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Smart City: Mit Wissenstransfer von Leuchttürmen zu Lichtermeer?

Es brauche ein Lichtermeer und nicht länger nur einzelne Leuchtturmprojekte, um Smart City in Deutschland voranzubringen, hat der Städtetag Mitte 2022 gefordert. Wissenstransfer soll nun Teil der Lösung sein, um künftigen Herausforderungen besser begegnen zu können.

Manche Weltstädte sind in puncto Smart City schon weiter und haben so wie Singapur, Tokio und London den Takt angegeben. In Deutschland gibt es abgesehen von Berlin, Hamburg, München und Köln aber so gut wie keine Millionenstädte, womit der Druck vielleicht auch nicht so groß ist, die Infrastruktur und vor allem die Verkehrsführung zu digitalisieren.

Dennoch zeigt ein vom Branchenverband Bitkom 2021 veröffentlichtes Smart City Ranking, dass es keineswegs nur die Millionenmetropolen sind, die in dem Bereich gut sind oder gut aufholen. Hamburg und Köln sind dabei mit rund 88 und 79 Punkten zwar immer noch vorn, aber Karlsruhe, mit nur etwas mehr als 306.000 Einwohnern noch nicht mal unter den Top 20 in Deutschland, hat sich mit 73 Zählern vor München gesetzt. Die selbst ernannte Weltstadt mit Herz ist sogar um zwei Punkte abgerutscht. Dresden und Bochum haben dagegen auf den Plätzen 6 und 7 am meisten zugelegt, Darmstadt konnte sich mit Ach und Krach auf Platz 5 halten.

73 geförderte Städte sind noch nicht die Welt

So viel vorab. Wie der Berliner Tagesspiegel aus einem Positionspapier des Deutschen Städtetages von Ende Juni 2022 zitiert, brauche es ein Lichtermeer statt Leuchttürme über Deutschland, um die Entwicklung von Smart Cities in Deutschland voranzutreiben und die Bundesrepublik zum Vorreiter der digitalen urbanen Infrastruktur zu machen. Denn bisher gibt es nur 73 Modellprojekte Smart Cities (MPSC), die aktuell aus einem mit 820 Millionen Euro gefüllten Fördertopf schöpfen können. Von einer Flächendeckung kann damit noch lange keine Rede sein.

Der Forderungskatalog des Städtetags in dem Positionspapier beinhaltet unter anderem die Schaffung eines Ökosystems für die übergreifende Zusammenarbeit, die Vernetzung und Nachnutzung sowie die Qualifizierung, um so den Kulturwandel voranzutreiben.

Mehr Wissenstransfer durch Koordinierungs- und Transferstelle KTS

Die kurz KTS genannte Koordinierungsstelle- und Transferstelle Smart Cities soll das ändern und den Wissenstransfer organisieren. Es handelt sich dabei um ein Konsortium aus verschiedenen Wissenschaftseinrichtungen und Institutionen. Dazu gehören die Agentur Creative Climate Cities, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu), die die Fraunhofer Gesellschaft und das Wirtschaftsforschungsunternehmen Prognos AG.

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Bei der KTS handelt es sich um ein Konsortium aus verschiedenen Wissenschaftseinrichtungen und Institutionen (Quelle: Adobe stock / priyanka).

Laut Tagesspiegel ist nach einigen Regionalkonferenzen auch schon eine Wissens- und Vernetzungsplattform geplant.

Das jetzt gestartete KTS-Programm für Wissenstransfer und Vernetzung richtet sich direkt an bisher nicht geförderte Städte, Kommunen und Gemeinden. Der Name des Programm ist selbst Programm, er lautet nämlich Start Smart. Jens Freudenberg, Referent im Bundesbauministerium, bezeichnet das als „nächsten Schritt im Wissenstransfer. Federführend dafür verantwortlich sein sollen der DLR und die Agentur Urban Catalyst. Und Start Smart besteht als Programm aus drei Bausteinen oder Säulen. Diese sind Initialberatung für die Strategieentwicklung, vertiefende Themenwerkstätten und ein sogenanntes Peer Learning oder kollegiales Lernen.

Von Initialberatung bis Peer Learnings

Die Initialberatung hat im Juli 2022 schon begonnen und beinhaltet für alle Kommunen, die sich dafür interessieren, kostenlose Beratungsgespräche und jeweils einen halbtägigen Strategie-Workshop. Insgesamt sind laut KTS in diesem Jahr noch rund 65 Beratungen geplant, realistischer sind wohl 55. Ziel soll es aber sein, allen interessierten Kommunen Beratungen anzubieten.

Bei den Themenwerkstätten soll es darum gehen, die Strategiebildung und das Monitoring zu vertiefen, bei den ab August 2022 startenden Peer Learnings in Gruppen von drei bis fünf Kommunen Teams zu bilden, Wissen auszutauschen und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.

Die Kickoff-Veranstaltung zu Start Smart hat aber gezeigt, dass bei den bisher nicht geförderten Kommunen noch viele Fragen offen sind. Die der Finanzierung und politischen Ressourcen gehört dazu ebenso wie die Frage, wie die Kommunen ein breites Verständnis von Smart Cities entwickeln können. Hilfestellung können und sollen dabei laut Tagesspiegel die bereits geförderten MPSC-Kommunen bieten, um so auch den Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch voranzutreiben. Im September 2022 soll auch eine von der Universität Speyer entwickelte und angebotene Smart City Academy ihren Betrieb aufnehmen, um in vier bis fünf Tage dauernden Seminaren Wissen aufzubauen und einzelne Themen noch zu vertiefen.

Bamberg, Berlin und Köln „leuchten“ schon

Auf der Webseite des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) unter Smart City Dialog findet sich ein Video mit einigen MPSC-Leuchtturmprojekten. Das fängt an mit Bamberg, seit 1993 Weltkulturerbe-Stadt. Diese ist trotz des viel gerühmten historischen Stadtkerns sehr stark von der Automobilindustrie abhängig. Wie Dr. Stefan Goller, der zuständige Referent, in dem Video sagt, sollte Technik nur Mittel zum Zweck sein, um die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger nachhaltig zu verbessern. Sascha Götz, Programmleiter Smart City Bamberg, betont aber auch, dass man als Kommunen aber auch zusammenstehen und sich gegenseitig helfen wolle. Die Strategie der Stadt mit starker Bürgerbeteiligung beinhaltete unter anderem Erhalt und das Weitertragen des UNESCO-Welterbes durch Schaffung eines digitalen Zwillings, in dem alle historischen Fakten zu Bamberg vereint sind.

Bamberg, Berlin und Köln sind bereits sehr weit mit ihren Smart-City-Projekten (Quelle: Adobe stock / ZinetroN).

Berlin ist mit vielen Startups als Modellstadt schon sehr weit mit privaten und städtischen Smart-City-Projekten, hat aber auch die Vision, dass nicht Technologie die Stadt treiben soll, Digitalisierung ihr aber helfen soll, die Metropole menschengerechter zu gestalten. Der Schwerpunkt soll daher auf einem

Handlungsrahmen liegen, um Wirtschaft, Gemeinwohl, Zivilgesellschaft, soziale Gerechtigkeit und Resilienz und andere Themen in Einklang zu bringen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Köln ist da mit der sogenannten un:box cologne etwas konkreter und hat unter anderem schon über 100 Dialoge und mehr als 50 Projekte angestoßen. Die fünf genannten Maßnahmen ein Kommunikationskonzept für die dauerhafte Ansprache der Stadtgesellschaft, die Einrichtung stationären, mobiler und digitaler Begegnungsräume, das Anstoßen von Dialogen und Prozessen, die Definition von Kriterien für der Vergabe eines un:box-Siegels und die Sicherstellung der Datensouveränität durch das parallel entwickelte Datenökosystem.

Mehr zum Thema Smart City sowie dazu, wie VINCI Energies, Axians und andere VINCI-Tochterunternehmen an der Planung und Umsetzung mitwirken, erfahren Sie bei Digital Chiefs in der Kategorie Smart City & Smart Industry.

Quelle Titelbild: Adobe Stock / sutlafk

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