KI im Vorstand: warum nur 12 Prozent profitieren
Eva Mickler
6 Min. Lesezeit Die Vorstände investieren, doch die Rendite bleibt aus. In der aktuellen PwC-Befragung ...
10 Min. Lesezeit
Die Deloitte-Tech-Leadership-Studie listet 71 Prozent der Unternehmen mit fünf oder mehr Tech-Leadern im C-Level. Operator zum Orchestrator, sagt die Folie. Wer das Orchestrieren in Konzernen wirklich trägt, ist meist kein C-Level, sondern ein PMO. Und genau die Besetzung entscheidet, ob KI-Rollouts 2026 tragen.
Das Wichtigste in Kürze
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Die Deloitte-Studie 2026 trifft einen wahren Punkt. C-Level-Tech-Leadership ist fragmentierter als vor fünf Jahren. CIO, CDO, CISO, CAIO, Chief Digital Officer, Head of Data sitzen heute teilweise parallel im Vorstand oder Direktoreport. Was die Studie nicht sagt: Diese fünf Funktionen treffen sich operativ nicht auf C-Level. Sie treffen sich in den großen Programmen, und dort ist das PMO der Ort, an dem die Koordination zwischen ihnen entweder funktioniert oder zerbricht.
Ich habe in den letzten 18 Monaten drei KI-Rollouts in deutschen Konzernen begleitet, die als Vorstandsthema starteten. Alle drei hatten ein C-Level-Sponsorship-Setup, das in der Vorstandspräsentation gut aussah. Zwei davon sind in den letzten neun Monaten in der Programmphase eingeschlafen. Die Stelle, an der sie eingeschlafen sind, war jeweils das PMO. Nicht weil dort schlechte Leute saßen. Sondern weil das Mandat fehlte.
Ein Daily Standup dauert in den meisten Teams drei Minuten zu lange. Nicht sechzehn zu lange, drei. Genau das ist die Größenordnung, in der PMO-Reife sich entscheidet. Drei Minuten sind der Unterschied zwischen einem Treffen, das Entscheidungen produziert, und einem, das Statusberichte austauscht. In einem KI-Rollout multipliziert sich das schnell zu Wochen.
Diese Konstellation ist die häufigste. Das PMO wird in der Organisation als verlängerter Arm der Compliance- und Risikofunktion verortet. Sein Mandat besteht im Berichten, nicht im Entscheiden. Risk-Register werden gepflegt, RAID-Logs aktualisiert, Stage-Gate-Reviews vorbereitet. Wenn ein Stakeholder eine Anforderung nachschiebt, geht sie ins Backlog. Wenn ein Lieferant einen Liefertermin verschiebt, wird der Risk-Eintrag aktualisiert.
Risk-Register sind nutzlos, wenn sie aus Compliance-Gründen gepflegt werden. Sie werden zu Aktenordnern, in denen die offenen Themen sortiert werden, ohne dass eine Entscheidung erzwungen wird. In einer normalen Transformation kann eine solche Konstellation noch über zwei Jahre tragen. Im KI-Rollout 2026 nicht. Die Iterations-Geschwindigkeit ist so hoch, dass ein PMO, das nur sortiert, hinter jedem Sprint zurückbleibt.
Konkretes Beispiel aus einem mittelständischen Konzern, anonymisiert: Das PMO eines Energie-Versorgers hat in den ersten neun Monaten eines KI-Rollouts 47 Risk-Einträge aufgenommen und vier davon mit Eskalation an die Programmleitung abgeschlossen. Die anderen 43 wurden quartalsweise neu bewertet. Im neunten Monat hat ein Wirtschaftsprüfer das Programm besucht und gefragt, wer die 43 Einträge eigentlich entscheidet. Niemand wusste die Antwort. Die Programmleitung ging zwei Monate später.
Das PMO sitzt direkt unter dem CIO oder CAIO und macht das, was diese Funktion ihm sagt. Methodisch klingt das vernünftig: kurze Wege, klares Reporting, ein Sponsor. In der Praxis fehlt der Hebel, wenn der Rollout über die Grenze der CIO-Organisation hinausläuft. Und das tut er bei KI-Rollouts immer. Daten kommen aus den Fachbereichen, Compliance aus Recht, Change-Management aus HR, Budget aus Finanzen.
Wenn das PMO in dieser Konstellation einen Fachbereichs-Owner um Daten bittet, fragt der Fachbereichs-Owner zuerst seinen eigenen Vorgesetzten. Der Vorgesetzte hat selten Lust auf zusätzlichen Aufwand, und das PMO hat keinen direkten Eskalationsweg. Die Bitte versandet. Das PMO eskaliert an den CIO. Der CIO eskaliert an den Vorstand. Der Vorstand verweist auf das Programm-Sponsorship-Setup. Drei Wochen verloren, eine Anforderung nicht beantwortet.
Wenn niemand Nein zu einem Scope sagen kann, brauchst du kein PM-Tool. Du brauchst ein Gespräch. Und dieses Gespräch findet im PMO ohne Mandat nicht statt, weil das PMO nicht der Ort ist, an dem die Frage entschieden wird.
Diese Konstellation ist die heimtückischste, weil sie auf den ersten Blick gesund aussieht. Das PMO hat ein Mandat, ein Budget, einen direkten Berichtsweg zum CFO oder COO. Was ihm fehlt, ist die Befugnis, Methoden in der Organisation verbindlich zu setzen. Jedes Teilprojekt wählt seine eigene Vorgehensweise. Eines arbeitet nach SAFe, eines nach Disciplined Agile, eines nach klassischem Wasserfall, eines nach intern definiertem Hybrid-Modell.
Methodisch ist das nicht falsch, lehrbuchgetreu sogar zeitgemäß. In der Praxis verhindert es jede Cross-Workstream-Steuerung. Ein KI-Rollout, der gleichzeitig Datenpipelines aus drei Fachbereichen, eine MLOps-Plattform, eine Governance-Schicht und ein Modell-Risk-Management braucht, lässt sich mit vier verschiedenen Vorgehensweisen nicht koordinieren. Nicht weil Methoden falsch wären, sondern weil die Übergaben zwischen ihnen zu teuer werden.
Die häufigste Transformation, die ich gesehen habe, ist die, die nach zwei Jahren aussieht wie die alte Organisation mit neuen Rollen-Titeln. Genau das produziert Konstellation 3 zuverlässig: viel Methodenvielfalt, wenig Koordination, am Ende ein Rollout, der formal lebt und faktisch von Einzel-Workstreams getragen wird.
In KI-Rollouts mit klarer Cross-Funktional-Reichweite an einen Programm-Sponsor, der quer zum CIO sitzt. CFO oder COO sind die häufigsten Stellen, die mandatsstark genug sind. Berichtswege direkt an den CIO funktionieren nur, wenn der CIO selbst den Cross-Funktional-Hebel im Vorstand hat. Das ist 2026 in vielen Konzernen nicht mehr der Default.
Keine davon vollständig. Funktionierende KI-Rollouts kombinieren in der Regel ein stabiles Stage-Gate-Gerüst für die regulatorisch heiklen Übergaben mit agilen Iterations-Zyklen in den Modell- und Daten-Workstreams. Wer eine reine Methode durchzieht, bezahlt das spätestens beim Modell-Risk-Management oder im Compliance-Audit.
Wenn die Quote der Programm-Entscheidungen, die im PMO fallen, unter 30 Prozent rutscht und über mehrere Sprints stabil bleibt. Das ist nicht in einer Reife-Phase normal, sondern ein Indikator, dass das PMO seine Steuerungsrolle verloren hat. Spätestens dann ist die Frage, ob das PMO oder das Mandat das Problem ist. Beides austauschen ist meistens billiger als beides leiden lassen.
Kleiner als die meisten Programme planen. In den drei Rollouts, die ich gesehen habe, lag die funktionale Untergrenze bei fünf Vollzeitäquivalenten: ein Programm-Manager, ein Methoden-Owner, ein Stakeholder-Coordinator, ein Reporting-Owner und ein Quality-Verantwortlicher. Größer wird das PMO erst sinnvoll, wenn pro Workstream eigene Sub-PMOs sitzen und die zentrale Stelle nur noch koordiniert.
Der CAIO definiert die KI-Strategie und entscheidet über Modell-Portfolio, Datenpolitik und Use-Case-Priorisierung. Das PMO trägt die Programm-Durchführung. Wenn beide Funktionen vermischen, kollabiert eine davon. Funktioniert es, hat der CAIO im PMO einen klar definierten Eskalations- und Entscheidungs-Korridor, nicht eine Tagesgeschäfts-Rolle.
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Bildquelle: Titelbild KI-generiert (Mai 2026), C2PA-Zertifikat hinterlegt.
Bilder im Artikel: KI-generiert (Mai 2026)
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