09.01.2025

12 Min. Lesezeit

Der Glasfaserausbau in Deutschland stagniert: Bis Juni 2024 verfügten laut der BREKO Marktanalyse nur 43,2 Prozent der Haushalte über einen Glasfaseranschluss – weit unter dem Ziel der Bundesregierung, bis 2030 100 Prozent zu erreichen. Der klassische Tiefbau verursacht nicht nur lange Projektlaufzeiten, sondern treibt die Kosten durch Asphaltsanierung und Genehmigungsprozesse für Bauvorhaben unnötig in die Höhe. Oberirdische Verlegemethoden bieten eine technisch ausgereifte Alternative, die bis zu 70 Prozent Zeit und 50 Prozent Kosten einspart – und gleichzeitig Nachhaltigkeitsziele voranbringt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut der BREKO Marktanalyse verfügten bis Juni 2024 nur 43,2 Prozent der Haushalte über einen Glasfaseranschluss – das Ziel der Bundesregierung, bis 2030 100 Prozent zu erreichen, ist bei der aktuellen Geschwindigkeit nicht realistisch.
  • Oberirdische Verlegemethoden beschleunigen Projekte um 60 bis 70 Prozent und reduzieren Genehmigungsprozesse für Bauvorhaben erheblich, da keine tiefgreifenden Eingriffe in die Infrastruktur nötig sind.
  • Die technische Differenzierung ermöglicht eine gezielte Auswahl der Verlegemethode: In dünn besiedelten Regionen ist der oberirdische Ausbau wirtschaftlich und technisch überlegen.
  • Die Kostenspirale des Tiefbaus – verursacht durch Straßenaufbruch und Asphaltsanierung – wird durch oberirdische Lösungen durchbrochen: Einsparungen von bis zu 50 Prozent bei CAPEX sind möglich.
  • Der Einsatz von Beton und Asphalt sinkt um bis zu 80 Prozent pro Kilometer, was die Bedeutung für Compliance und ESG-Ziele erhöht – und die Akzeptanz in der Bevölkerung steigert.
43,2 Prozent
Berichtete Glasfaserabdeckung in deutschen Haushalten laut BREKO Marktanalyse 2024

80 – 90 Prozent
Anteil des Netzes, der aktuell noch im herkömmlichen Tiefbau verlegt wird

„Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie schnell wir alternative Verlegemethoden skalieren können.“

Regulatorische Blockaden bremsen den Fortschritt

Die Fortschrittsgeschwindigkeit des Glasfaserausbaus in Deutschland wird systematisch durch regulatorische Blockaden behindert. Während skandinavische Länder und die Niederlande bereits 2010 auf flächendeckende Glasfaserinfrastruktur umgestiegen sind, setzte Deutschland lange auf Kupfer. Diese Tatsache führt heute zu einem strukturellen Rückstand. Laut der BREKO Marktanalyse verfügten bis Juni 2024 erst 43,2 Prozent der Haushalte über einen Glasfaseranschluss. Bei einem jährlichen Zuwachs von 40 Prozent wäre das Ziel der Bundesregierung, bis 2030 100 Prozent zu erreichen, theoretisch möglich – doch die Realität sieht anders aus.

Die Genehmigungsprozesse für Bauvorhaben sind der größte Engpass. In vielen Kommunen dauern Verfahren zwischen 8 und 12 Monaten, oft verlängert durch personelle Unterbesetzung in Bauämtern. Gleichzeitig explodieren die Kosten: Ein Kilometer Tiefbau kostet zwischen 150.000 und 200.000 Euro, getrieben durch Straßenaufbruch, Asphaltsanierung und Verkehrsbehinderungen. Diese Kostenspirale des Tiefbaus macht viele Projekte unwirtschaftlich – besonders in ländlichen Regionen mit geringer Haushaltsdichte.

Für IT-Entscheider bedeutet das: Wer auf klassische Genehmigungswege setzt, plant automatisch mit Verzögerungen. Die Neukalkulation von CAPEX und OPEX muss daher nicht nur technische, sondern auch regulatorische Risiken einpreisen. Die Anpassung der Lieferkettenstrategien für Netzinfrastruktur ist kein IT-Thema, sondern ein strategisches Unternehmensrisiko. Ohne Beschleunigung der Genehmigungsprozesse für Bauvorhaben bleibt das 2030-Ziel reine Symbolpolitik.

Technische Differenzierung schafft operative Vorteile

Die technische Differenzierung zwischen oberirdischer und unterirdischer Verlegung ist kein technologischer Bruch, sondern eine logische Antwort auf unterschiedliche geografische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Die oberirdische Verlegung von Glasfaserkabeln verkürzt Projektlaufzeiten um 60 bis 70 Prozent – von 12 bis 18 Monaten auf 4 bis 6 Monate. Dieser Vorteil resultiert aus der Vereinfachung von Genehmigungsprozessen und dem Wegfall umfangreicher Tiefbauarbeiten.

Die Methode nutzt bestehende Infrastruktur: Telefonmasten, Stromtrassen oder Verkehrsleitsysteme können als Träger dienen, sofern die Statik und Substanz der Pfähle ausreichen. In dünn besiedelten Gebieten, wo die Anschlussdichte unter 15 Haushalten pro Kilometer liegt, wird der oberirdische Ausbau wirtschaftlich attraktiv. Die Verlegung erfolgt über Pfähle mit speziellen Kabelhalterungen, die Windlasten bis Sturmstärke 12 und Temperaturen von -40°C bis +70°C aushalten. UV-stabilisierte Mantelmaterialien verhindern Witterungsschäden.

Der operative Vorteil liegt in der Wartbarkeit: Bei einem Kabelbruch ist die Stelle innerhalb von 30 Minuten erreichbar. Im Tiefbau hingegen dauert die Lokalisierung und Reparatur oft mehrere Tage – mit erheblichen Ausfallkosten für geschäftskritische Anwendungen. Für Unternehmen mit dezentralen Standorten oder Produktionsstätten in ländlichen Regionen ist das ein entscheidender Faktor. Die technische Differenzierung ermöglicht es, die Verlegemethode gezielt nach Wirtschaftlichkeit, Geschwindigkeit und Wartungsaufwand zu wählen – statt einheitliche Standards zu erzwingen.

Kostenstruktur verändert sich fundamental

Die Kostenspirale des klassischen Tiefbaus zwingt zu einer Neukalkulation von CAPEX und OPEX. Oberirdische Projekte senken die Initialkosten um 30 bis 50 Prozent – bei einem Kilometer Tiefbau von 180.000 Euro auf 90.000 bis 120.000 Euro. Der größte Einsparfaktor ist der Wegfall von Asphaltsanierung und Straßenaufbruch, die allein 60 Prozent der Tiefbaukosten ausmachen. In ländlichen Gebieten amortisiert sich ein oberirdisches Projekt nach 3 bis 4 Jahren, während Tiefbauvarianten 8 bis 10 Jahre benötigen.

Die OPEX-Struktur verändert sich ebenfalls: Wartungskosten steigen leicht um etwa 15 Prozent, da die Kabel exponierter liegen. Doch Reparaturkosten sinken drastisch – nicht nur durch kürzere Zeiten, sondern auch durch geringeren Personalaufwand. Bei einem Ausfall ist ein Techniker innerhalb von Stunden vor Ort, statt tagelange Grabungsarbeiten zu koordinieren. Für Unternehmen mit hohen Verfügbarkeitsanforderungen wie Cloud-Dienstleister oder Rechenzentren ist das ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.

Trotzdem bleibt der Tiefbau in städtischen Gebieten dominierend: Bei einer Anschlussdichte von über 50 Haushalten pro Kilometer und hohen ästhetischen Erwartungen ist er weiterhin die Standardlösung. Etwa 80 bis 90 Prozent des deutschen Glasfasernetzes wird auch langfristig unterirdisch verlegt. Doch die verbleibenden 10 bis 20 Prozent oberirdischer Infrastruktur sind entscheidend für die Zielerreichung bis 2030 – besonders in Regionen, die sonst nicht versorgt würden.

Nachhaltigkeitskriterien werden geschäftsrelevant

Nachhaltigkeit ist kein Nebeneffekt, sondern ein zentraler Treiber für die Wahl der Verlegemethode. Die oberirdische Verlegung reduziert den Bedarf an Beton und Asphalt um bis zu 80 Prozent pro Kilometer. Das entspricht einer CO2-Einsparung von etwa 12 Tonnen je Kilometer – ein signifikanter Beitrag zu Scope-3-Zielen. Für Konzerne mit strengen ESG-Vorgaben wird das zur Beschaffungsanforderung.

Weitere Vorteile: Materialaushub entfällt nahezu vollständig. Es fallen keine Deponiekosten an, keine Transportwege für Aushubmaterial und keine Lärmbelastung durch Presslufthämmer oder Baggern. Die Lärmentwicklung sinkt um 70 bis 80 Dezibel – ein entscheidender Faktor für die Akzeptanz in Wohngebieten. Zudem können Pfähle aus nachhaltigem Holz oder recyceltem Stahl gefertigt werden, was die Ökobilanz weiter verbessert.

Diese Faktoren wirken sich direkt auf die Genehmigungsfähigkeit aus. Bürgerinitiativen lehnen oberirdische Projekte seltener ab, wenn Umweltvorteile klar kommuniziert werden. Die Bedeutung für Compliance-Ziele steigt: Unternehmen, die ihre Infrastruktur nachhaltig ausbauen, erfüllen nicht nur regulatorische Anforderungen, sondern verbessern auch ihre Reputation. Die Hand nach Nachhaltigkeit wird zur strategischen Entscheidungsgrundlage – nicht nur moralisch, sondern ökonomisch.

Strategische Partnerwahl entscheidet über Projekterfolg

Die Umsetzung von Festnetzinfrastruktur erfordert einen Partner, der beide Verlegemethoden beherrscht. Axians Deutschland positioniert sich als solcher Generalunternehmer: vom Beratungsgespräch über die Standortbegehung bis zur praktischen Umsetzung. Das Unternehmen bietet sowohl oberirdische als auch unterirdische Verlegung aus einer Hand – und eliminiert so Schnittstellenrisiken zwischen verschiedenen Gewerken.

Entscheidend ist die Post-Implementation-Phase: Axians übernimmt die Bestandsnetzbetreuung, Nachverdichtung und 24/7-Entstörung. Bei kritischer Infrastruktur kann das über Erfolg oder Scheitern der Digitalisierungsstrategie entscheiden. Ein Anbieter, der nur Tiefbau beherrscht, wird in ländlichen Projekten unwirtschaftlich oder scheitert an den Genehmigungshürden.

CIOs sollten ihre Lieferantenbewertung überdenken: Flexibilität bei Verlegemethoden ist wichtiger als der niedrigste Einstiegspreis. Wer 2024 noch auf reine Tiefbau-Spezialisten setzt, riskiert Projektlaufzeiten von 18 bis 24 Monaten statt 6 bis 8 Monaten. Die Technologie ist verfügbar, die Zeit läuft ab – nur die Umsetzungsstrategie entscheidet über den Projekterfolg. Die Partner für die Umsetzung von Festnetzinfrastruktur müssen hybride Lösungen liefern können, um das 2030-Ziel realistisch zu erreichen.

Häufige Fragen

Wie lange dauert die oberirdische Verlegung im Vergleich zum Tiefbau?

Oberirdische Projekte benötigen 60 – 70 % weniger Zeit als Tiefbauprojekte. Statt 12 – 18 Monaten sind oft 4 – 6 Monate ausreichend, da Genehmigungsprozesse vereinfacht werden und weniger Bautätigkeiten anfallen.

Welche Kosteneinsparung ist bei oberirdischer Verlegung realistisch?

Die Initialkosten sinken um 30 – 50 % gegenüber Tiefbau. In ländlichen Gebieten amortisieren sich Projekte nach 3 – 4 Jahren statt 8 – 10 Jahren, da teure Asphaltsanierungen und Straßenaufbrüche entfallen.

Ist oberirdische Glasfaser wetterbeständig genug für deutsche Verhältnisse?

Moderne oberirdische Kabel sind für Temperaturen von -40°C bis +70°C ausgelegt, UV-stabilisiert und windlastbeständig bis Sturmstärke 12. Die Ausfallrate ist vergleichbar mit unterirdischen Systemen.

Welche Rolle spielen Nachhaltigkeitskriterien bei der Wahl der Verlegemethode?

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