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Ist Smart Home ein Vorreiter von Smart Business?

Das Smart Home ist ein Trendthema und bei vielen Early Adopters beliebt. Aber im Gesamtmarkt gibt es noch viele Hindernisse und nicht alles, was neu ist, ist wirklich sinnvoll.

Das Internet der Dinge (IoT) sollte nicht nur Unternehmen voranbringen, sondern als Smart Home auch das Leben jedes Einzelnen verändern. Es könnte ja auch so schön sein, wenn alles im Haus oder der Wohnung vollautomatisch abläuft und die lästige Hausarbeit komplett überflüssig wird.

Aber, so Paul Miller, Chefanalyst beim Marktforschungsunternehmen Forrester, „das Smart Home wurde von Anbietern, Analysten und den Medien massiv überbewertet. Die Vision war, dass man in sein Haus geht und mit ihm spricht. Anschließend sollen alle Geräte im Haus untereinander kommunizieren. Das ist nicht passiert.“

Bereits 2015 prognostizierte das Analystenhaus Gartner, dass es im Jahr 2020 fast 21 Milliarden IoT-Geräte (ohne Smartphones, Tablets und Computer) geben wird und 13,5 Milliarden davon Verbrauchergeräte sein werden. Konkurrenten machten sogar noch größere Prognosen, wobei IHS Markit fast 31 Milliarden IoT-Geräte erwartete.

Aber mittlerweile hat Gartner die Verfolgung von Smart-Home-Geräten aufgegeben und konzentriert sich stattdessen auf IoT für industrielle Anwendungen.

Smart Speaker dominieren

Es gibt eigentlich nur ein Gerät, das sich wirklich durchgesetzt hat: Die Hälfte aller Smart-Home-Geräte sind smarte Lautsprecher. Amazon Echo Studio, Apple HomePod, Google Home Max und Sonos One sind erschwinglich und gehorchen aufs Wort. Sie sind zentrale Steuerungselemente, wenn sie mit dem Smartphone verbunden sind.

Vor allem smarte Lautsprecher dominieren den Markt an Smart-Home-Geräten. Quelle: iStock / Vertigo3d

Nicht nur Privatleute, auch Hotels haben mittlerweile die Erfahrung gemacht, dass Smart Speaker ausreichen und dass eine weitergehende Vernetzung aller Geräte überflüssig ist.

Enttäuschte Nerds

Viele Tech-Nerds haben Rückschläge hinnehmen müssen, wenn sie angesagte Smart-Home-Geräte angeschafft haben. Ein Lieblingsärgernis der Early Adopters ist, dass viele smarte Geräte nach einer Weile nicht mehr funktionieren.

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Viele Verbraucher sind sich unsicher, ob das Preis-Leistungs-Verhältnis von Smart-Home-Geräten stimmt. Quelle: iStock /alvarez

„Es spielt keine Rolle, wie groß die Firma hinter einem mit dem Internet verbundenen System ist, man ist immer auf ihre Gnade angewiesen, um die Server am Laufen zu halten. Wenn die Firma das Geschäft aufgibt, aufgekauft wird oder einfach die Server nicht mehr betreiben will, hat man einen Ziegelstein“, berichtet Smart-Home-Spezialist Foone Turing, Continuous Integrationist bei Backblaze Cloud Storage & Backup.

Intelligente Glühbirnen werden ebenfalls als teuer und nicht essenziell angesehen. „Den Kunden wurde die Vision geboten, Ihr Licht automatisch zu steuern, aber eigentlich gibt es einen perfekt funktionierenden Lichtschalter an der Wand“, sagt Paul Miller von Forrester.

Hohe Preise schrecken ab

„Der Wert des Smart Home ist für viele Verbraucher immer noch unsicher, und Geräte und Dienste werden häufig als zu teuer angesehen“, erklärt Adam Wright. „Tatsächlich zeigt unsere 2020 U.S. Smart Home Survey, dass das Preisleistungsverhältnis das überwältigende Haupthindernis für die Smart-Home-Akzeptanz ist. Mehr als 46 Prozent der Befragten gaben an, dass dies der Grund dafür ist, warum sie derzeit kein Smart-Home-Gerät besitzen oder nutzen und es unwahrscheinlich ist, dass sie dies in den nächsten 12 Monaten tun werden.“

In welchen Bereichen nutzen Sie bereits IoT-Geräte?

Mangelnde Kooperation zwischen Herstellern und fehlende Sicherheit

Ein weiteres Hindernis sind die fehlenden Standards, die es schwer machen, die Geräte verschiedener Hersteller miteinander zu vernetzen. Zudem „schlampen“ viele Anbieter, vor allem aus dem asiatischen Raum, bei der Sicherheit. Dass Smart-Home-Geräte werksseitig entweder ganz ohne oder nur mit primitiven Passwörtern wie „1234“ ausgeliefert werden, sorgt bei vielen Security-Experten für Kopfzerbrechen.

„Als Miele und Co. um 2000 die ersten Haushaltsgeräte vorstellten, die sich als IoT-Vorboten von der Ferne aus auslesen und steuern ließen, war ich erstmal fasziniert. Gleichzeitig schrillten bei mir aber auch sofort die Alarmglocken, wie angreifbar solche Smart-Home-Szenarien sind“, erläutert Alain De Pauw, Managing Director Axians IT Security Germany, im Beitrag „So schützen Sie wirksam Ihre Industrieanlagen“.

Schnittpunkte zwischen B2C und B2B

Smart Home ist ursprünglich ein Consumer-Thema. Dennoch gibt es zur Business-Welt einige Anknüpfungspunkte. Vor allem junge Leute bringen ihre privaten Geräte und Erfahrungen in die Unternehmen ein. Sie erwarten, dass alles im Unternehmen so einfach funktioniert wie zu Hause.

Obwohl Endverbraucher sicherlich der Zielmarkt für viele IoT-Geräte sind, erzählen Statistiken eine etwas andere Geschichte. So berichtet Gartner, dass 63 % der im Jahr 2017 verwendeten IoT-Geräte im Besitz von Verbrauchern waren, aber es waren Unternehmen, die 57 % der Gesamtausgaben für IoT-Technologie beisteuerten.

Es gibt auch einige Geräte, die viele Verbraucher einfach nicht kaufen können, da die Kosten für diese Geräte außergewöhnlich hoch sind. Nehmen Sie zum Beispiel intelligente Geräte, die für Gesundheit und Fitness gedacht sind. IoT-Fitnessgeräte haben einen sehr hohen Preis, viel zu hoch für den durchschnittlichen Anwender, aber nicht zu hoch für abonnementbasierte Unternehmen wie Fitnessstudios.

Im Gesundheitswesen könnte zum Beispiel die Altenpflege von Smart Home Konzepten profitieren, um den Patienten ein besseres Lebensgefühl zu bieten. Die Beleuchtung von Wegen, Bewegungssensoren und Technologien sorgen für ein besseres persönliches Erlebnis. Patienten können sich mit Ärzten oder der Verwaltung des Gesundheitswesens verbinden, damit sie Echtzeitdaten erhalten.

Smart-Home im Gesundheitswesen von Vorteil
Die Altenpflege könnte von Smart-Home-Geräten profitieren. Quelle: iStock / deimagine

Das hilft dabei, die Antworten auf Fragen zu erfahren wie: Sind sie dort, wo sie sein sollen? Gibt es irgendetwas, was in einem Raum seltsam ist? Das könnte zum Beispiel ein panisches Suchen sein, was ein Hinweis auf Alzheimer sein könnte.

Sinnvolle Anwendungen

Das Smart Home wird kommen, aber später und in anderer Form als erwartet. Nicht nur Smart Speaker sind sinnvoll, auch Saugroboter und intelligente Alarmanlagen können das Leben erleichtern. In kleineren Unternehmen können Smart Home Geräte die Rolle von B2B-Devices durchaus ausfüllen, wenn auch mit einigen Einschränkungen. Ferngesteuerte Überwachungskameras können im Gebäudeschutz außen montiert Einbrecher effektiv abschrecken.

Aber Vorsicht, wenn es darum geht, innerhalb von Gebäuden die eigenen Mitarbeiter mittels Videokameras zu überwachen, wie es in den USA alltäglich ist. Sobald solch ein Fall bekannt wird, kann das für Unternehmen schnell ungemütlich werden und auch Geldbuße zur Folge haben.

In Zukunft werden sich weitere neue nützliche Einsatzmöglichkeiten auftun und die gewünschte Konvergenz zwischen dem privaten und dem industriellen Internet der Dinge wird sich allmählich einstellen.

Quelle Titelbild: iStock / alvarez

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