Smart Grids & Smart Meter: Netzintelligenz für die Energiewende

Smart Meter haben, auch bedingt durch steigende Energiekosten und Transparenzwünschen der Nutzenden, Hochkonjunktur. Die intelligenten Stromnetz, wie sie die deutsche Bundesregierung jetzt voranbringen will, fundamentaler Teil der Energiewende.

Als Cisco 2009 für Smart Grids, intelligente Stromnetze, weltweit auf Partnersuche ging, hatte der Netzwerkriese Zigmilliarden-Umsätzen und einem Zukunftsmarkt prognostiziert.

Planspiele sahen vor, dass E-Autos als fahrende Batterien unterwegs sein sollten, die mit billigem Nachtstrom aufgeladen den tagsüber nicht verbrauchten Strom wieder ins Netz speisen sollten, von Waschmaschinen, die sich selbsttätig in Gang setzen, wenn der Strom am günstigsten ist.

Bei Smart Grids liegt der Fokus des elektrischen Versorgungssystems auf der regelungstechnischen Steuerung. Quelle Bild: Adobe Stock / graphixmania

Vieles blieb bei solchen Planspielen, weshalb es etwas still geworden ist um Smart Grids. Eine neue Studie von TMR Research wittert jetzt allerdings schon einen Weltmarkt, der bis 2031 um jährlich 17,8 Prozent auf ein Volumen von dann 845,6 Milliarden Dollar anwachsen soll.

Es fehlt noch an so manchem

In Wirklichkeit fehlt es aber bis heute an flexiblen Tarifen und Haushaltsgeräten, die die jeweils günstigste Zeit abpassen, um sich in Gang zu setzen. Hinzu kam eine lange Planungsphase um die Einbaupflicht von intelligenten Zählern, sogenannten Smart Meter. Eigentlich sollten sie 2020 für Neu- und Sanierungsbauten und Privathäusern mit einem Verbrauch von 6.000 kWh im Jahr schon vorgeschrieben sein. Nach Plänen der deutschen Ampelkoalition soll sich hier jetzt etwas ändern und Bewegung ins Geschehen kommen, um den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben.

Nach Plänen der deutschen Ampelkoalition sollen Smart Meter bald vorgeschrieben sein. Quelle Bild: Adobe Stock / Paul

Tatsächlich geht das Ganze auf EU-Pläne von 2006 zurück, wobei man damals auch schon die regenerativen Energiequellen Wind, Wasser und Sonne im Blick. hatte Die Crux ist nämlich, dass diese „unzuverlässige Gesellen“ sind, an manchen Tagen oder zu manchen Stunden gar keinen Strom liefern, an manchen zu viel des Guten, was später unter anderem zur Folge haben sollte, dass Versorgungsbetriebe teilweise sogar noch draufbezahlen, wenn Österreich mit seinen vielen Pumpspeicherwerken die überflüssigen Strommengen abnimmt. In Deutschland fehlt es dafür noch an ausreichend Infrastruktur. Und so erlebt man in Norddeutschland oft, dass sich an eigentlichen idealen Tagen kein einziges Windrad dreht. Das soll sich nun ändern.

Energiewende-Wundermittel sollen sie sein

Wichtig für die Energieversorger und für die Bundesnetzagentur ist vor allem erstmal stundenaktuell herauszufinden, wann Stromspitzen und Stromflauten sind. Man kann sich natürlich denken, dass abends um 18 oder 19 Uhr, wenn jeder nach Hause kommt, das Licht, den Fernseher und die Waschmaschine einschaltet, der größte Strombedarf ist. Aber wenn viel oder gar zu viel Wind- oder Sonnenenergie eingespeist wird, kann das die Stromversorgung und vor allem die Planung derselben im wahrsten Sinne des Wortes ganz schön durcheinanderwirbeln.

Daher rührt der Wind, dass die Bundesregierung nun Gas geben will bei Smart Grids. Das Bundeskabinett hat Anfang 2023 nun einen Gesetzesentwurf zum Neustart der Energiewende vorgelegt, der bis 2032 den Einbau intelligenter Zähler verbindlich machen soll.

Spätestens in zwei Jahren, 2025 also, sollen alle Konsument:innen Smart Meter nutzen können, um zum Beispiel ihren Stromverbrauch tages- oder stundenaktuell über eine Smartphone App überprüfen und schauen zu können, wo sie diesen senken können.

In spätestens zwei Jahren, sollen Konsument:innen mittels Smartphone App ihren aktuellen Stromverbrauch überprüfen können. Quelle Bild: Adobe Stock / cunaplus

Stromversorger sind aber nur verpflichtet, ihren Kund:innen intelligente Messsysteme und einen dynamischen Tarif anzubieten, wenn sie mehr als 100.000 Verbraucher beliefern. Aber auch das soll sich bis 2025 ändern, wonach Abnehmer:innen dann auf solche flexiblen Tarife Anspruch hätten.

Wo bleibt die IT- und OT-Sicherheit?

Was die meist noch fehlende automatische Selbstinbetriebnahme von Wasch- oder Geschirrspülmaschinen angeht, wir es nur eine Frage der Zeit sein, bis sich das bei Neugeräten durchsetzt. Angesichts der möglichen Schäden, die von per Smart Home angebunden Geräten ausgehen können, wird es noch so manchen Bedarf geben, an der Sicherheit zu schrauben, ebenso natürlich auch am Datenschutz.

Vor 20 Jahren etwa, als Hersteller die ersten Großgeräte mit Netzanbindung vorstellten, kamen schnell Expert:innen daher, die vor spionierenden Kühlschränken und Backöfen warnten, die remote gesteuert ein Haus in Brand setzen könnten. Bisher hört und liest man von solchen Vorfällen recht wenig, aber die Hersteller der Weiße-Ware-Industrie tun gut daran, sich mit Spezialisten wie Axians oder Actemium zusammenzutun. Denn die beiden VINCI-Tochterunternehmen haben so wie VINCI Energies selbst reiche Erfahrungen im Bereich der IT- und OT-Sicherheit bei Realisierung von IoT-Projekten in der Industrie so wie auch bei der Umsetzung von Smart-City-Projekten mit ähnlich gelagerten und vielfach noch strengeren Sicherheitsanforderungen.

Quelle Titelbild: Adobe Stock / supakitmod

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