sieben Monate später steht der Weiterverkauf.
  • Wer Bau, Strom, IT und Wärme als ein Los vergibt, kauft SLBs Paketmacht mit. Offen bleibt, ob die Behörden den Abschluss im ersten Halbjahr 2027 freigeben und welcher Rechtsträger danach die Serviceverträge übernimmt.

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Was ist Kelvion? Ein Hersteller von Wärmetauschern und Kühltechnik mit Sitz in Herne. Das Portfolio reicht von Rechenzentren über Wärmepumpen bis zu Industrieprozessen. 2026 soll der Umsatz bei umgerechnet rund zwei Milliarden Euro liegen, etwa die Hälfte davon in Rechenzentren.

Ein Öltechnik-Konzern kauft die Kühlung

Ein KI-Rechenzentrum kann fertig verkabelt sein, der Strom kann anliegen. Die Racks bleiben trotzdem dunkel, weil die Wärme der Chips nicht abgeführt wird. Jeder Prozessor der neuen Generation gibt seine Abwärme an einen Kühlkreislauf ab. Am Ende dieses Kreislaufs stehen Wärmetauscher, wie Kelvion sie baut, die die Wärme nach draußen bringen. Fehlt dieses Glied oder kommt es zu spät, steht die Anlage. SLB-Chef Olivier Le Peuch nannte KI in der Mitteilung zur Übernahme den größten Infrastrukturzyklus seines Berufslebens. Gavin Rennick, der das neue Industriegeschäft von SLB führt, beschreibt dort die Kundenerwartung: Betreiber suchen Partner, die kritische Systeme über die ganze Anlage zusammenführen. Das Thermomanagement nennt er als erstes dieser Systeme.

SLB liefert Rechenzentren als vorgefertigte Module: Gebäudeteile, Stromverteilung und IT-Infrastruktur kommen fertig montiert auf die Baustelle. Der Konzern beziffert das Umsatzwachstum seiner Rechenzentrumssparte auf über 90 Prozent im Jahresschnitt zwischen 2024 und 2026. Dass der Modulbau die Zeit bis zur Inbetriebnahme um bis zu 40 Prozent verkürzt, ist eine Angabe von SLB aus Branchenvergleichen und eigenen Projekten, unabhängig gemessen ist sie nicht. Sie erklärt trotzdem, warum ein Öltechnik-Konzern jetzt einen Kühltechnik-Hersteller kauft: Ein Anbieter, der den Bauzeitplan hält, verkauft die ganze Fabrik statt des Einzelteils.

Der deutsche Zulieferer wechselt nach sieben Monaten die Mutter

Kelvion bleibt eine deutsche Industriemarke mit Sitz in Herne und weltweitem Netz, bekommt aber einen US-Öltechnik-Konzern als Eigentümer. Bisher halten Fonds von Apollo die Mehrheit und Triton, seit 2014 an Bord, die Minderheit. Apollo hatte seinen Einstieg erst im Januar 2026 abgeschlossen. Sieben Monate später steht der Weiterverkauf, zu einem Preis, der Kelvions Rechenzentrumsgeschäft bezahlt: Es soll 2026 umgerechnet rund 1,1 Milliarden Euro erreichen, etwa die Hälfte des Firmenumsatzes.

Der Abschluss steht unter den üblichen behördlichen Freigaben. Bis dahin laufen Service, Ersatzteile und Audits bei Kelvion-Kunden weiter über die bisherige Gesellschaft. Nach dem Abschluss kann ein anderer Rechtsträger die Rahmenverträge, Freigaben und die Ersatzteillogistik übernehmen. In der SLB-Mitteilung steht dazu keine Regelung.

SLB zahlt das Elffache des EBITDA für das gebündelte Los

Kennzahl der Übernahme Wert
Barpreis rund 2,9 Milliarden Euro
Übernommene Schulden rund 600 Millionen Euro
Gesamtwert rund 3,5 Milliarden Euro
Multiple auf das erwartete EBITDA 2026 11-fach, 8,5-fach inklusive erwarteter Einsparungen
Erwartete EBITDA-Effekte aus dem Zusammenschluss rund 100 Millionen Euro je Jahr binnen drei Jahren, davon gut die Hälfte Einsparungen, der Rest Umsatzchancen
Kelvion-Umsatz Rechenzentren 2026 rund 1,1 Milliarden Euro
Kombinierter Rechenzentrumsumsatz 2026, pro forma rund 1,7 Milliarden Euro
Ziel 2028 für das kombinierte Geschäft 3,9 bis 4,3 Milliarden Euro

Quelle: SLB-Mitteilung zur Übernahme, August 2026. Euro-Werte zum EZB-Referenzkurs vom 31. August 2026 gerundet.

SLB zahlt das Elffache des erwarteten EBITDA 2026, des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, weil Kühlung ins Modulpaket soll und nicht weil Wärmetauscher knapp sind. SLB begründet den Preis mit dem Ziel, den Umsatz je geliefertem Gigawatt mehr als zu verdoppeln. Ob das 8,5-Fache je erreicht wird, setzt rund 100 Millionen Euro zusätzliches EBITDA im Jahr voraus, die SLB verspricht: gut die Hälfte Einsparungen, der Rest Umsatz, den es erst geben muss.

SLB bietet ab 2027 Bau, Strom, IT und Kühlung in einem Vertrag

In der nächsten Ausschreibung eines Betreibers, ob großer Cloud-Betreiber, Rechenzentrumsvermieter oder Industriekonzern mit eigenem Campus, liegen Bau, Strom, IT und Kühlung damit nicht mehr zwingend in getrennten Losen. Bisher vergibt ein Betreiber diese vier Lose meist an getrennte Lieferanten und vergleicht je Los die Preise. SLB bietet ab 2027 alle vier aus einer Hand an, mit dem Bauzeitplan als Argument. Ein Betreiber, der alle vier Lose an SLB gibt, hat keinen zweiten Wärmelieferanten mehr im Vertrag; bei getrennten Losen entfällt die eine Haftung für den Inbetriebnahme-Stichtag.

Offen bleibt, wie SLB die Integration in Herne vollzieht und ob deutsche Kelvion-Kunden nach dem Abschluss mit demselben Service, denselben Ersatzteillagern und demselben Rechtsträger arbeiten wie heute. Diese Fragen entscheiden sich zwischen der Vertragsunterzeichnung im August 2026 und dem Abschluss im ersten Halbjahr 2027.

Häufig gestellte Fragen

Wer hält Kelvion bis zum Abschluss?

Fonds von Apollo halten die Mehrheit, Triton die Minderheit. Apollo war erst im Januar 2026 eingestiegen und verkauft nach sieben Monaten weiter. Bis zu den behördlichen Freigaben bleibt Kelvion Vertragspartner seiner Kunden.

Braucht eine Anlage zuerst Rechenleistung oder zuerst Kühlung?

Beides zugleich. Ohne Rechenleistung gibt es keine Last, ohne Wärmeabfuhr bleiben die Racks dunkel. Wärme und Modulbau entscheiden mit, wann eine Anlage überhaupt in Betrieb geht.

Zählt die Angabe zu 40 Prozent kürzerer Zeit bis zur Inbetriebnahme?

Sie steht in der SLB-Meldung und stützt sich auf Branchenvergleiche und eigene Projekte des Konzerns. Unabhängig gemessen hat das niemand.

Bildquelle: KI-generiert (September 2026)

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