Build, Buy oder Partner: die Rechnung davor
Eva Mickler
7 Min. Lesezeit Die teuerste Build-vs-Buy-Entscheidung ist die, die niemand bewusst getroffen hat. In ...
Gartner hat am 22. April 2026 die globale IT-Spending-Forecast für 2026 auf rund 5.420 Mrd. Euro angehoben, ein Plus von 13,5 Prozent gegenüber 2025. Treiber: KI-Infrastruktur. Data-Center-Spending wächst auf 678 Milliarden Euro (+55,8 Prozent), Server allein auf +36,9 Prozent. Für CIOs bedeutet das nicht mehr Budget, sondern eine Umschichtung von rund 40 Prozent ihrer bestehenden IT-Mittel in zwölf Monaten, weil parallel 71 Prozent angeben, dass ihr KI-Budget gekürzt oder eingefroren wird, sobald Mitte 2026 keine Ergebnisse vorliegen.
07.05.2026
Das Wichtigste in Kürze
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Was ist KI-Infrastruktur-Budget 2026? KI-Infrastruktur-Budget bezeichnet die Mittel, die ein CIO für Server, Data-Center-Kapazität, GPU-Cluster, Inferenz-Hardware und KI-zentrische Software bereitstellt, um produktive Modell-Workloads zu betreiben. Gartner taxiert das globale Delta 2025 auf 2026 auf 345 Milliarden Euro zusätzliches Spending, womit AI-Infra zur größten einzelnen Wachstumskategorie im IT-Budget wird.
Gartner hat seine Prognose für globales IT-Spending 2026 am 22. April 2026 von zuvor 9,8 Prozent auf 13,5 Prozent angehoben, was rund 5.420 Mrd. Euro und einen historischen Sprung beim Data-Center-Spending bedeutet. Treiber sind KI-Infrastruktur-Investitionen der Hyperscaler und Server-Käufe für Training und Inferenz.
Die Pressemitteilung der Gartner-Newsroom ist die fünfte Aktualisierung in zwölf Monaten und die deutlichste. John David Lovelock, Distinguished VP Analyst, ordnet die Bewegung als zweistufig ein: Hyperscaler bauen Kapazität, Enterprises folgen mit eigenen Workloads erst zwölf bis 18 Monate später. Für DACH-CIOs heißt das, dass die Lieferanten-Roadmaps 2026 schon mit Knappheit kalkulieren, das eigene Vorstands-Mandat aber oft noch in der 2025er Logik formuliert ist.
Drei Zahlen aus der Studie sind für die Vorstands-Diskussion relevant. Erstens das Data-Center-Plus von 55,8 Prozent. Zweitens das Server-Plus von 36,9 Prozent. Drittens, weniger sichtbar, das prognostizierte Software-Plus von 16,9 Prozent, getrieben durch AI-zentrische Module in bestehenden ERP- und Collaboration-Suiten. Wer als CIO die Mittel nur in Hardware umschichtet, verliert die Software-Hebel und damit den Großteil der nutzerseitigen Wertschöpfung.
Die spannende Frage ist nicht, wie viel umzuschichten ist, sondern aus welchen Töpfen. In den DACH-Konzernen, deren CIOs aktuell ihren 2026er Mid-Year-Review vorbereiten, kristallisieren sich vier Quellen heraus.
Erstens Legacy-Lizenzen ohne Roadmap. Wartung für Anwendungen, die seit drei Jahren in der Sunset-Diskussion sind, aber jährlich verlängert werden, weil niemand den Migrationsfall durchrechnet. In typischen DAX-Häusern liegen 8 bis 14 Prozent des IT-Budgets in dieser Klasse. Zweitens Custom-Maintenance-Verträge, die historisch gewachsen sind und seit zwei Jahren niemand neu ausgeschrieben hat. Drittens Compliance-Doppelpfade aus der Vor-DORA-Zeit, die sich nach der Datenstrategie-Konsolidierung ohnehin auflösen lassen. Viertens und hier wird es politisch, Hardware-Refresh-Zyklen für Endgeräte, die unter Cloud-First-Strategien länger laufen können, ohne Risiken zu erzeugen.
Was kein Sparpotenzial ist: Cybersecurity-Budget unter NIS2- und DORA-Pflicht, Compliance-Reporting für die ESG-Berichterstattung und Lizenzkosten für nutzergebundene SaaS-Anwendungen mit hoher Adoption. Wer hier kürzt, importiert sich Audit-Risiken, die in Vorstands-Diskussionen sehr viel teurer werden als die ursprüngliche Einsparung.
Wer als CIO im Sommer den nächsten Mittelaufruf vorbereitet, sollte drei Stellen explizit machen, statt sie der Diskussion zu überlassen. Erstens eine schriftliche Sunset-Liste für Legacy-Anwendungen mit Datum, Verantwortlichem und freigewordenem Budget pro Quartal. Zweitens ein Cost-Avoidance-Reporting, das in dem Format läuft, in dem auch Cybersecurity-Investitionen berichtet werden, also als vermiedener Schaden, nicht als Effizienz-Aussage. Drittens eine vorstandstaugliche Token-Cost-Kurve, die zeigt, wie sich KI-Inferenz-Kosten pro Use-Case entwickeln und wo die NVIDIA-Vera-Rubin-Generation die Stückkosten bis 2027 voraussichtlich auf ein Zehntel drückt.
Eine ehrliche Beobachtung zum Schluss. Die interessanten Entscheidungen in dieser Umschichtung sind nicht die im Quartalsbericht, sondern die in der dritten Woche des Mid-Year-Reviews, die niemand mitbekommt. Wer als CIO die Sunset-Liste durchhält und nicht in die Verlängerung kippt, gewinnt Spielraum, den 2027 niemand mehr nachreicht. Wer der Eigentumsfrage ausweicht, bekommt im Herbst eine politische Diskussion mit dem CFO, die viel teurer ist als die Migration selbst.
Eine Mischung. Gartner liefert die globalen Wachstumszahlen pro IT-Segment für 2026 und nennt 345 Milliarden Euro reines AI-Infrastruktur-Delta. Die 30 bis 40 Prozent Umschichtung in einem typischen DAX- oder MDAX-Budget ergibt sich aus der Differenz zwischen Mittelaufstockung (4 bis 9 Prozent) und benötigter Investition für AI-Initiativen, die Vorstand und CIO als kritisch eingestuft haben. Diese Größenordnung wird auch in Info-Tech CIO Priorities 2026 und in der Logicalis CIO-Studie 2026 sichtbar.
Im Geschäftsjahr 2026 lassen sich Legacy-Lizenzen und Custom-Maintenance-Verträge in der Regel nur teilweise schwenken, weil Kündigungsfristen und Restlaufzeiten dagegen sprechen. Realistisch sind 8 bis 12 Prozent Umschichtung im laufenden Jahr, weitere 15 bis 20 Prozent im Folgejahr, wenn die Sunset-Entscheidungen jetzt schriftlich festgehalten werden. Wer 2026 mehr verspricht, fährt das Mandat in Schwierigkeiten.
Cybersecurity- und Compliance-Budget bleiben außerhalb der Umschichtungs-Diskussion. Die KI-Investitionen verändern aber die Compliance-Architektur, weil Prompt-DLP, Agent-Inventur und KI-Modell-Governance neue Pflichten auslösen. Wer hier doppelte Tooling-Pfade aus der Vor-DORA-Zeit auflöst, kann sich Mittel im einstelligen Prozentbereich freischaufeln, ohne das Audit-Niveau zu senken.
Über die Autorin
Angelika Beierlein ist COO bei Evernine. Sie kommt aus Führungsrollen quer durch Medien und Tech-Adjacent und schreibt regelmäßig über Operations- und Vorstandsthemen, in denen Strukturen wichtiger sind als Slogans. Sie hält ehrliche Retrospektiven für teurer als drei Offsites, aber für die einzige Maßnahme, die wirklich etwas verändert.
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Quelle Titelbild: Pexels / RDNE Stock project (px:7414282)
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