Wie soll 5G klappen, wenn 4G vielerorts noch ein Problem darstellt?

Wie soll 5G klappen, wenn 4G vielerorts noch ein Problem darstellt?

Die immer noch löchrige Netzabdeckung im Mobilfunk mit 4G, LTE und 5G ist ein Standortnachteil für deutsche Unternehmen und ärgert die Verbraucher. Der Ausbau schreitet nur allmählich voran.

„5G kann ein massiver Beschleuniger werden. Es gibt aber Herausforderungen, in vielen Ländern haben die Carrier nicht genug Geld dafür. Ich war vor ein paar Wochen in Deutschland und hatte nicht einmal 3G, das war wirklich lästig.“ – so formuliert Michael Dell, CEO von Dell Technologies, seine Einschätzung zur Netzwerkabdeckung in Deutschland.

Die großen Drei Telekom, Vodafone und O2 argumentieren, die Auktionen für die Vergabe der 5G-Lizenzen habe so viel gekostet, dass keine Mittel für den Netzwerkausbau übrig geblieben sind.

In der Übersichtskarte der Deutschen Telekom sieht die Situation in der Überblickskarte noch sehr gut aus (Grafik 1). Beim näheren Hinsehen wird es aber selbst in der Nähe von Metropolen wie München gruslig (Grafik 2).

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Aus der Vogelperspektive erscheinen die weißen Flecken unbedeutend und klein. Bildquelle: Deutsche Telekom.
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Beim Hineinscrollen wird dann deutlich, wie groß die weißen Flecken selbst im S-Bahn-Bereich München wirklich sind, in denen meistens nur 2G-Empfang möglich ist. Bildquelle: Deutsche Telekom.

Auch eine Studie von Open Signal deckt auf, wie lückenhaft die Abdeckung mit 4G/LTE wirklich ist . Demnach erhalten Nutzer in den Ballungsgebieten zwar eine recht zuverlässige Versorgung mit schnellem 4G-Mobilfunk (82,2 Prozent Netzabdeckung). Außerhalb der Großstädte fällt die Verfügbarkeit aber schnell ab und die Nutzer müssen sich zu einem Viertel mit 3G oder sogar 2G begnügen.

Nordrhein-Westfalen positioniert sich als Vorreiter bei Netzabdeckung

In Nordrhein-Westfalen ist die Situation besser, wie zumindest der Wirtschaftsminister des Bundeslandes behauptet. „Wir sind beim Mobilfunkpakt auf Kurs“, sagte Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP), gab aber auch zu, dass es noch Nachholbedarf gibt. Ende Dezember 2019 waren demnach 93,3 Prozent der Fläche in NRW von mindestens einem Anbieter mit LTE (4G) versorgt. NRW ist laut dem Ministerium führendes Flächenland bei der LTE-Abdeckung. Bei der Opposition stießen diese Angaben auf Unglauben.

Die Großen Provider rechnen sich die Situation schön: Die Deutsche Telekom konnte nach eigenen Angaben Ende 2019 99,3 Prozent der Haushalte in NRW mit LTE-Netz versorgen, Vodafone 99,4 Prozent und Telefónica 94,3 Prozent. Die Bundesnetzagentur will diese Angaben mit eigenen Studien überprüfen.

5G als Hoffnungsträger

Auf dem neuen Standard 5G ruhen jetzt viele Hoffnungen. Laut Angaben der Telekom konnten zum Jahreswechsel 2019 500.000 Kunden 5G nutzen. Das wird durch allerdings nur 450 Sendemasten mit einer durchschnittlichen Reichweite von 100 Metern erreicht.  Von einer flächendeckenden Abdeckung sind die Provider also noch Lichtjahre entfernt.

Erfolgversprechender sind Campus-Netzwerke für einzelne Unternehmen, wie der VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau) betont. „Dieser Ansatz wird Innovationen im Bereich der Anwendung von 5G im Maschinen- und Anlagenbau beflügeln und die Verschmelzung der Domänen Funktechnologie und Maschinenbau beschleunigen“, sagt Dr. Reinhard Heister, Geschäftsführer VDMA Elektrische Automation.

Das sollte für Unternehmen aber keine Grenze sein. Mit firmeneigenen 5G-Netzen können diese schon jetzt alle Vorteile des schnellen Netzwerks für das Unternehmen ausschöpfen. In unserem Artikel „Ist 5G die Lösung für die Digitalisierung der Stadien?“ können Sie lesen, wie Axians ein Stadion eines Erstligisten ausgebaut hat und welche Vorteile sich den Betreibern sowie den Besuchern daraus ergeben.

 

Bildquelle: istock.com/PeopleImages

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