08.05.2023

Deutschland ist beim Glasfaserausbau besser als sein Ruf und hat sich laut LBBW Research zu den drei wichtigsten Wachstumsmärkten Europas entwickelt. Es gilt aber auch noch viele Widerstände zu überwinden und die Umwelt stärker in den Blick zu nehmen. Alternative Verlegeverfahren sind daher unabdingbar, um den Ausbau zu beschleunigen – und das auch noch nachhaltig. Welche das sind und welche Herausforderungen es gibt, erklärt Henry Frey, stellvertretender Leiter der Business Area TI Fixnet bei Axians, in seinem Expertenbeitrag.

Die Gigabit-Strategie der Bundesregierung sieht vor, dass in Deutschland bis 2025 jeder zweite und bis 2030 jeder Haushalt einen Glasfaseranschluss erhält. Ohne Glasfaser lassen sich im urbanen wie ländlichen Raum auch keine 5G-Masten anbinden. Manche Landstriche sind sogar ganz ohne Breitband- oder gar jedwedes Mobilfunknetz.

Aber es hat sich schon viel getan beim Glasfaserausbau in Deutschland, wie die Marktanalyse des Bundesverbands Breitbandkommunikation e.V. (BREKO) vom 6. September 2022 zeigt. Demnach hat sich die Glasfaserquote der „Homes Passed“, das heißt der möglichen Anschlüsse, in Deutschland seit 2018 bis Mitte 2022 von 11,2 auf 26 Prozent mehr als verdoppelt.

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Bis 2025 könnten es 40 oder sogar 53,5 Prozent sein, die oberen 13,5 Prozent allerdings noch unter Vorbehalt angesichts der derzeitigen neuen und anhaltenden Risikofaktoren, langsamen Genehmigungsverfahren und des Fachkräftemangels etwa, so die Macher der Studie. LBBW Research zufolge sind zwischen 2015 und Mai 2021 insgesamt 2,7 Millionen neue Glasfaseranschlüsse entstanden.

Der BREKO-Report spricht von 4,4 Millionen neuen Zuleitungen, die allein seit Ende 2020 entstanden sind, womit es Mitte 2022 schon 12,7 Millionen waren. Den größten Anteil der FTTB/H- beziehungsweise Glasfaser-Anschlüsse realisieren mit 71 Prozent die alternativen Netzbetreiber, das heißt die Wettbewerber der Deutschen Telekom.

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Quelle: Adobe Stock / Gundolf Renze

Die Take-up-Rate, das heißt der Anteil der Anschlüsse bis ins Haus oder in die Wohnung beziehungsweise Firma, liegt der Studie zufolge mit 8,1 Millionen Homes Connected und 3,8 Millionen Homes Activated mittlerweile schon bei 47 Prozent. Und das ist ein starkes Indiz, dass Glasfaser bei den Haushalten und Unternehmen buchstäblich immer mehr ankommt. Und die Widerstände in der Bevölkerung und vonseiten kommunaler Verwaltungen nehmen auch dank alternativen Verlegetechniken mehr und mehr ab.

Weniger Aushub heißt weniger Widerstände

80 Prozent der Kosten entfallen nach Schätzungen des Verivox-Vizepräsidenten Jens-Uwe Theumer auf den Tiefbau. Köln hat ihm zufolge genauso eine hohe Quote beim Glasfaserausbau, gefolgt von München. Aber in vielen anderen Städten und Kommunen ist noch viel Luft nach oben, was eben auch an lokalen Widerständen liegt, unter anderem auch von Umweltschutzverbänden, die dazu beitragen, dass die Behörden sich mitunter lange Zeit lassen mit den Genehmigungsverfahren.

Bisher verläuft in einem Großteil des Ausbaus die Verlegung der Leerrohre für die filigranen Glasfaserkabel im Tiefbau über Gräben, die etwa 60 bis 80 cm tief und 30 cm breit sind.

Allerdings gibt es schon heute beim Tiefbau vielfältige alternative Bau- und Verlegeverfahren, wie wir von Axians sie schon einsetzen. Sie greifen meist um ein Vielfaches weniger in den Boden und die Artenvielfalt ein als herkömmliche Tiefbauverfahren mit Grabenaushub.

Quelle: Adobe Stock / CSschmuck

Eine weitere alternative Verlegemethode ist die des offenen Grabenbaus, auch Handschachtung genannt.

Bei bereits im Erdreich vorhandenen Leitungen bietet diese Methode eine nachhaltige Alternative, da wenig Erdreich entfernt beziehungsweise wieder verfüllt werden muss.

Das Manko: Aus wirtschaftlicher Sicht ist, wie der Name schon sagt, bei der Handschachtung viel händische Arbeit im Spiel. Pro Tag können, bei hohen Personalkosten, nur kurze Strecken geschafft werden. Außerdem beeinträchtigt die Methode den Straßenverkehr deutlich stärker als andere Bauverfahren.

Im ländlichen Bereich greifen die Bauunternehmen oftmals auch auf das Kabelpflugverfahren zurück. Es bietet eine kosteneffiziente Methode zur Neuverlegung von Leitungen und Leerrohren, da es schneller und automatisierter durchgeführt werden kann als herkömmliche Verfahren. Dabei wird ein Verlegepflug mit einem Pflugschwert eingesetzt, der eine Furche im Boden erzeugt, in die die Leitungen und Kabel gelegt werden.

Quelle: Adobe Stock / Florian

Der Vorteil des Verfahrens liegt in der schnelleren Verlegung, der geringeren Lärmbelästigung und dem geringen Aufwand für die Oberflächenwiederherstellung. Allerdings ist das Verfahren bei steinigen Böden oder in hügeligen Gebieten nicht geeignet. Ein weiterer Nachteil ist, dass das Verfahren besonders im ländlichen Raum zu Schäden an Wurzeln und Pflanzen führen kann, was langfristige ökologische Auswirkungen nach sich zieht.

Ein weiteres Verfahren ist das Richtpressverfahren. Es ist eine der effektivsten Methoden zur Herstellung von Hausanschlüssen und zur Querung von Verkehrswegen und demnach eher im städtischen Raum angesiedelt. Dabei wird ein Lenkkopf durch den Boden gepresst, während er mit einem Ortungsgerät oberirdisch verfolgt wird und bei Bedarf korrigiert werden kann. Die Vorteile des Verfahrens liegen in der schnellen, kosteneffizienten und umweltschonenden Bauweise. Allerdings ist es nur für kurze Unterquerungen von maximal 25 Metern mit verdrängbarem Boden geeignet.

Quelle: Adobe Stock / MIKHAIL

Beim Trenching kommt eine spezielle Fräsmaschine zum Einsatz, die mit einer Tiefe ab etwa 10 cm nur einen schmalen Graben zieht oder einkerbt (englisch to trench), um die Mikrorohre zu verlegen und die schmale Rinne dann gleich wieder zu verschließen. Dieses Verfahren ist besonders gut für Geh- und Radwege geeignet, unter bestimmten Umständen aber auch für Straßenflächen und unbefestigte Wege.

Bei der vielseitig einsetzbaren Horizontalspülung arbeitet sich ein HDD-Bohrer durchs Erdreich und umweltfreundlich auch an Wurzelwerk vorbei, womit dieses Verfahren zum Beispiel vorzugsweise bei Alleen und anderen Bereichen mit hohem Baumbestand zum Einsatz kommt. Gleiches gilt auch für Autobahnen, Bahndämme und steinige oder felsige Böden, die für den HDD-Bohrer auch kein Hindernis sind, weil er in der Lage ist, große Gesteinsbrocken zu zertrümmern.

Alternative Verlegeverfahren sind der Schlüssel

Mit diesen alternativen Verlegetechniken entsprechen die Aushub- und Kabelverlegearbeiten von Axians ganz den Prinzipien der drei Säulen der Nachhaltigkeit nach den ESG-Kriterien: Ökologie, Ökonomie und Soziales. Denn sie sind nicht nur umweltschonend und kostensparend, sondern tragen auch dazu bei, die Akzeptanz für Glasfaser und die Verlegung derselben in der Bevölkerung zu erhöhen.

Quelle: Axians Deutschland

B2B-Kunden, sprich die kommunalen oder überregionalen Netzbetreiber und Versorgungsunternehmen, haben damit mit Blick auf Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung einen weiteren Trumpf im Ärmel. Auch wirtschaftlich rechnen sich die alternativen Verlegetechniken, weil sie mit weit weniger Erdaushub und Grabenarbeiten verbunden sind. Die Anwohner:innen, die von den Plänen vielleicht anfangs gar nicht begeistert sind, können sich über deutlich weniger Bauzeit, Lärm, Verschmutzung und Verkehrsbeeinträchtigung freuen – sowie eine schnellere Bereitstellung ihrer neuen High-Speed-Verbindungen. Die umweltschonendere Glasfaserverlegung kommt natürlich auch der Tier- und Pflanzenwelt zugute. Und sie lässt sich auch dort realisieren, wo der klassische Grabenausbau an seine Grenzen stößt.

Das hat Axians bei einem Projekt in Sachsen bewiesen. Die besondere Herausforderung war dabei, dass das Erdreich auf der vorgesehenen Strecke sehr steinig war. Hinzu kamen sehr enge Straßen ohne Gehwege. Außerdem hat der Kunde auch die Anforderung gestellt, dass eine bestimmte Grabentiefe nicht überschritten werden darf. Die meisten der bestehenden Kabel in der ländlichen Region, für Strom etwa, verlaufen wegen der vielen historischen Bauten und engen Gassen überirdisch und nur die Wasser- und Abwasserleitungen unterirdisch.

Dank der von Axians eingesetzten Spülbohrung waren keine überbreiten Gräben erforderlich. Ein spezieller Bohrkopf konnte die Steine und Felsen im Erdreich mühelos zertrümmern. Ein Bodenaustausch wie mit dem klassischen Verfahren hatte sich damit auch erübrigt. Der Asphalt und die Straßen blieben weitestgehend unangetastet, was sich mit Einsparungen von Rohstoffen, Vermeidung von Bauschutt und durch kürzere Bauzeiten positiv bemerkbar machte, sowohl in der Kostenbilanz als auch in Bezug auf die Umwelt.

Wenn Sie mehr zum Breitbandausbau in Deutschland erfahren möchten, nehmen wir Sie gerne mit auf unsere Breitbandreise. Klicken Sie hier.

Quelle Titelbild: Adobe Stock | Christian Schwier

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