11.09.2026
4 Min. Lesezeit

Die Bundeskanzlei in Bern hat am 2. September 2026 nach einer Machbarkeitsstudie ein Folgeprogramm gestartet. Rund 3000 Beschäftigte in kritischen Abläufen sollen ab Ende 2027 die Open-Source-Suite openDesk nutzen. Offen bleibt, ob der Bund danach weitere Arbeitsplätze umstellt, denn viele Fachanwendungen sind eng an die Microsoft-Architektur gebunden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Bundeskanzlei startet ein Programm für einen souveränen Arbeitsplatz. Rund 3000 Beschäftigte sollen ab Ende 2027 openDesk nutzen.
  • Die erste Phase kostet schätzungsweise 9 Millionen Franken. Das Parlament hat die Mittel für eine Schweizer Open-Source-Plattform beschlossen.
  • Die Suite kommt vom deutschen ZenDiS. Collabora, Nextcloud und Open-Xchange liegen unter einer Oberfläche.
  • Microsoft 365 bleibt in der Pilotphase parallel verfügbar. Über einen Umstieg weiterer Arbeitsplätze entscheidet der Bund erst nach der Auswertung.

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Was ist openDesk? openDesk ist eine Bürosoftware-Suite aus Open-Source-Bausteinen, die das deutsche Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS) für Verwaltungen zusammenstellt. Sie läuft im Browser und bündelt Dokumente, Mail, Kalender, Chat und Videokonferenz unter einer Oberfläche.

Bundeskanzlei hält den Open-Source-Arbeitsplatz für machbar

Die Bundeskanzlei hat am 2. September 2026 mitgeteilt, dass der digitale Arbeitsplatz der Bundesverwaltung mit Open-Source-Software grundsätzlich funktionieren kann. Der Bundesrat wurde in seiner Sitzung desselben Tages über die Ergebnisse informiert. Gestützt darauf startet die Kanzlei ein weiterführendes Programm.

Rund 3000 Beschäftigte aus verschiedenen Departementen und der Bundeskanzlei sollen ab Ende 2027 eine souveräne Arbeitsplatzsoftware mit Office-Kernfunktionen nutzen. Die Kanzlei wählt dafür Personen in besonders kritischen Geschäftsprozessen aus. Die Schätzung für diese erste Phase liegt bei 9 Millionen Franken.

Die Finanzierung kommt aus Mitteln, die das Parlament für eine souveräne Schweizer Open-Source-Plattform der Büroautomation beschlossen hat. 9 Millionen Franken sind knapp 10 Millionen Euro.

openDesk kommt aus einer deutschen Staatsfirma

Die Suite heißt openDesk und stammt vom Zentrum für Digitale Souveränität, ZenDiS, einer GmbH im Besitz der öffentlichen Hand in Deutschland. Der Bund in Bern übernimmt ein Produkt, das in Schleswig-Holstein bereits läuft, statt eine eigene Bürosoftware zu schreiben.

Im Browser liegen Dokumentbearbeitung, Mail, Kalender, Dateiablage, Projekte, Wiki, Chat und Konferenz unter einer Oberfläche. Texte und Tabellen laufen über Collabora Online, Mail und Kalender über Open-Xchange, Dateien liegen in Nextcloud. Projekte plant OpenProject, Wissen liegt in XWiki, der Chat läuft über Element, Videokonferenzen über Jitsi in der Fassung von Nordeck. Univention verwaltet die Identitäten.

Das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation baute im Machbarkeitsnachweis eine Umgebung auf der Containerplattform Red Hat OpenShift. Getestet wurden drei Zugänge: der Browser auf dem Standard-Büroclient, ein vollwertiger Linux-Arbeitsplatzrechner und ein virtueller Linux-Client unter Microsoft Hyper-V. Offline-Fähigkeit war ein eigenes Prüfkriterium.

3000 Beschäftigte
geplante Nutzer einer souveränen Bürosoftware ab Ende 2027, Kosten erste Phase rund 9 Millionen Franken
Bundeskanzlei-Communiqué, 2. September 2026

Der PoC bewertet Kernfunktionen positiv, Videokonferenz schwächer

Die Machbarkeitsstudie PoC BOSS hat die Frage gestellt, ob eine unabhängige Open-Source-Büroautomation kritische Abläufe auch im Krisenfall stützt. Gleichzeitig prüfte sie, ob ein Ausstieg aus Microsoft 365 in der Bundesverwaltung überhaupt denkbar ist. Die Antwort der Kanzlei lautet grundsätzlich Ja.

Der User-Acceptance-Test in den Beilagen bewertet Kernfunktionen wie gemeinsame Dokumente und Dateiablage klar positiv. Videokonferenz und Notizen liegen tiefer. Das ist der Zielkonflikt: Wer Mail und Text aus der US-Cloud holen will, findet in openDesk eine belastbare Alternative. Wer große Videokonferenzen als Standard erwartet, findet in denselben Berichten die schwächere Stelle.

Die Pilotphase lässt openDesk neben Microsoft 365 laufen. Fällt die US-Suite aus, bleibt ein zweiter Pfad. Ersetzt der Bund die Suite vollständig, entscheidet er das erst nach der Auswertung der Pilotphase.

Schleswig-Holstein ist der Nachbar mit Vorsprung

The Register berichtet, dass Schleswig-Holstein als erstes deutsches Land auf openDesk umstellt und Mecklenburg-Vorpommern nachzieht. Bern übernimmt damit eine Suite, die in öffentlichen Verwaltungen schon läuft.

Die Schweizer Armee geht laut Register schneller vor. Das Cyber Command soll Microsoft 365 bis Oktober 2026 durch openDesk ersetzen. Das ist ein eigener Zeitplan der Armee. Für die zivilen 3000 Plätze gilt weiter das Ende des Jahres 2027.

Als einen Auslöser nennt The Register einen Vorfall im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten, bei dem klassifizierte Dokumente in einer Microsoft-Cloud lagen. Die Bundeskanzlei begründet das Programm dagegen mit Souveränität und Handlungsfähigkeit im Krisenfall.

Was der Schweizer Schritt an der Suite ändert

3000 Plätze sind ein Pilot und noch kein Vollumstieg. Scheitert die Phase, bleibt Microsoft 365 der Standard. Gelingt sie, steht ab Ende 2027 die Entscheidung über die übrigen Arbeitsplätze an.

Eine Landesverwaltung in Deutschland erhält damit einen Referenzpunkt, weil ein zweiter Staat dieselbe Suite vom selben Hersteller mit einem eigenen Machbarkeitsnachweis geprüft hat. Der Einkauf kann Verfügbarkeit, Offline-Betrieb und Videokonferenz an den Schweizer Beilagen messen statt nur an einer Herstellerfolie.

Offen bleibt, welche Fachverfahren an Microsoft-Identität und Teams-Anbindung gebunden sind. Die Kanzlei nennt die zahlreichen Applikationen mit enger Bindung an die Microsoft-Architektur selbst als größte Herausforderung. An genau dieser Bindung entscheidet sich ein flächendeckender Wechsel. Der Pilot mit 3000 Plätzen umgeht sie, indem er kritische Prozesse zuerst nimmt.

Häufig gestellte Fragen

Ersetzt der Bund Microsoft 365 vollständig?

In dieser Phase nicht. Rund 3000 Beschäftigte in kritischen Abläufen sollen ab Ende 2027 openDesk nutzen. Microsoft 365 bleibt parallel verfügbar. Eine Entscheidung über die restliche Flotte steht erst nach der Auswertung.

Was kostet der erste Schritt?

Die Bundeskanzlei schätzt 9 Millionen Franken, umgerechnet rund 9,6 Millionen Euro. Das Parlament hat die Mittel für eine souveräne Open-Source-Plattform der Büroautomation beschlossen.

Wer liefert die Software?

openDesk kommt vom deutschen ZenDiS, einer GmbH der öffentlichen Hand. Collabora, Nextcloud, Open-Xchange und weitere Open-Source-Produkte liegen unter einer Oberfläche. Das BIT hat den PoC auf Red Hat OpenShift betrieben.

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Bildquelle: KI-generiert (September 2026)

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