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Das ist die Zukunft der urbanen Mobilität

Statt mit dem eigenen Auto oder den „Öffis“ zur Arbeit zu fahren, steigen viele Städter heute auf andere Verkehrsmittel um. E-Bikes und E-Scooter werden genauso zur Normalität wie Fahrrad- und Carsharing-Angebote, Uber und neue Kleinstfahrzeuge wie Renaults Twizy.

Hier zunächst drei brandaktuelle Meldungen, welche die Zukunft der Mobilität in Deutschland entscheidend beeinflussen könnten: Am 10. Februar 2021 hat das Kabinett laut pv magazine ein Gesetz zur Ausschreibung von 1.000 leistungsstarken Schnelllade-Hubs beschlossen. An dem Tag hat die Bundesregierung der F.A.Z. zufolge auch den Weg für autonomes Fahren freigemacht, um Deutschland zum ersten Land zu machen, das Autos ohne Fahrer in den Regelbetrieb bringt. Noch eine Meldung des Tages war, dass VW mit Flugtaxis in China „die Lüfte erobern“ will, wie es N-TV nennt. Dort wären die elektrisch fliegenden Vehikel aufgrund der viel schlimmeren Stau-Situation auch viel nötiger als in Deutschland.

Umstieg vom Auto aufs E-Bike & Co.

München galt früher als reine Autofahrerstadt. Gefühlt blieb sie das noch lange, auch Jahrzehnte, nachdem die selbsternannte Weltstadt mit Herz zu den Olympischen Spielen 1972 die erste U-Bahn bekam. Heute sieht man dort allerorten Angebote von Carsharing, Ladestationen für E-Autos und Terminals für Leihfahrräder. Erstaunlich ist aber vor allem, dass die Stadt so wie Berlin, für viele Autofahrer unverständlich, Fahrbahnen verengt, um mehr Platz zu machen für die stark wachsende Zahl von Fahrrad- und Rollerfahrern, immer mehr davon elektrisch unterwegs.

In den vergangenen Monaten fällt verstärkt auf, dass immer mehr Berufstätige dank Elektroantrieb vom geliebten Pkw aufs Fahrrad umsteigen. Wenn Arbeitnehmer aber damit pendeln, ihr E-Bike in der Firma aufladen und es dort zu einem Brand kommt, können Schäden in Millionenhöhe entstehen.

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Dank Elektroantrieb steigen immer mehr Berufstätige aufs Fahrrad um. Quelle: iStock / amriphoto

E-Bikes und Pedelecs haben tatsächlich dem Fahrradaufkommen einen enormen Schub verliehen. Um E-Scooter ist es nach der anfänglichen Euphorie wieder etwas stiller geworden, doch auch die bestimmen heute vielfach das Stadtbild, so wie in Paris immer mehr Klein- und Elektroleichtfahrzeuge wie der Twizy von Renault und den neuen Citroën Ami. Anne Hidalgo, die Bürgermeisterin der französischen Hauptstadt, trägt laut dem eMobilität-Blog zum Thema Elektroleichtfahrzeuge mit ihrem von den Gegnern aggressiv, von den Befürwortern mutig und richtig genannten Vorgehen gegen den Autoverkehr viel dazu bei, dass sich dort alternative Mobilitätskonzepte durchsetzen. Und nicht nur dort.

Hat das eigene Auto bald ausgedient?

Die Automobilindustrie hat auch längst erkannt, dass das eigene Auto, an dem viele Babyboomer noch hängen, im innerstädtischen Verkehr als Zukunftsmodell ausgedient hat, zumal viele junge Pendler gar nicht daran denken, sich selbst eines zuzulegen.

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Das eigene Auto hat im innerstädtischen Verkehr als Zukunftsmodell ausgedient. Quelle: iStock / martin-dm

Folglich haben sich manche der Hersteller so wie BMW und Mercedes-Benz versucht, sich selbst an die Spitze des Carsharing-Zugs zu setzen.

Dazu gehört auch der als myTaxi mit einer App begonnene und im Anfang 2019 übernommene Mobilitätsdienst Free Now.

Wegen anhaltender Verluste kamen ebenfalls laut Handelsblatt ein Jahr später Meldungen auf, BMW und Daimler planten, das Unternehmen an Uber zu verkaufen. Dabei soll Free Now von über 50 Millionen Kunden in mehr als 100 Städten regelmäßig genutzt sein.

Neue Konzepte für nahtlose Mobilität

Mobilitätsdienste wie Uber oder FreeNow sind disruptive Konkurrenz zu Taxiunternehmen. Aber wenn man von dem innerstädtischen Pendlerverkehr wegdenkt, könnten sie mit Sammeltaxis auch dazu beitragen, die Mobilitätsprobleme auf dem Land zu lösen oder wenigstens zu lindern. Eine neue Generation von E-Autos hat Reichweiten, die zudem auch die Widerstände der Landbevölkerung zu nehmen. Es bleibt aber das Problem, dass der Pendlerverkehr die Innenstädte verstopft.

Auch dagegen gibt es längst nicht nur Konzepte, aber Park+Ride-Plätze an der Peripherie von Großstädten, werden noch viel zu selten genutzt. Dabei sind sie oft gar nicht so teuer. Was jedoch dagegen spricht, ist die Tatsache, dass die nächste S- oder U-Bahn oft viel zu lange auf sich warten lässt, wenn sie im Winter überhaupt fährt.

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Park&Ride-Plätze an der Peripherie von Großstädten werden noch viel zu selten genutzt. Quelle: iStock / CHUNYIP WONG

Markus Enoch, Professor für Verkehrsstrategien der britischen Loughborough University, hat für Neuseeland urbane Mobilitätskonzepte der Zukunft ausgearbeitet und diese in The Conservation vorgestellt. Dabei hat er auf einer x-Achse entlang teilweise und voller Automatisierung und einer y-Achse entlang Städte mit niedriger und hoher Bevölkerungsdichte vier Strömungen ausgemacht. Eine davon nennt er „Connected Corridors“. Er verbindet damit die Idee von einer App, die als Hilfe dient, nahtlos von einem zum anderen Verkehrsmittel zu wechseln. „In weniger besiedelten Gebieten sieht er, wie automatisch gesteuerte „Plentiful Pods“ (zahlreiche führerlose Personentransportsysteme) die öffentlichen Verkehrsmittel und privaten Autos ablösen.

Infrastrukturen für Smart Cities gefordert

Natürlich muss für all das auch jeweils die Infrastruktur geschaffen werden. Und das geschieht ja schon in vielen Städten und sogar in ländlichen Regionen. Man denke nur an die vielen geplanten und bereits aufgestellten Ladestationen für E-Autos. Diese könnten in Verbindung mit Smart Grids (intelligenten Stromnetzen) auch als fahrende Batterien dienen und somit die Speicherprobleme für erneuerbare Energien lösen. Nicht verfahrener Strom kann wieder ins Netz eingespeichert werden, um Spitzenlasten überbrücken zu helfen. Auch das ist Teil von vielen Konzepten Richtung Smart City, an denen viele Unternehmen mitarbeiten. Zu den treibenden Kräften weltweit gehören unter anderem Cisco und die Axians-Mutter VINCI Energies.

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Dr. Bernhard Kirchmair ist Chief Digital Officer (CDO) von VINCI Energies für die DACH-Region und Osteuropa. Als ausgewiesener Experte für Smart Cities hat er bereits mehrere Beiträge für Digital Chiefs zu dem Thema verfasst. Warum es in seinen Augen noch keine echte Smart City in Deutschland gibt, München und Dortmund aber auf einem guten Weg sind, zeigt er in seinem Beitrag „Smart City: Der Weg ist das Ziel“.

Beispiele für Smart-City-Projekte

Von der Stiftung „Lebendige Stadt“ als digitalste Stadt ausgezeichnet, hat Dortmund zum Beispiel für ältere und hilfebedürftige Menschen, die zu Hause wohnen möchten eine sogenannte „Smart Service Power“ eingerichtet. E-Health, Smart Home, Ambient oder Active Assisted Living (AAL) und Notruf-Systeme sowie Pflege und Concierge-Dienste greifen dort ineinander.

München geht bei der Reduzierung fossiler Brennstoffe voran. So haben die städtischen Stadtwerke (SWM) und die Münchener Verkehrsgesellschaft (MVG) 2018 im Rahmen zweier Förderprojekte begonnen, E-Mobilitätsstationen im ganzen Stadtgebiet einzurichten. Hinzu kommen der Carsharing-Anbieter STATTAUTO und MVG-Mieträder sowie Ladestationen für E-Bikes und E-Trikes genannte Lastenfahrräder mit Elektroantrieb. „Smarter Together“ hat sich als Projekt zum Ziel gesetzt, die CO2-Emissionen in der Isarmetropole um mehr als 20 Prozent zu senken.

Dass sich gerade die Startup-Szene besonders hervortut im Bereich Smart Cities beschreibt Dr. Kirchmaier in diesem Beitrag anhand von sieben Beispielen. Eines davon ist SO NAH aus Aachen, das sich der Idee vom Smart Parking verschrieben hat, ein weiteres Beispiel ist Zolitron aus Bochum, Kooperationspartner der Axians eWaste GmbH für die nachhaltige Müllentsorgung. Wieder ein anderes ist Swarm Analytics aus Innsbruck. Das Unternehmen unterstützt Axians in Österreich bei der Umsetzung von IoT-Projekten im Bereich Smart Cities. Dazu hat Swarm Analytics unter anderem eine KI entwickelt, um im Fahrzeug verbaute Kameras in intelligente Sensoren zu verwandeln, die als End-to-End-Lösung für Verkehr, Parken, öffentliche Verkehrsmittel und Einzelhandel eine Reihe von Services unterstützen.

Wie das Auto mit M2M-Vernetzung über Sensoren zum Dienstleister wird, konnte man 2015 schon in diesem Computerwoche-Artikel über Machine-to-Machine-Vernetzung und die industrielle oder kommerzielle Nutzung des Internets der Dinge lesen. Ein umfassendes Smart-City-Konzept wie in Singapur, Vorreiter bei Einführung eines vollautomatischen, elektronisch gesteuerten City-Mautsystems, gab es damals und gibt es noch kaum in Deutschland. Aber es hat sich schon viel getan in den Bereichen IIoT und Smart Cities. Und die wachsen auch dank Axians und VINCI Energies immer mehr zusammen.

Quelle Titelbild: iStock / IGphotography

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