Lieferkettengesetz CSRD Nachhaltigkeit Unternehmen Digital Chiefs unter der Lupe

Neues Jahr, neue Gesetze: das Lieferkettengesetz und die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)

Mit dem 1. Januar 2023 sind eine Reihe neuer Gesetze und Verordnungen in Kraft getreten. Für Unternehmen mit Mehraufwänden, aber auch mit Chancen verbunden sind das neue Lieferkettengesetz und die EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD).

Laut dem Cloud Monitor 2022 von Bitkom Research ist Nachhaltigkeit beziehungsweise der Umweltgedanke nach der erhofften Kostensenkung schon der zweit wichtigste Beweggrund, den Weg in die „berühmte Wolke“ zu suchen. Und tatsächlich gehören Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung, unter den Kürzeln CSR und ESG sublimiert, heute zu den beherrschenden Themen in der Unternehmenswelt. Das spiegelt sich auch in neuen Gesetzen und Verordnungen auf EU- wie auf Bundesebene wider, obwohl Bund, Ländern und Kommunen mit dem vielfach noch nicht erfüllten Online-Zugangsgesetz (OZG) mit dem neuen Jahr auch in der Pflicht sind.

Klimaschutz geht alle etwas an

Die Neuerungen, die vor allem Produktions- und Handelsunternehmen betreffen, ist einmal das schon lange diskutierte Lieferkettengesetz, welches mit dem Zusatz Sorgfaltspflicht als kurz LkSG Unternehmen verpflichtet, bei ihren weltweiten Lieferketten bis zum letzten Stakeholder darauf zu achten, dass zum Beispiel keine Kinderarbeit und Umweltverletzung im Spiel ist. Das andere ist die neue EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitspflichtberichterstattung, auf Englisch Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) genannt, die in eine ähnliche Richtung geht, aber doch etwas verschieden ist. Beide Gesetze oder Verordnungen sind nun am 1. Januar 2023 in Kraft getreten und rechtswirksam.

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Die am 1. Januar in Kraft getretene Corporate Sustainability Reporting Directive nimmt Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit unter die Lupe. Quelle: Adobe Stock / Kiattisak

LkSG und CSRD – „Fluch und Segen“ für die Tech-Branche

Wie Dr. Kristin Vanselow von Axians Deutschland in ihrem im April 2022 veröffentlichten Fachbeitrag auf Digital Chiefs schreibt, hatte man bei der CSRD ursprünglich nur an kapitalmarktorientierte Unternehmen und mehr als 500 Unternehmen gedacht, dann aber die Berichtspflicht auf Betriebe mit 250 und mehr Mitarbeitenden ausgeweitet.

Mit einem Klick erfahren Sie von Dr. Kristin Vanselow mehr über die Richtlinien zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) ↓

Es ist daher davon auszugehen, dass in diesem Jahr bereits rund 50.000 statt der ursprünglich genannten knapp 12.000 Unternehmen von CSRD betroffen sein werden. Ab 2026 sollen auch kapitalmarktorientierte kleinere und mittelgroße Unternehmen (KMU) ab zehn Beschäftigten in die Pflicht genommen werden.

Was das Lieferkettensorgfalts- oder kurz Lieferkettengesetz angeht, mussten sich laut unserem Fachbeitrag auf Digital Chiefs mit dem Titelzusatz „Fluch und Segen für Tech-Unternehmen“ bis 2023 zunächst nur Unternehmen mit mehr als 3.000 Beschäftigten darauf einstellen.

Lieferkettengesetz CSRD Nachhaltigkeit Unternehmen Digital Chiefs unter der Lupe

Es stehen noch einige Fragen im Raum

Der Gesetzgeber unterscheidet bei den vorgeschriebenen Audits aber zwischen A-, B- und C-Lieferanten, das heißt, zwischen ganz unersetzlichen, relevanten und austauschbaren Auftragnehmern, die aber vielleicht günstiger als die Konkurrenz sind. Denn die Bewertung soll die Unternehmen nicht an ihrer Wirtschaftlichkeit verhindern, sondern vielmehr auf die nachhaltigen und ethischen Rahmenbedingungen hinweisen und warnen. Und bei den digitalen Audits, wie sie unter anderem Innolytics durchführt, kommt oft schon KI zum Einsatz, um zum Beispiel Sprachbarrieren zu überwinden und sich mit Herstellern in China oder Indien verständigen zu können.

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Quelle: Adobe Stock / Song_about_summer

Rudolf Aunkofer, Gründer und Direktor des Instituts für Information & Supply Chain Management (iSCM), sieht das Lieferkettengesetz derweil als Segen für die High-Tech-Branche, weil es die digitalen Transformationsprozesse und bestehenden Bestrebungen deutlich beschleunigen wird. Gefragt sein würden dabei Lösungen wie besagtes Supply Chain Management, KI, Platform-as-a-Service (PaaS), die Blockchain-Technologie und Automatisierung.

Jede(r) kann seinen Beitrag leisten

Das CSR in CSRD scheint verwirrend, aber hier ist tatsächlich Corporate Sustainability Reporting und nicht Corporate Social Responsibility gemeint, auch wenn die soziale Verantwortung Umweltschutz und Nachhaltigkeit nicht ausschließt. Sie sollte im Kern erstmal einen Rechtsrahmen für nachhaltige Finanzen schaffen und die Offenlegungs- und Taxanomie-Verordnungen in Einklang bringen.

Ein etwas schwieriger Begriff und Komplex ist die doppelte Materialität oder Wesentlichkeit. Gemeint ist, dass die rund 50.000 betroffenen Unternehmen in der EU die eigenen Nachhaltigkeitsaspekte aus zwei Perspektiven betrachten müssen. Die eine ist die Perspektive von außen nach innen („outside in“), bei der Unternehmen bewerten, wie sich Klimawandel und Biodiversität etwa auf den eigenen Erfolg und zukünftigen Cashflow auswirken. Die andere Perspektive ist die Sicht von innen nach außen („inside out“), bei der es darum geht, Rechenschaft darüber abzulegen, wie sich das eigenen unternehmerische Handeln auf Mensch, Gesellschaft auswirkt. Zusammengenommen soll die doppelte Materialität unter anderem auch dem Greenwashing entgegenwirken.

Handlungsempfehlungen für Unternehmen und Behörden

Wie Dr. Vanselow als Expertin auf Digital Chiefs in ihrem Artikel ausführt, wirft die Aufschlüsselung der neuen Vorgaben noch Fragen auf. Zum Beispiel die, wo der Verbraucher in der Verantwortung ist und wo Unternehmen in der Lage sind, ihm zu helfen, CO2-arme oder -neutrale Produkte zu kaufen.

Digital Chiefs Dr.Kristin Vanselow

Gleichzeitig brauche es auch ein entsprechend sensibilisiertes Personal, das in der Lage ist, Geschäftsfelder, Produkte und Services angemessen auf die neuen Standards auszurichten, womit das Thema Change Management eine immer wichtigere Rolle spielen wird. War bisher vornehmlich das Controlling und Abteilung für Umweltmanagement für das Reporting verantwortlich, wird es nun jeder Geschäftsbereich, der zum betriebliche Emissionen  verursacht.

Axians und der Mutterkonzern VINCI Energies sowie andere VINCI-Tochtergesellschaften begleiten Unternehmen, Städte und Kommunen schon lange auf ihrem Weg zur grünen Transformation. So hat Axians zum Beispiel mit AXIOM eine smarte Lösung für das Energiemanagement von Gebäuden und Industrieanlagen geschaffen sowie eine Carbon oder CO2 Footprint App mi t angebundenem Umweltreporting in der eNaturecloud von Axians eWaste. Damit kann jeder Einzelne im Unternehmen in Echtzeit und en detail verfolgen, wieviel CO2 er oder sie verbraucht hat und können sie sich auch persönliche Ziele setzen, was Umweltschutz mit Gamification verbindet.

Wie das anfangs genannte Beispiel Cloud-Motivatoren zeigt, ist Nachhaltigkeit beziehungsweise Umweltschutz den meisten Unternehmen mittlerweile ein echtes Anliegen geworden. Schließlich verspricht es im War of Talents, der sich mit Ausscheiden der älteren Generationen am Arbeitsmarkt in den nächsten Jahren noch verschärfen wird, auch ein Wettbewerbsvorteil, auch für viele KMUs, die heute schon händeringend nach Fachkräften und Nachwuchstalenten suchen. Außerdem lässt die Energiewende auch neue Geschäftsmodelle und Arbeitsplätze entstehen. Und somit sollten das Lieferkettengesetz und vor allem die Corporate Sustainability Reporting Directive auch als Chancen gesehen werden, fördert es doch auch das Image und Employer Branding, so Dr. Vanselow, CSR- und Nachhaltigkeitsbeauftrage bei Axians Deutschland.

Quelle Titelbild: Adobe Stock / TarikVision

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