Wie man Open Source ausbremst, ohne es zu verbieten
Benedikt Langer
6 Min. Lesezeit Das schärfste Argument gegen Chinas beste offene KI kommt von einem Mann bei OpenAI. ...
Eine VMware-Rechnung von 500.000 Euro im Jahr wird unter Broadcom zu zwei Millionen. Solche Sprünge sind seit der Übernahme keine Ausnahme mehr, sondern die neue Verhandlungsbasis. Für die IT-Führung ist das mehr als eine Kostenfrage. Es ist die Abrechnung für jahrelange Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter, und die Frage, was es kostet, da wieder herauszukommen.
Das Wichtigste in Kürze
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Die Zahlen, die seit der Broadcom-Übernahme aus den Verlängerungsgesprächen dringen, sind keine Randerscheinung. Berichtet werden Aufschläge von 300 Prozent bis über das Zehnfache, je nach Altvertrag und Lizenzmodell. Ein Mittelständler mit einer sechsstelligen VMware-Rechnung sieht plötzlich eine siebenstellige, ein Konzern mit Tausenden Lizenzen einen Millionenbetrag obendrauf. Und die jährlichen Steigerungen von zehn bis zwanzig Prozent danach sind bereits eingepreist.
Hinzu kommt die Umstellung der Lizenzlogik. Broadcom hat das Portfolio auf wenige Bundles eingedampft und Mindestabnahmen eingeführt, zeitweise eine Untergrenze von 72 Kernen pro Vertrag. Wer kleiner ist, zahlt trotzdem dafür. Das verschiebt die Rechnung für viele mittelgroße Umgebungen besonders stark, weil sie für Kapazität bezahlen, die sie nie nutzen.
Für die IT-Führung heißt das: Die VMware-Position ist über Nacht von einem kalkulierbaren Betriebsposten zu einem strategischen Risiko geworden. Sie taucht jetzt im Risikobericht auf, nicht nur im IT-Budget.
Was ist Vendor-Lock-in? Vendor-Lock-in beschreibt die Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter, dessen Lösung tief in die eigenen Prozesse eingebaut ist. Ein Wechsel wäre technisch und organisatorisch so aufwendig, dass der Anbieter Preise und Bedingungen weitgehend diktieren kann. Genau diese Position nutzt Broadcom bei VMware konsequent aus.
Die naheliegende Reaktion auf eine Schock-Rechnung ist, sie zähneknirschend zu zahlen und auf bessere Zeiten zu hoffen. Genau das ist die schlechteste Strategie. Wer ohne Alternative verlängert, signalisiert dem Anbieter, dass die Abhängigkeit hält, und liefert sich den nächsten Steigerungsrunden aus.
Die Gegenposition ist Vorbereitung. Unternehmen, die mit einer belastbaren Alternative ins Verlängerungsgespräch gehen, erzielen nach übereinstimmenden Marktbeobachtungen deutlich bessere Abschlüsse als jene, die reaktiv unterschreiben. Entscheidend ist die glaubwürdige Möglichkeit, gehen zu können, und die entsteht nur durch echte Vorarbeit. Eine bloße Behauptung am Tisch durchschaut der Anbieter sofort.
Forrester rechnet damit, dass rund jeder fünfte VMware-Kunde die Migration tatsächlich beginnt. Für den CIO bedeutet das zweierlei: Der Wechsel ist machbar, sonst täten ihn nicht so viele. Und der eigene Anbieter weiß das ebenfalls, was den Verhandlungsspielraum für vorbereitete Kunden öffnet.
Zwischen blindem Verlängern und überstürztem Komplettumzug liegt ein breites Feld. Die Alternativen sind reif genug, um ernsthaft geprüft zu werden: Nutanix als integrierte Plattform, Microsoft Hyper-V für Windows-lastige Häuser, Red Hat und KVM im Open-Source-Lager, dazu Proxmox für kleinere Umgebungen und der Weg in Cloud-native Strukturen über Kubernetes. Keine davon ist ein kostenloser Tausch, jede bringt eigene Folgekosten mit.
Was für den Wechsel spricht
Was dagegen spricht
Die Reihenfolge entscheidet. Zuerst gehört der eigene Bestand auf den Tisch: Wie viele Lizenzen, welche Workloads, welche Abhängigkeiten zu Backup, Storage und Netzwerk. Ohne dieses Inventar ist jede Verhandlung ein Blindflug. Darauf folgt ein nüchternes Modell der Gesamtkosten, das den Wechsel und das Bleiben über drei bis fünf Jahre gegenüberstellt, inklusive Migrationsaufwand und Risikopuffer.
Erst dann lohnt der Pilot. Ein kleiner, ehrlicher Proof of Concept auf einer Alternative liefert die Zahlen, die am Verhandlungstisch zählen, und deckt früh auf, wo es im eigenen Stack klemmt. Mit diesem Material in der Hand verändert sich das Gespräch mit dem Anbieter grundlegend. Der CIO sitzt dann nicht mehr als Bittsteller dort, sondern als jemand mit einer echten Wahl. Genau das ist der Unterschied zwischen einer Schock-Rechnung und einem strategischen Vorteil.
Nach der Übernahme durch Broadcom wurde das Portfolio auf wenige Bundles umgestellt, Dauerlizenzen entfielen zugunsten von Abonnements, und Mindestabnahmen kamen hinzu. In Summe berichten Unternehmen von Aufschlägen zwischen 300 Prozent und über dem Zehnfachen bei der Verlängerung.
Das hängt von der Größe und Komplexität der Umgebung ab. Entscheidend ist eine ehrliche Gesamtkostenrechnung über mehrere Jahre. Selbst wenn am Ende das Bleiben gewinnt, verbessert ein dokumentierter Wechselplan die Verhandlungsposition spürbar.
Verbreitet sind Nutanix, Microsoft Hyper-V, Red Hat mit KVM und Proxmox für kleinere Umgebungen. Dazu kommt der Weg in Cloud-native Architekturen über Kubernetes. Jede Option hat eigene Stärken und Folgekosten, eine pauschal beste gibt es nicht.
Mit einem vollständigen Lizenzinventar, einem mehrjährigen Kostenmodell für Bleiben und Wechseln und einem kleinen Proof of Concept auf einer Alternative. Dieses Material macht aus einer reaktiven Verlängerung eine Verhandlung auf Augenhöhe.
Nein. Durch die Mindestabnahmen trifft es mittelgroße Umgebungen oft überproportional, weil sie für Kapazität zahlen, die sie nicht brauchen. Gerade der Mittelstand sollte die eigene Position früh prüfen, statt auf die nächste Verlängerung zu warten.
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