Von der Kleinstadt lernen: Erfolgsfaktoren für Smart City-Projekte

Selbst in kleineren Städten blühen schon so manche Leuchtturmprojekte im Bereich Smart City. Ein Beispiel dafür ist Aalen nördlich von Ulm. In der Kleinstadt hat jeder über ein Dashboard Einblick in alle gesammelten Daten. Doch was lässt sich aus solchen Projekten für zukünftige Smart City-Projekte lernen?

Aalen und Heidenheim in Ostwürttemberg: Normalerweise plätschern die Bäche und Flüsse dort friedlich vor sich hin. Aber wenn sie oder die Wiesen nach der Winterschmelze volllaufen, sind sie in 800 Jahren offizieller Stadtgeschichte immer wieder zum Problem für die rund 68.000 Menschen geworden. Um diese vor einem neuen Jahrhunderthochwasser zu bewahren, wurde 2010 schon das Rückhaltebecken Dürrwiesen eingeweiht, das sogar an kalten Wintertagen zur Natureisbahn wird.

Von Pegelständen bis Smart Parking

Es ist daher kein Wunder, dass die jeweilige Echtzeiterfassung der Pegelstände und Bodenfeuchte in dem Smart-City-Modellprojekt für Aalen und Heidenheim eine ganz wichtige Rolle spielt. Diese zählen neben Verkehrszählung, smarten Parkmöglichkeiten, Rettungswegen und Personenfrequenz zu den sieben Punkten, die über ein eigens geschaffenes Dashboard jetzt von überall einsehbar sind. Dadurch sollen die Smart City-Projekte einem größeren Teil der Bevölkerung erschlossen werden.

So messen Ultraschallsensoren den Pegelstand des Kochers in Echtzeit und übertragen die von den batteriebetriebenen Sensoren (mit etwa 10 Jahren Laufzeit) über LoRaWAN (Long Range Wide Area Network) das zuständige Landratsamt und die Behörden in der Landeshauptstadt Stuttgart. Die Funktechnologie ist wesentlich kostengünstiger, flexibler und schneller umzusetzen als über herkömmliche Pegelanlagen. Es sind auch keine umfangreichen Bauarbeiten nötig, um aktuelle Wasserstandmeldungen zu geben.

Smarte Lösungen im Kampf gegen den Klimawandel

Was die Bodenfeuchte angeht, wird mit dem Klimawandel zunehmend zum Problem, dass diese immer mehr ausbleibt und sich Trockenheit breit macht. Extremereignisse wie hohe Temperaturen und Starkregen machen die Pflege von städtischen Grünanlagen zu einer wachsenden Herausforderung. Sensoren erfassen nun den Zustand der Beete, um den städtischen Ressourceneinsatz zu optimieren.

Für die Passanten- und Verkehrszählung hat Aalen an wichtigen Punkten Kamerasysteme installiert, die allerdings DSGVO-konform ausdrücklich für keine personenbezogenen Daten verwendet werden. Smartes Parken ist nicht nur für die Aalener und die Besucher:innen der Stadt, sondern auch für die Senkung der CO2-Emissionen ganz wichtig. Dazu sollen im gesamten Stadtgebiet zunächst über 30 Kamerasysteme und Bodenparksensoren eingesetzt und getestet werden, um die Erfassung dann auf andere Parkmöglichkeiten auszuweiten.

Bereits umgesetzt ist auch die Erfassung von Wohnmobilstellen, Behindertenparkplätzen, der Fahrradfrequenz am Kocherradweg und ein Glätte-Monitoring. Erst in Planung ist das sogenannte Berechtigungsparken für Anwohner:innen, Firmen und Privatparkplätze, wobei unter anderem auch Bluetooth-basierte Beacon-Triangulation zum Einsatz kommen soll.

Smartes Parken ist nicht nur für die Aalener und die Besucher:innen der Stadt, sondern auch für die Senkung der CO2-Emissionen ganz wichtig.(Quelle: AdobeStock/Emanuel Corso)

Damit lässt sich feststellen, ob eine Berechtigung für den jeweiligen Parkplatz vorliegt oder nicht. Und im Zweifel hilft das auch den Ordnungskräften bei der Kontrolle.

Wissenstransfer und Vernetzung

Soweit das Smart-City-Modellprojekt der Stadt Aalen in Ostwürttemberg. Dieses Projekt wird wie andere Modellprojekte auch von der kurz KTS genannten Kontroll- und Transferstelle Smart Cities erfasst. Wie von Digital Chiefs schon berichtet, handelt es sich bei KTS um ein Konsortium aus verschiedenen Wissenschaftseinrichtungen und anderen Institutionen einschließlich des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und dem Deutschen Institut für Urbanistik (Difu). Die 2022 erst gestarteten KTS-Programme sollen vor allem dem Wissenstransfer und der Vernetzung der dadurch geförderten Städte, Kommunen und Gemeinden dienen und ein „Lichtermeer von Leuchtturmprojekten“ schaffen, um Deutschland bei der digitalen und ökologischen Transformation voranzubringen. Leider hapert es aber oft noch an dem benötigten Austausch.

Denn aus den bestehenden Leuchtturmprojekten lassen sich zwar bereits viele Learnings ziehen, wie die Smart Cities der Zukunft aussehen könnten. Dabei sollte man aber auch immer den Blick über die Grenzen Deutschlands hinaus wagen. Man muss dabei aber gar nicht so weit schauen wie nach Singapur, wo man heute an manchen Hochhausfassaden schon moderne „Hängende Gärten der Semiramis“ sieht. Auch Wien, Barcelona und selbst deutsche Städte wie Köln und München haben das Prinzip der vertikalen Begrünung schon in Pilotprojekten realisiert und in die Stadtplanung integriert.

Dashboards wie das in Aalen können dazu beitragen, solche Projekte und ihren Nutzen bekannter zu machen, um aus einigen Leuchtturmprojekten ein wahres Lichtermeer entstehen zu lassen.

Quelle Titelbild: Adobe Stock / blue science-text

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